Pius XI. und die ersten Olympischen Winterspiele

Der Ratti-Papst, in jungen Jahren ein begeisterter Alpinist, verfolgte das Großereignis mit Interesse. Von Ulrich Nersinger

Die ersten Olympischen Winterspiele fanden vom 25. Januar bis zum 5. Februar 1924 in Chamonix (Rhône-Alpes, Frankreich) statt – auch wenn sie erst nachträglich vom Olympischen Komitee zu solchen erklärt wurden. In Rom stießen die Wettkämpfe auf das besondere Interesse des Papstes. Damals verfolgte Pius XI. (Achille Ratti, 1922–1939) mit großer Aufmerksamkeit die Zeitungsartikel, die über die Spiele in Frankreich berichteten. Freunde in Chamonix hatten ihn darauf hingewiesen. In dem kleinen Ort am Fuße des Mont Blanc war der Papst kein Unbekannter; von 1885 bis 1913 hatte er sich dort oft aufgehalten.

Achille Ratti galt vor seiner Berufung in die Nachfolge Petri als ein passionierter Bergsteiger, der sogar Erstbesteigungen vorweisen konnte und eine nicht unbedeutende Zahl alpinistischer Schriften verfasst hatte. Die Qualitäten eines Bergsteigers bestimmten sein Leben, seinen starken und entschlossenen Charakter. Der Pontifex teilte zudem die Auffassung Don Boscos, dass Sport „ein wirksames Mittel ist, um Disziplin zu erlangen, die der Moral und der Gesundheit zuträglich ist“. Alpenvereine und Bergsteigervereinigungen in aller Welt bedachten den Papst mit zahlreichen Auszeichnungen – und auch Benennungen. In Chile wurde der größte Gletscher Patagoniens nach Pius XI. benannt: „El Glaciar Pio XI“. In den Ötztaler Alpen trägt die auf 2 543 Meter gelegene Weißkogelhütte die Bezeichnung „Rifugio Pio XI alla Palla Bianca“.

Die Olympische Idee hatte schon früh mit dem Vatikan Kontakt aufgenommen. Der heilige Pius X. hatte 1908 den Begründer der Spiele der Neuzeit, Baron Pierre de Coubertin, in Audienz empfangen und ihm gegenüber seine Symphatie für den sportlichen Wettstreit bekundet. Carlo Confalonieri, der Privatsekretär Pius' XI., notierte in seinen Aufzeichnungen, dass sich der Papst in der Presse nicht nur für die Winterspiele in Chamonix interessierte, sondern seine Aufmerksamkeit auch den folgenden in St. Moritz/Schweiz (1928), Lake Placid/USA (1932) und Garmisch-Partenkirchen/Deutsches Reich (1936) schenkte. Päpstliche Botschaften zu olympischen Ereignissen waren in dieser Zeit jedoch noch nicht üblich; sie kamen erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts auf.

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