130. Geburtstag von J.R.R. Tolkien

Der Herr der Oscars: Tolkien im Kino & TV

Peter Jacksons vielfach preisgekrönte Verfilmung von "Der Herr der Ringe" zeichnete sich durch bildgewaltige Szenen, tiefgründige Fragen sowie durch große Treue zur Vorlage aus. Nun soll im September 2022 bei Amazon Prime eine Tausende Jahre vor Tolkiens Opus Magnum angesiedelte Mittelerde-Serie starten.
Elijah Wood & Sean Astin
Foto: Rights Managed via www.imago-images.de (www.imago-images.de) | Anfang 2002 wählte das Amerikanische Filminstitut (AFI) "Der Herr der Ringe - Die Gefährten" zum "Kinofilm des Jahres 2001" aus.

Die filmische Umsetzung von J. R. R. Tolkiens "Der Herr der Ringe" als Kino-Trilogie in den Jahren 2001-2003 durch Regisseur Peter Jackson gilt als eines der ehrgeizigsten, aber auch künstlerisch und finanziell erfolgreichsten Projekte der Filmgeschichte: Anfang 2002 wählte das Amerikanische Filminstitut (AFI) "Der Herr der Ringe - Die Gefährten" zum "Kinofilm des Jahres 2001" aus. Und erst kürzlich wurde der Film gar aufgrund dessen "kultureller, historischer und ästhetischer Bedeutung" von der US-Kongressbibliothek zum Bestand des bewahrenswerten US-Filmerbes ausgewählt.

Zusammen gewannen die Filme 17 Oscars

Der künstlerische Erfolg setzte sich an der Kinokasse fort: Bei Produktionskosten von zusammen etwa 280 Millionen Dollar setzten die drei Filme "Die Gefährten" (2001), "Die zwei Türme" (2002) und "Die Rückkehr des Königs" (2003) insgesamt knapp drei Milliarden Dollar um. Sie gewannen insgesamt 17 Oscars, darunter auch im Falle von "Die Rückkehr des Königs" sogar den prestigeträchtigsten für den "besten Film". Die deutsche Kritik zeigte sich jedoch gespalten: Überwog eine positive Würdigung der Filme, so gab es durchaus kritische Stimmen. Ins Visier der Angriffe geriet allerdings nicht so sehr die Leinwandadaption, sondern meistens die Vorlage, Tolkiens Epos.

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Nahe an Tolkiens Vorlage stellte Peter Jackson in den Mittelpunkt die Erlösungsbedürftigkeit der Völker Mittelerdes, die aus der Auflehnung gegen den Schöpfer durch Sauron folgte. Insofern erschöpft sich die Filmadaption von "Der Herr der Ringe" nicht in einem diffusen Kampf Gut gegen Böse. Hier ist das Böse sehr konkret: Sauron will nicht nur Mittelerde beherrschen, sondern sich an Gottes Stelle setzen. Die Zerstörung des "Einen Rings" bringt den Kampf gegen das ewige Dunkel mit sich, und Peter Jackson setzt die zunehmende Dunkelheit, je näher Frodo und sein Freund Sam dem Unheilsort Mordor kommen, kongenial in Bilder um. Außerdem wird es deutlich, dass die größte Gefahr für Frodo nicht von außen, sondern aus den Einflüsterungen des Ringes kommt.

Wahrhaft christliche Tugenden

Jacksons Mischung aus gewaltigen Schlachten und echt menschlichen Fragen bringt den Kern des Epos stimmig zum Ausdruck. Dazu kommen wahrhaft christliche Tugenden: Starkmut gepaart mit Demut, Freundschaft, Hingabe, Treue zur eigenen Berufung sind in Peter Jacksons Verfilmung allgegenwärtig. Selbst der so unzeitgemäße Gedanke, der die Sterblichkeit als "die Gabe" Gottes an die Menschen bezeichnet, zieht sich vor allem durch den dritten Film wie ein roter Faden.

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Dem neuseeländischen Regisseur und Tolkien-Verehrer Jackson gelang es, Tolkiens mythologische Dichtung in genuine Filmsprache zu übersetzen. Für die Treue zur Vorlage spricht etwa auch, dass er an den Anfang des ersten Filmes in einer Schnellsequenz das Gedicht setzte, das die Vorgeschichte des Einen Ringes enthält. Den Kunstgriff setzt Jackson zu Beginn des zweiten und des dritten Filmes abgewandelt erneut ein. Die bildgewaltigen Kampfszenen wechseln sich mit ruhigen Momenten ab, in denen die Figurenzeichnung im Zentrum steht. Dazu kommen exzellente Schauplätze und eine im richtigen Rhythmus vorgetragene Erzählung. Wenn sich Jackson gegenüber der Vorlage Freiheiten herausnimmt, dann stehen sie stets im Dienst des Erzählflusses. 

Amazon plant neue Tolkien-Serie

"Der Herr der Ringe" ist wie der ebenfalls von Jackson verfilmte "Hobbit" Teil einer umfassenden Mythologie von der Schöpfungsgeschichte ("Die Musik der Ainur") bis zum Beginn unserer Historie nach der Zerstörung des Einen Ringes am Ende des so genannten "Dritten Zeitalters", die zumeist in der Erzählsammlung "Das Silmarillion" enthalten ist - gewissermaßen im Werk Tolkien das "Alte Testament", wenn man es mit dem Zeitraum vergleicht, in welchem "Der Hobbit" und der "Herr der Ringe" angesiedelt sind. Hiervon soll eine Serie erzählen, die ab dem 2. September 2022 bei Amazon Prime Video im wöchentlichen Rhythmus zu sehen sein wird. Die erste Staffel soll mit einem Rekordbudget von 465 Millionen Dollar bereits abgedreht worden sein. Laut Amazon ist sie im Zweiten Zeitalter - Tausende von Jahren vor den Ereignissen von "Der Herr der Ringe" - angesiedelt: "Beginnend in einer Zeit relativen Friedens folgt die Serie einem Ensemble von bekannten und neuen Charakteren, die sich dem lang gefürchteten Wiederauftauchen des Bösen in Mittelerde stellen".

 

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