Radioevangelisation

Afrika wird mit dem Radio evangelisiert

In Krisenzeiten, in Flächenländern mit weiten Entfernungen zwischen Siedlungen, mit fehlender Elektrizität und anderer Infrastruktur, ist das Radio noch immer Informations- und Kommunikationsmittel Nr. 1: In Afrika spielt das Radio für die Evangelisierung mehr denn je eine große Rolle.
Katholisches Radio erreicht auch Menschen in abgelegenen Orten
Foto: Simon Egle/Radio Horeb | Katholisches Radio erreicht auch Menschen in abgelegenen Orten mit Glaubensvermittlung und Ratschlägen zur Erziehung.

Ist das Radio ein Medium der Vergangenheit? Jedenfalls nicht in vielen afrikanischen Ländern: Das Radio ist so beliebt wie eh und je, trotz Internet und Social Media. Gerade in ländlichen Regionen, wo es kaum eine stabile Stromversorgung, geschweige denn Zugang zum Internet gibt, sind die Menschen auf batteriebetriebene Radiogeräte als Informationsquelle angewiesen. Das Radio spielt somit besonders in abgelegenen und schwer erreichbaren Orten eine wichtige Rolle in der Glaubensvermittlung sowie auf dem Gebiet von Erziehung, In manchen Gegenden ist es das einzige Mittel, wie Christen etwas über die christliche Lehre erfahren.

Geistliche Lieder werden am Radio gelernt

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Kardinal Dieudonné Nzapalainga hat diese Erfahrung an Ort und Stelle gemacht. Der Erzbischof von Bangui in der Zentralafrikanischen Republik setzt sich dort für den Interreligiösen Dialog ein. Sein Land leidet unter der Gewalt von verschiedenen Milizen, die sich gegen die Regierung stellen und versuchen, Hass zwischen den Religionen zu säen. Dagegen wendet sich der Kardinal mit den anderen religiösen Führern im Land.

Kürzlich, so berichtete er gegenüber einem Mitarbeiter von „Kirche in Not“, habe er einen Pastoralbesuch in einem Dorf abgehalten, das nur über eine winzige Kapelle verfügte. Alle zwei bis drei Monate komme ein Priester in das abgelegene Dorf. Als der Kardinal während der Heiligen Messe einige neue Lieder anstimmte, „wunderte ich mich, dass die Gläubigen fröhlich mitsangen.“ Als er später nachfragte, woher sie die Lieder kannten, wurde ihm entgegnet: aus dem Radio, sie würden die Messen über Radio mitverfolgen.

„Unsere Mariathon-Spendenaktion soll deshalb dazu beitragen,
das christliche Radio Maria in Afrika weiter zu verbreiten“

Gerade auch in diesen Zeiten der Kontakt- und Ausgangssperren ist das Radio unentbehrlich. Die Corona-Krise hat die wichtige Rolle dieses Mediums noch verstärkt. Denn nun können über das Radio wichtige Präventionshinweise gegeben werden. Außerdem können die Menschen auf diese Weise die Gottesdienste mitfeiern und auf Entfernung gemeinsam beten.

Im Zeichen der Corona-Hilfe steht daher auch vom 7. bis 9. Mai die bundesweit größte jährliche Radio-Spendenaktion für Afrika. Der private christliche Radiosender katholischer Prägung, Radio Horeb, mit Hauptstandorten in Balderschwang und München hat im vergangenen Jahr beim Mariathon über drei Millionen Euro gesammelt. In diesem Jahr soll der Spendenbetrag noch gesteigert werden. „Unsere Mariathon-Spendenaktion soll deshalb dazu beitragen, das christliche Radio Maria in Afrika weiter zu verbreiten“, erläuterte Pfarrer Richard Kocher, Programmdirektor von Radio Horeb.

Spendensammeln für einen Satelliten

Zur Weltfamilie von Radio Maria, die den Mariathon jährlich veranstaltet, gehören mittlerweile mehr als 85 Radiostationen. Die Radio-Maria-Familie ist ein weltweiter Verbund von Radiosendern zur Verkündigung des katholischen Glaubens. Entstanden ist der Senderverbund 1998 in Italien. Neben der Corona-Hilfe sollen auch einige weitere Projekte unterstützt werden: Dazu gehört die Anschaffung eines Satelliten, der die Verbindung der mehr als 130 Radio Maria-Frequenzen in Afrika ermöglichen soll. Das Radio ist unentbehrlich als Instrument der Friedenserziehung und der Seelsorge. Es ist ein Medium, das viele Menschen brauchen, sagt Pater Apollinaire Cibaka Cikongo, ein kongolesischer Priester und Professor an der Universität (Official University) von Mbujimayi. Er ist der Gründer von Radio Ditunga mit Standort in der Stadt Ngandajika, die in seiner Diözese Mbujimayi im Zentrum der Demokratischen Republik Kongo liegt.

 

Der Radiosender wurde vor zehn Jahren mit Unterstützung der päpstlichen Stiftung „Kirche in Not“ gegründet. „Seitdem die Kirchen aus den uns bekannten gesundheitlichen Gründen geschlossen sind, hat Radio Ditunga sein Programm angepasst, um mehr Sendezeiten für die Feier der Eucharistie, das Gebet und die von den Priestern aus Ngandajika begleiteten Exerzitien zu bieten“, erklärt Pater Cibaka Cikongo. Er hebt außerdem hervor,dass alle geistlichen Exerzitien und alle liturgischen Feiern live übertragen werden. Der Sender deckt einen Sendebereich mit ungefähr fünf Millionen Einwohnern ab. Aufgrund der Schließung der Schulen seit dem 19. März hat der Sender ebenfalls beschlossen, Schulunterricht live zu überragen, um die Verbindung zwischen den Lehrern und den Schülern aufrechtzuerhalten.

In Afrikas Kultur ist das gesprochene Wort wichtig

In der afrikanischen Kultur ist das gesprochene Wort besonders wichtig. Sprechen ohne verbale Gewalt, wenn es darum geht, religiöse Themen oder menschliche Werte zu vertiefen. Das kann zum Beispiel im Norden Nigerias einen Gegenpol zu islamistischem Gedankengut bilden. Doch es braucht auch Zeit, so wie in Malawi. Nach zweijähriger Wartezeit hat dort die Erzdiözese Blantyre die staatliche Lizenz für den ersten katholischen Radiosender erhalten. „Wir werden uns um Programme bemühen, die sich an junge Menschen richten und ihre ganzheitliche, spirituellen und menschlichen Bildung fördern“, skizzierte der Leiter der Medienstelle der Erzdiözese, Frank Mwinganyama, nach Angaben des Fidesdienstes, das Programm. Das Radio ist die beste Möglichkeit, die Jugend zu erreichen.

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