Katholische Publizistik

Gebhard Fürst war glückloser Medienbischof auf Tauchstation

Es ist eine ernüchternde Bilanz, die man für den bisherigen Medienbischof der Deutschen Bischofskonferenz, Gebhard Fürst, ziehen muss. 15 Jahre im Amt und dennoch scheint es, als habe er nie einen Zugang zu den vielfältigen Medien - vor allem den digitalen - gefunden oder deren Potential verstanden.
Gebhard  Fürst, Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart
Foto: dpa | Konnte als Medienbischof kaum Wirkung entfalten: der Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart, Gebhard Fürst.

Auf der Vollversammlung der deutschen Bischöfe endet eine Ära: Der Vorsitzende der Kommission IX, der Publizistischen Kommission, hört nach 15 Jahren auf. Gebhard Fürst, Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart, begann seine Zeit als Vorsitzender der PuKo, wie die Kommission auch genannt wird, zu einem Zeitpunkt, als die Kirche in Deutschland noch mit „diesem Internet“ fremdelte. Im Jahr 1948 wurde Gebhard Fürst geboren, 1977 zum Priester geweiht, war seit 1986 Akademiedirektor und wurde 2000 Bischof von Rottenburg- Stuttgart. In dem Jahr hatte der VdDD gerade vor Gericht die Domain katholisch.de erstritten, nachdem man zuvor versäumt hatte, diese zu reservieren.

„Eine blühende katholische Bloggerszene
wurde ausgerechnet vom Medienbischof komplett ignoriert“

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Viel hatte sich nicht verändert, als der Bischof von Rottenburg-Stuttgart im Jahr 2006 den Vorsitz der Publizistischen Kommission übernahm. Das Portal katholisch.de ging online, aber der Medienbischof war und blieb unsichtbar, in einer Medienwelt wie der unseren kaum vorstellbar. Es vergingen fünf Jahre, bis er gemeinsam mit dem damaligen Vorsitzenden der DBK, Robert Zollitsch, das heutige Portal katholisch.de als redaktionell geführtes Portal freischalten durfte. Dies Portal sollte, so Bischof Fürst damals, der Meinungsführer für katholische Inhalte werden.

Den Wandel in der Medienwelt machte die Kirche in Deutschland mit Medienbischof Fürst jedoch nur schleppend mit. „Web2.0“ oder „Soziale Medien“ und das mobil werdende Internet gingen an der Kirche vorbei, die diese Kanäle der Verkündigung schlicht ignorierte. Auch die eigene Medienwelt der Kirche blieb weit hinter der allgemeinen Entwicklung zurück. Erst vor drei Jahren nahm die DBK einen Twitteraccount in Betrieb. Auf TikTok oder Snapchat ist die Kirche unsichtbar. Der von der PuKo mitverantwortete Katholische Medienpreis blieb außerdem von Skandalen nicht verschont.

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Die Spende des Preisgeldes an ein sogenanntes „Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung“ beispielsweise war ein Ärgernis. Der Medienbischof tauchte ab. Eine dringend nötige Reform der Verleihungspraxis blieb aus. Ähnlich wie der Medienbischof mit neuen Medien fremdelt, fremdelte er zunächst auch mit den Medienschaffenden in der Kirche. Bei der ersten Begegnung auf einer Konferenz „Kirche im Web 2.0“ vor rund zehn Jahren schockierte der Medienbischof die versammelten kirchlichen Internetfachleute mit der Aussage, er habe sich eine Internetseite ausdrucken lassen, um sie sich anzusehen. Dieses Bonmot wurde der „Beginn einer wunderbaren Freundschaft“. Mehr war es leider nicht. Eine blühende katholische Bloggerszene wurde ausgerechnet vom Medienbischof komplett ignoriert. Der unsichtbare Medienbischof wird nun auch unsichtbar von Bord gehen.

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