Würzburg

Biblisches Reisen: Auf den Spuren der Bibel reisen

Reisen zu christlichen Stätten boomen. Deshalb gibt es den neuen Master-Lehrgang "Biblisches Reisen" in Kooperation mit der Hochschule Heiligenkreuz.

Tower of David in Jerusalem, Israel.
Biblisches Reisen in Jerusalem führt auch zum Davidstor, das archäologisch von großem Interesse ist. Foto: Adobe Stock

Rom, Vatikanische Museen: Vor dem Eingang bildet sich eine kilometerlange Menschenschlange. An Tagen mit großem Andrang steht man bis zu drei Stunden an, um die Sixtinische Kapelle und Co. besichtigen zu können. Szenenwechsel. Man befindet sich in der Grabeskirche in Jerusalem: Direkt beim Eingang stößt man auf Touristen, die in einem Kreis auf dem Boden knien. Es riecht nach Rosen. Was ist das Objekt, das von den Menschen so dicht umzingelt und sogar geküsst wird? Es handelt sich um den Salbungsstein, auf dem – der Tradition nach – Jesu Leichnam für die Beerdigung einbalsamiert wurde.

Ein Studium für Herz und Verstand

Was machen Besuche der biblischen Stätten so beliebt bei Menschen des 21. Jahrhunderts? „Die Bibel wird auf einmal zu einem Ort, den man besuchen, sehen und anfassen kann. Ein Ort, den man plötzlich mit seinen ganzen Sinnen wahrnimmt. Alles wird viel fassbarer und greifbarer“, erzählt Marcel begeistert. Der Student der Katholisch-Philosophischen Hochschule Heiligenkreuz Benedikt XVI. besuchte die Trias Israel, Griechenland und Rom im Rahmen von Studienreisen, die vom Institut für Biblische Archäologie und Biblisches Reisen angeboten werden. Das Institut wird geleitet von Professor Friedrich Schipper, der auch der Lehrgangsleiter des neuen Master-Lehrgang „Biblisches Reisen“ vonseiten der Hochschule ist und maßgeblich an dessen Entstehung beteiligt war.

Ein Ziel des Studienprogramms ist, dass die Teilnehmenden lernen, spannende Reiserlebnisse zu gestalten. „Erfolgreiche Tour-Konzepte der Gegenwart verbinden Wissensvermittlung mit Gefühlen. Wir sind der Überzeugung, dass Reisende heute – neben Wissen über das Fremde – intensive und authentische Erlebnisse suchen. Wir haben hierfür ein innovatives Curriculum entwickelt, das Faktenwissen im biblischen Bereich mit Storytelling, Dramaturgie und Erlebnisgestaltung verbindet“, zeigt sich Professor (FH) Claudia Bauer-Krösbacher, Lehrgangsleiterin vonseiten der IMC (= International Management Center) Fachhochschule Krems, begeistert.

Die Verbindung von Faktenwissen und Emotionen ergibt sich bei Besuchen von heiligen Städten fast wie von selbst. Das erlebte Matthias, der, wie auch Marcel, Student der katholischen Theologie an der Hochschule Heiligenkreuz ist, bei der Besichtigung des Grabes des Apostels Petrus, dass sich unterhalb des Petersdoms befindet. „Es ist die Archäologie und naturwissenschaftliche Forschung, die die Echtheit dieses Grabes und der Knochenfunde bestätigt, sodass für mich in dem Moment, wo ich vor den Reliquien des Petrus stand, wusste: Das ist er wirklich! Es ist interessant zu sehen, wie hier moderne Welt und Forschung und Glaube und Frömmigkeit aufeinandertreffen und einander behilflich sind!“, so der 21-Jährige.

Historische Fakten bekräftigen den Glauben

Landläufig wird oft angenommen, dass Glaube und Wissenschaften nichts miteinander zu tun haben. Die Bibel wird innerhalb dieser Vorstellung als rein mythologische Erzählung wahrgenommen. Dass sie jedoch voll von historischen Orten und Fakten ist, wird übersehen. In den letzten Jahren stieß die Archäologie immer wieder auf neue Beweise, die das Leben Jesu historisch bestätigen.

