Lebenswege

„Gern würde ich in den Orden eintreten!“

Pater Simeon war leidenschaftlicher Musiker. Heute ist er Prior im Kloster Maria Friedenshort in Brandenburg.
Pater Simeon - Der Musik weiterhin verbunden
Foto: R. Thiede | Der Musik weiterhin verbunden: Pater Simeon.

„Unser Jeck geht ins Kloster“ titelte der „Kölner Express“ vor vielen Jahren auf der Titelseite und meinte damit Simeon Wester. Am 7. April 1967 erblickte Pater Simeon in Unkel im Landkreis Neuwied das Licht der Welt. Hier am Mittelrhein wuchs er zusammen mit vier Geschwistern auf und besuchte die Grundschule. Sein Vater war Buchhalter bei einem Autohändler und seine Mutter führte ein Lebensmittelgeschäft mit angeschlossener Kohlenhandlung. „In sechs Jahren brachte sie fünf Kinder auf die Welt und war parallel dazu immer im Geschäft aktiv.“ Seine Eltern haben ihren Glauben aktiv gelebt und sich auch bemüht, diesen an ihre fünf Kinder weiterzugeben. „Ich bin da hineingewachsen und hatte nie Probleme mit dem Glauben – auch nicht während der Pubertät. Das ist sicher ein Gnadengeschenk Gottes, immer in der Freude des Glaubens zu leben. Bestimmt hat das auch etwas damit zu tun, dass der Herr mir die Musik geschenkt hat und ich auf diese Weise immer mit Freude an der Liturgie teilnehmen konnte.“ Bis heute erschließen sich ihm viele Antworten auf die Fragen des Glaubens über die Musik.

Schon früh zeigte sich Simeon Westers musikalische Begabung im Gesang. Bereits mit sechs Jahren fing er mit dem Klavierspiel an. Auch seine Mutter und zwei Geschwister spielten gern Klavier. „Wohingegen mein Vater zwar kein Instrument spielte, dafür aber eine große Schallplattensammlung besaß, und ich als Siebenjähriger schon meine Freude bei Hören von Beethovens Klavierkonzerten hatte.“

Musik im Blut

Und weiter: „Weil ich mit anderen zusammen etwas Blasmusik spielen wollte, lernte ich Posaune. Später kam für den Hausgebrauch noch die Tuba dazu – hin und wieder für einen Ausflug in den Jazz.“ Schon mit 15 Jahren fand man ihn regelmäßig bei den Heiligen Messen an der Orgel seiner Heimatgemeinde. „Seit meiner Kindheit lief mein Werdegang darauf hinaus, einmal Musiker zu werden.“ In Bonn-Beuel am Erzbischöflichen Kardinal-Frings-Gymnasium legte er sein Abitur ab, dem eine erfolgreiche Aufnahmeprüfung an der Musikhochschule in Köln folgte. Noch vor dem Studium ging er zur Bundeswehr und leistete dort seinen Wehrdienst als Posaunist im „Heeresmusikcorps 7“ in Düsseldorf ab. Es folgten einige Semester Schulmusik in Köln und der Wechsel zur Gesangspädagogik und Kirchenmusik an die Mainzer Universität sowie die Chorleitungsklasse des Peter-Cornelius-Konservatoriums in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt. Zwanzig Jahre lang, von seinem 15. bis zum 35. Lebensjahr, war er bei der Erzdiözese Köln als Kirchenmusiker angestellt. Simeon Wester hatte eine gut bezahlte Vollzeitstelle. Er war nach eigenen Worten sehr zufrieden und glücklich mit seiner Arbeit. In der sogenannten „fünften Jahreszeit“ spielte er gern beim Kölner Karneval auf, aber dann hörte er etwas …

„Da bin ich fest von überzeugt, dass ich dort Gott wirklich begegnet bin und dass er mir schon damals seine Liebe in mein Herz gesenkt hat.“ Pater Simeon

