Literatur

Ein Missionar unserer Zeit 

Ein Porträt des seligen Carlos Acutis als „Apostel des Internets“ beschreibt den geistlichen Weg des „Internet-Apostels“   Von Esther von Krosigk 
Carlo Acutis - Ein Missionar unserer Zeit 
Foto: Maurizio Maule via www.imago-images.de (www.imago-images.de)

Im Januar 2014 bezeichnete Papst Franziskus das Internet als „Geschenk Gottes“. Erstaunlich ist diese Aussage schon deshalb, weil uns das Geschenk in Abermillionen von Geräten übermittelt wird, deren Emblem ein angebissener Apfel ist. Diese Frucht hat der Menschheit bekanntermaßen nicht viel Segen gebracht. Möglich aber, dass der Heilige Vater in seiner Botschaft vor sieben Jahren auf Cyber-Apostel wie den jungen Carlo Acutis anspielte, der das World Wide Web für die Verbreitung des Glaubens zu nutzen wusste. Über den „Missionar im Internet“ hat der Autor Thomas Alber vor wenigen Monaten eine kurze Biografie vorgelegt. 

In dem Buch, das mit Farbfotos reich bebildert ist, wird die außergewöhnliche und bedeutende Lebensgeschichte des inzwischen seliggesprochenen Teenagers leider nur angerissen. Mit 144 Seiten ist es kein schmales Bändchen, aber die Gewichtung der Kapitel erscheint etwas sonderbar. 

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Was den 1991 geborenen und mit 15 Jahren sehr jung an Leukämie verstorbenen Carlo Acutis prägte, war das Aufwachsen mit dem Internet, das um die Jahrtausendwende auf breiter Front an Popularität gewann. So ist Carlo der erste Selige, der zu Lebzeiten ein Facebook-Account besaß. In Albers Buch besteht das Kern-Kapitel „Missionierung mit dem PC“ allerdings aus weniger als zwei Seiten. Der Leser erfährt, dass sich Carlo Acutis als „Kind seiner Zeit“ intensiv mit dem Computer beschäftigte und sich sogar auf das Programmieren verstanden hat - aber das ist schon alles. Es fehlt darin nicht nur die Erwähnung des Facebook-Profils, sondern dass Carlo sich auch in seiner Pfarrei als Katechet engagierte und für dieses Amt erste digitale Lehrangebote entwickelte. Er soll überdies Webseiten für Geistliche entworfen haben. Mit wem hat der technikbegabte Junge sein profundes Wissen ausgetauscht? Wie viele Stunden pro Tag verbrachte er vor dem Computer? Solche Fragen dürften nicht nur Eltern interessieren, die Frömmigkeit mit dem Computerkonsum ihrer Teenie-Kinder kaum zusammenbringen können. 

Wünschenswert wären also Aussagen von Carlos Familie gewesen, von Mitschülern und Freunden. Überhaupt: wie lebte der Junge, wie sah sein Zimmer aus, wer waren seine weltlichen Idole? Carlo ist auf einem Foto mit seiner Fußballmannschaft zu sehen, im Text wird auf seine sportlichen Ambitionen überhaupt nicht eingegangen. Schwer vorstellbar, dass ein Junge kickt, aber sich sonst nichts aus Fußball macht. 

Ein Fokus des Buches liegt natürlich auf dem digitalen Verzeichnis, das Carlo seit 2002 mit viel Sorgfalt anlegte und in welchem er 136 überlieferte eucharistische Wunder aus allen Kontinenten sammelte und katalogisierte. Damals war er gerade mal elf Jahre alt, doch er hegte eine tiefe Leidenschaft für die Eucharistie und besuchte täglich die heilige Messe. Ein Vortrag in Rimini, an dem er gemeinsam mit seinen Eltern teilnahm, brachte ihn auf die Idee, seine Passion für viele andere Menschen sichtbar zu machen. Inzwischen findet sich auch die Geschichte aller katholischen Marienerscheinungen in diesem Archiv. Innerhalb von drei Jahren setzte Carlo dieses große Werk in die Tat um, das vor allem auf dem amerikanischen Kontinent enormen Anklang fand. An dieser Stelle kommen Zeitzeugen wie Luis Alberto Sanchez Serrano zu Wort, der die Reaktionen von Besuchern der Ausstellung in Zentralamerika schildert: „Die Kommentare waren immer positiv, sie haben viel Bewunderung, Erinnerung und eine Zunahme der eucharistischen Leidenschaft hervorgerufen, was der Wunsch von Carlo war ...“ Für die missionarische Berufung des Kolumbianers spielte Carlo Acutis wohl eine zentrale Rolle. Offen aber bleibt, warum der Autor gerade ihn befragte, wo er ihn traf und was die Fotos dieses Mannes am Grab von Oscar Romero in diesem Zusammenhang aussagen sollen. 

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In dem Buch wird einiges vermischt. Carlo Acutis verehrte die Mutter Gottes sehr und vertraute ihren Warnungen und Prophezeiungen. Wie recht er mit dieser Haltung hatte, macht Autor Thomas Alber an der anerkannten Marienerscheinung von Kibeho in Ruanda fest. Illustriert mit dem seitengroßen Foto aufeinander gehäufter toter Tutsi. 

Das letzte Viertel des Buches gehört dem Seligsprechungsverfahren und der Feier in Assisi im Oktober 2020. Es ist auch der gelungenste Abschnitt, der sich aus Zeugenberichten der Exhumierung von Carlos Leichnam, Erklärungen zu seinem Grabmonument in Santa Maria Maggiore und Erzählungen von Assisi-Pilgern zusammensetzt. Hier scheint die Besonderheit des „ehrwürdigen Diener Gottes“ Carlos Acutis auf: Ein Jugendlicher, der das Mysterium des Glaubens auf fast spielerische Weise mit den Errungenschaften des 21. Jahrhunderts vernetzte. 

Mit seiner plötzlichen, todbringenden Krankheit, die er für Papst und Kirche aufopferte, zeigte er letztlich, wie ernst es ihm mit diesem Leben war. 

Thomas Alber: Carlo Acutis: Missionar im Internet, Fe-Medienverlag, Kisslegg 2021, 144 Seiten, ISBN: 978-3863572891, EUR 9,95 

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