Der neue Lehrgang an der Fachhochschule Krems kann einen wertvollen Beitrag dazu leisten, Vorurteile und Unwissenheit gegenüber der Bibel abzubauen. Fundierte theologische sowie archäologische Kurse sind daher ein wesentlicher Teil des Master-Programms. Ab dem ersten Semester stehen „Biblische Grundlagen“ mit Kursen wie „Bibelwissenschaft und biblische Literatur“ oder „Das antike Judentum und rabbinische Literatur“ auf dem Lehrplan. Vorlesungen über die Entstehung der großen Weltreligionen und die Geschichte des Heiligen Landes kommen nicht zu kurz.

Mit der IMC-Fachhochschule Krems als Partner hat die Hochschule Heiligenkreuz eine der international renommiertesten Tourismus-Hochschulen in Österreich gewonnen. Somit ist nicht nur die archäologisch-theologische Ausbildung abgedeckt, sondern auch die touristischen und betriebswirtschaftlichen Fächer sind mit Top-Experten belegt. „Das ist die einzige Hochschulpartnerschaft dieser Art weltweit“, freut sich Professor Schipper von der Hochschule Heiligenkreuz. Zwischen den beiden Hochschulen herrscht ein herzliches Verhältnis, steht doch die Geschäftsführerin der IMC-Krems, Ulrike Prommer, dem katholischen Glauben nahe. Die Hochschule ist Partner und Unterstützer der „International School Krems“, einer katholischen Privatvolksschule, die auch von der Diözese St. Pölten unterstützt wird.

Die zukünftigen Studierenden lernen nicht nur, auf ihren Reisen Bildung zu vermitteln, die jeweilige Kultur wahrzunehmen und die politischen Komponenten zu verstehen, sondern auch, die Teilnehmenden spirituell und liturgisch zu begleiten. Das Motto des Studienlehrgangs, den Absolventen mit einem Master of Science abschließen, ist das Jesus-Zitat „Duc in altum“. „Die Bedeutung von Duc in altum ist eine mehrdimensionale“, erklärt Professor Schipper. „Wir werden mit unseren Studierenden aufbrechen hinaus in die Weite, um die Länder der Welt der Bibel zu erkunden. Wissenschaftlich und theologisch fundiert, dringen wir in die Tiefe von Bibel und Archäologie ein. Es wird Kompetenz vermittelt, jene zu führen und zu begleiten, die auf Spurensuche sind.“

Das Touristenziel Jerusalem wächst am stärksten

Reisen zu den Wiegen des Christentums sind beliebt wie noch nie zuvor. In Israel sind nach offiziellen Angaben in der ersten Jahreshälfte über zwei Millionen Besucher ins Land gekommen. Bis zum Jahresende soll die Vier-Millionen-Marke überschritten werden. Das ist ein Plus von 42 Prozent gegenüber 2016 und 14 Prozent gegenüber 2017; und 61 Prozent aller Besucher sind Christen, von denen sich 40 Prozent als Pilger bezeichnen. Laut dem Londoner Markanalysten Euro-Monitor ist Jerusalem das am stärksten wachsende Touristen-Ziel weltweit. In Rom gehören die Vatikanischen Museen und der Petersdom zu den Top 10 der beliebtesten Attraktionen. Nicht nur die Reisen an biblische Orte, auch das Pilgern wird zunehmend beliebter. In Santiago de Compostela, Ziel des Jakobsweg, kommt es sogar zu „Pilgerstaus“. 2017 stellte das Pilgerbüro 300.000 Pilger-Urkunden aus, 25.000 mehr als im Jahr davor.

Der Start des Kurses ist für Oktober 2020 geplant. Die Voraussetzung für die Teilnahme ist ein Bachelor-Abschluss. Nähere Informationen auf www.fh-krems.ac.at