Wann hat Pater Simeon Gottes Stimme erstmals gehört? „Das ist bei mir schon recht früh geschehen. Mit Sicherheit bei meiner Erstkommunion. Da bin ich fest von überzeugt, dass ich dort Gott wirklich begegnet bin und dass er mir schon damals seine Liebe in mein Herz gesenkt hat.“ Später als 15/16-jähriger entdeckte er ein großes Interesse am monastischen Leben. „In meinem unruhigen Herzen breitete sich eine tiefe Sehnsucht aus. Aber im Gebet, beim Lobgesang und singen der Psalmen wurde ich wieder ruhiger. Es ist kein Widerspruch, dass ein lebendiger, lebensfroher Rheinländer, der gern auf den Putz haut und auch sonst nicht viel im Leben ausgelassen hat, dennoch weiß, dass das Leben einen tieferen Sinn hat als Karneval und Feste zu feiern.“ Den ersten Kontakt zu einem Kloster hatte Pater Simeon als Jugendlicher zur Abtei Himmerod in der Eifel. „Dort habe ich tiefe Begegnungen mit Gott gehabt. Leider ist die Abtei geschlossen worden.“ Auch bei den Benediktinern von Maria Laach war er gern zu Gast und erhielt dort wichtige Inspirationen.

Als Pater Simeon ins Kloster ging, sahen dies viele seiner Freunde skeptisch und sie sagten: „Na, wir warten darauf, bis er wieder zurückkommt und sich die Hörner abgestoßen hat. Aber wer mich besser kannte, wusste schon, dass in meiner Seele etwas war, das Gott sucht. In dem Moment, wo man die Stimme Gottes hört und wie die Muttergottes antwortet: ,mir geschehe nach deinem Wort‘ – dann gibt der Herr die Kraft für alles.“

Ordensleben in Heiligenkreuz

Im zisterziensischen, mittelalterlichen Papstpalast im französischen Avignon bei einem Musikkongress erhielt Pater Simeon von einer Richterin den Tipp, einmal Heiligenkreuz zu besuchen: „Das könnte was für Sie sein“, sagt die Frau aus Bonn. In einer Nacht fuhr er von Avignon nach Hause und in der nächsten Nacht mit vollem Auto nach Heiligenkreuz und sagte zum Bruder an der Pforte: „Da bin ich: Gern würde ich in den Orden eintreten!“ Die Brüder antworteten ruhig, „Na, schauen wir mal, denn bei Musikern und Künstlern ist das immer so eine Sache, nicht dass es nur so ein emotionaler Rappel ist …“.

So wurde Simeon Wester 2001 Novize, ein Jahr darauf legte er die zeitliche Profess und 2005 die ewige Profess ab: „Am Fest der Dornenkrone“, an einem Freitag um 15 Uhr“. 2003 wurde er Kantor und Stiftsorganist im Kloster. 2006 beendete Pater Simeon sein Studium mit einer Arbeit über die „Musikalische Exegese des Magnifikats bei Krzysztof Penderecki“. Im Folgejahr war seine Weihe zum Diakon. Er wurde Subprior des Klosters Heiligenkreuz und Magister für die Zeitlichen Professen. Vier Jahre lang war er Novizenmeister und drei Jahre Stiftspfarrer. Noch unter Abt Gregor von Donnersmarck wurde er Prior.

Wiederbesiedlung in Neuzelle

2016 wurde Pater Simeon nach Neuzelle berufen, um mit seinen Mitbrüdern die Wiederbesiedelung zu prüfen. „Dass ich einmal hierherkomme, war kaum vorstellbar. Ich wollte immer in Heiligenkreuz bleiben und dort auch glücklich sterben. Aber der liebe Gott zeigt mir meine Wege. Unsere Lebensversicherung liegt allein in Gottes Hand. Wenn wir Menschen mit unserem schwachen Verstand etwas von seinem Willen erkennen und uns darauf einlassen, dann geht es immer gut.“

Im katholischen Pfarrhaus in Neuzelle ist Pater Simeon nun Prior der Gemeinschaft, die erst die Wiederbesiedelung des Klosters prüfte und sich dann für einen Klosterneubau in Treppeln entschied. Seiner Leidenschaft für die Musik kann Pater Simeon auch in Neuzelle intensiv nachgehen. So spielte er zum 500. Reformationstag 2017 in der evangelischen Heiligkreuzkirche bei einem ökumenischen Gottesdienst mit großer Freude und Leidenschaft die Orgel. „Die Liebe zur Musik ist bei mir im Kloster nicht geringer, sondern viel intensiver geworden. Ich hänge mich nicht an die Musik, sie ist aber ein wesentlicher Katalysator auf meinem geistlichen Weg.“

Der Text ist eine leicht überarbeitete und gekürzte Fassung des gleichnamigen Kapitels aus dem Buch „Die Mönche kommen ... Neuzelle. Wiederbesiedlung eines Klosters“ (St. Benno Verlag).

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