Internet

Lernen ist ein Kinderspiel

Die Grundschule Mellingen erhält das Siegel „Internet-ABC-Schule-Thüringen“ für ihre pädagogische Arbeit.
Päsenzunterricht in Grundschule
Foto: Symboldpa | Für die Freude am Lesen, Schreiben und Lernen stellt die Grundschule oft die Weichen.

Kunst ist kein Luxus, sondern vielmehr die Notwendigkeit, sich auszudrücken. Dieses Diktum von Lyonel Feininger, dem Namensgeber der Grundschule im thüringischen Mellingen bringt auf den Punkt, was auch wissenschaftliche Studien immer wieder neu bestätigen. Wer Kindern die Möglichkeit gibt, sich im schulischen Raum künstlerisch und musikalisch zu betätigen, entfaltet nicht nur ihr kreatives, sondern ihr gesamtes Potenzial. Vielleicht liegt hier die Wurzel für den Erfolg der Schule, die auch auf anderen Gebieten punkten kann. Denn im vergangenen Jahr ist die Mellinger Grundschule erneut mit dem Siegel „Internet-ABC-Schule-Thüringen“ ausgezeichnet worden. Die Thüringer Landesregierung ist überzeugt davon, dass Menschen, die am politischen, wirtschaftlichen und sozialen Leben teilnehmen wollen, in der Lage sein müssen, die medialen Angebote souverän zu nutzen. Deshalb hat die Thüringische Landesmedienanstalt ein Internetportal geschaffen, in dem Kinder, Lehrkräfte und Eltern gleichermaßen für den Aufenthalt im „Wilden Wissens-Wald“ fit gemacht werden.

Kreative Lernmodelle im Internet

Das Angebot für Kinder, an dem auch an der Lyonel-Feiniger-Grundschule in Mellingen gearbeitet wird, umfasst Lernmodelle, mit denen man das Internet kreativ und sicher nutzen kann. Es enthält aber auch Informationen zum Umgang mit Smartphones, Umfragen zum Leseverhalten und Online-Spiele. Für Eltern gibt es gut aufbereitete Studien zum digitalen Lernen, Infos über Cybermobbing und Tipps, was ins Internet gehört und was man lieber privat lassen sollte. Die Lehrerseiten vermitteln hilfreiche Tools für den Unterricht und empfehlen nützliche Apps, die beim Lernen des ABC?s ebenso helfen wie beim Vertiefen des kleinen und großen Einmaleins oder in die Anfangsgründe des Programmierens einführen.

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Dass die Nutzung der Tools, die die Medienanstalt in ihrem Internetportal zur Verfügung stellt, in der Lyonel-Feiniger-Grundschule so gut gelingt, ist kein Zufall, sondern vielmehr der Einbettung in das Gesamtkonzept geschuldet. Denn so segensreich die neuen Onlineangebote für viele Schülerinnen und Schüler auch sein mögen, sie bringen die Kinder nur dann voran, wenn ihre Nutzung nicht auf Kosten der Kreativität geht. Die aber wird in der Grundschule Mellingen groß geschrieben. Denn die Kinder spielen auch miteinander Theater, singen und tanzen und treten genau deshalb selbstsicher auf, eine Haltung, die Im Internet von großem Nutzen ist, birgt dieses Medium doch die Gefahr, sich fremdbestimmen und von der Sicht anderer definieren zu lassen. Wer aber singt und tanzt, hat in der Regel ein deutlich besseres Körpergefühl als Kinder, die ihre Zeit ausschließlich vor Bildschirmen verbringen. Deshalb ist der Erfolg des Lernens mit dem Internet klar an ein Gesamtkonzept gekoppelt, in dem Bewegung, Kunst und Musik die Hauptrollen spielen und das Internet als ergänzende, den Blick weitende und neue Möglichkeiten der Kommunikation und des Lernens eröffnende Möglichkeit hinzukommt.

Lernen auch mit Büchern

Dass die Kinder an der Grundschule in Mellingen nicht nur am PC lernen, wird deutlich, wenn man einen Blick in das Schulprogramm wirft. Dort nimmt der Umgang mit Büchern breiten Raum ein. Die Kinder lesen nicht nur regelmäßig Bücher aus der Schulbibliothek, das Angebot umfasst auch Autorenlesungen, Lese- und Schreibwettbewerbe für die Schülerzeitung und die Zusammenarbeit mit dem Feininger-Verein sowie mit den Bibliotheken, der Architektenkammer, Museen und Künstlern. Flexibilität ist ein weiteres Kennzeichen des Lernens an der Mellinger Grundschule. