Augsburg

Tagesposting: Lektüre kann das Leben ändern 

"Nimm und lies!" ist die Initiationszündung für die Bekehrung des Augustinus
Zeit nehmen zum Lesen
Foto: Michael Weber IMAGEPOWER | Für das Lesen sollte man sich Zeit nehmen.

Die Sommerwochen sind eine privilegierte Zeit des Lesens. Doch während wir Jahr für Jahr mehr Medien konsumieren, geht das Lesen „echter“ Bücher zurück. Zieht man noch die Titel zeitgenössischer seichter Unterhaltungsliteratur ab, scheint es nicht gut bestellt zu sein um unser Verhältnis zu den Büchern. Derweil beginnt nicht nur eine der spektakulärsten Bekehrungsgeschichten des Christentums mit dem auf ein Buch deutenden Wort „nimm und lies!“. Die Bekenntnisse des Aurelius Augustinus über sein Leben haben auch Literaturgeschichte geschrieben. Eine so persönliche Autobiographie über den eigenen Seelenzustand, das war neu und bleibt bis heute monumental.

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In Thomas Manns Roman „Buddenbrooks“ ändert sich alles für den Protagonisten, als ihm ein Buch von Schopenhauer in die Hand fällt. Durch das Lesen von Ritterromanen war in der jungen Teresa von Avila die Vision von Heroismus gezeugt worden, die ihren Weg lebenslang prägen sollte. Lektüre vermag das Leben zu verändern. Das Christentum ist eine lesende Religion. Umso betrüblicher ist es, dass auch viele gläubige Menschen nicht wirklich lesen. Hier einige Tipps, die helfen können, in eine gesunde Leseroutine zu kommen. 

1. Nehmen sie sich anspruchsvolle Literatur vor:

Klassiker sind nicht ohne Grund Klassiker geworden. Sich an die großen Namen zu halten, ist in Literatur, Philosophie, Theologie und bei geistlicher Literatur gleichermaßen ein guter Einstieg. Nicht alle Klassiker sind auch leicht zu lesen. Wir sind heutzutage sehr kurzweilige Texte gewohnt, die schnell Spannung erzeugen oder „zum Punkt kommen“. Das Lesen thematisch komplexerer oder erzählerisch kunstvollerer Texte kann man aber trainieren wie einen Muskel. Und wer einen der großen Romane Tolstois, etwas von Hans-Urs von Balthasar oder einen philosophischen Klassiker „bewältigt“ hat, hat wirklich etwas Profundes gelernt und kann stolz auf sich sein. 

2. Greifen sie zu Büchern aus Papier: 

Die Kognitionswissenschaften können zeigen, dass digitale Texte weniger intensiv verarbeitet werden als Gedrucktes. Das Anfassen des (vielleicht sogar schön gestalteten oder wertvollen) Buches, das Umblättern und Zurückblättern-Können, die Erinnerung, wo im Buch etwas stand und die Möglichkeit, sich sogar Notizen am Rand machen zu können: Das Lesen eines Buches ist ein ganzheitlicheres Geschehen als das digitale Lesen. 

3. Setzen sie sich eine bestimmte Lesezeit pro Tag:

Alles Wichtige im Leben lebt davon, dass man sich bewusst Zeit dafür nimmt. Die spirituelle, intellektuelle und ästhetische Fortbildung ist wichtig. Der Mensch lebt nicht vom Brot allein. Anspruchsvolle Texte erfordern aber eine gewisse Disziplin. Es gibt immer etwas im Leben, das dringender ist als das Lesen. Der Tag, an dem man einfach nur Zeit dafür hat, wird vielleicht nie kommen. Man muss sich die Zeit dafür nehmen. 

4. Definieren sie, wie viele Seiten sie schaffen wollen:

Jedes große Ziel im Leben erreicht man nur, wenn man es in kleine, täglich zu bewältigende Einzelschritte zerlegt. Bei jedem dicken Buch ist es genauso. 


 Der Autor ist Leiter des Gebetshauses Augsburg. 

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