Eine Augenoperation pro Minute

Bis zum Jahr 2020 will die Christoffel-Blindenmission alle verhütbare Blindheit eliminieren

Würzburg (DT) Eva Luise Köhler, die Frau des Bundespräsidenten staunte, als sie vor zwei Wochen im Rahmen der Südamerika-Reise des Bundespräsidenten die von der Christoffel-Blindenmission geförderte Stiftung „Fundacion Visión“ in Asuncion, der Hauptstadt von Paraguay, besuchte. „Ich bin beeindruckt von diesem Projekt und dem großen Engagement der hier tätigen Mitarbeiter“, sagte sie. Die Frau des Bundespräsidenten, deren Tochter an der unheilbaren Augenkrankheit „Retinitis Pigmentosa“ leidet, informierte sich in Asuncion über die wichtigsten Blindheitsursachen und die Arbeit der Christoffel-Blindenmission.

Immer noch fehlt Geld für eine Routine-Operation

Die Verhütung und Heilung von Blindeheit bildet den Schwerpunkt in der Arbeit der Christoffel-Blindenmission. Sie hat ihren Namen von ihrem Gründer, dem evangelischen Pastor Ernst Jakob Christoffel, der 1908 in die Türkei ging, um blinden und behinderten Kindern zu helfen. Bis heute geht es der Hilfsorganisation darum, die Situation von blinden, gehörlosen und geistig und körperlich behinderten Menschen zu verbessern. Dabei ist sie bestrebt, die Ursachen der Behinderungen präventiv zu bekämpfen. Wenn die Christoffel-Blindenmission im kommenden Jahr hundert Jahre alt wird, wird sie dabei von Eva Luise Köhler unterstützt: „Ich bin sehr beeindruckt, dass Sie Ihre Arbeit bereits seit fast hundert Jahren durchführen“, sagte die Frau des Bundespräsidenten in Asuncion. „Ich darf Ihnen daher eine frohe Botschaft mitbringen: Ich bin gerne bereit, die Schirmherrschaft für das hundertjährige Jubiläum der Christoffel–Blindenmission im Jahr 2008 zu übernehmen.“

Damit unterstützt die Frau des Bundespräsidenten eine Arbeit, die ebenso erfolgreich wie wirkungsvoll ist: Allein im vergangenen Jahr wurden zwölf Millionen Patienten in den von der Christoffel-Blindenmission geförderten Krankenhäusern untersucht, behandelt und – wenn dies nötig war – operiert. Häufigste Ursache für eine Operation war der Graue Star: Mehr als sechshunderttausend Mal wurde die trüb gewordene Linse entfernt. Mit Hilfe einer so genannten Starbrille oder einer künstlichen Linse können die Patienten danach wieder sehen.

Längst ist die Operation am Grauen Star Routine für den Augen-Chirurgen. Umso tragischer ist es, dass Menschen heute nur deshalb an dieser Augenkrankheit leiden, weil sie die Kosten für die Operation nicht aufbringen können: Das kam auch beim Besuch der Frau des Bundespräsidentin in der Augenklinik in Asuncion zur Sprache: Viele arme Menschen könnten sich eine Operation, die etwa dreißig Euro kostet, nicht leisten, sagte Rainald Duerksen, Augenarzt der Christoffel-Blindenmission, Nun sei mit finanzieller und fachlicher Unterstützung der Christoffel-Blindenmission ein landesweites Blindheitsverhütungsprogramm aufgebaut worden, das Patienten identifiziere und sie zu den mobilen und stationären Kliniken der Stiftung bringe – neben Asuncion bislang an drei weiteren Orten im Land. Dank eines gestaffelten Gebührensystems, das für arme Menschen eine kostenlose Operation vorsieht, und mit modernen Geräten und gut ausgebildeten Fachkräften habe die Stiftung im letzten Jahr 57 000 Patienten erreicht und mehr als vierzig Prozent aller im Land durchgeführten Augenoperationen bewältigt.

Wie wichtig diese Arbeit ist, zeigt sich, wenn man bedenkt, wie desolat die augenmedizinische Versorgung in vielen Entwicklungsländern ist: In Deutschland kommt statistisch gesehen ein Augenarzt auf etwa 12 700 Menschen. In einem Entwicklungsland wie Kongo dagegen entfallen 42 Augenärzte auf 62 Millionen Menschen. Mit anderen Worten: Ein Augenarzt muss eineinhalb Millionen Menschen versorgen.

Dabei konzentriert sich der Kampf der Christoffel-Blindenmission nicht allein auf die Erkrankung am Grauen Star, sondern richtet sich auch gegen Augenkrankheiten wie Flussblindheit, Trachom und Kinderblindheit aufgrund von Mangel an Vitamin A. All diese Augenkrankheiten, die sich auf präventivem oder operativem Wege rasch beheben oder mindestens lindern lassen, wirken sich in Entwicklungsländern verheerend aus, weil dort keine augenmedizinische Infrastruktur besteht oder Menschen einfach zu arm sind, um sich behandeln zu lassen.

Zur Aufbau der augenärztlichen Infrastruktur bildet die Christoffel-Blindenmission einheimische Augenärzte aus und schult medizinisches Fachpersonal. Darüber hinaus errichtet die Christoffel-Blindenmission in Kooperation mit Sponsoren Augenkliniken und schafft durch Mithilfe der jeweiligen Regierungen eine flächendeckende organisatorische Infrastruktur.

Jeder Mensch hat ein Recht auf Augenlicht

Die Hilfsorganisation hat sich dabei ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: Bis zum Jahr 2020 will sie alle verhütbare Blindheit auf der Welt eliminieren. Derzeit gibt es auf der Welt 37 Millionen Menschen, die blind sind. Neunzig Prozent davon leben in unterentwickelten Ländern. Um dieses Ziel zu erreichen, hat die Christoffel-Blindenmission ihr Tempo kräftig forciert. Da rund die Hälfte der Erblindungen auf Grauen Star zurückzuführen ist, legt die Hilfsorganisation den Schwerpunkt ihrer Arbeit auf Operationen am Grauen Star. Mehr als fünfhundertfünzigtausend solcher Operationen werden pro Jahr vorgenommen – eine Operation pro Minute.

Dabei versteht sich die Christoffel-Blindenmission nicht als bloße Hilfsorganisation. Sie will auch Mission sein. Denn Pastor Ernst Jakob Christoffel, der Gründer des Werkes, hob stets den karitativen Charakter von Mission in seinem Handeln hervor, wenn er sagte, dass die Tat der Liebe die Predigt ist, „die jeder versteht“.

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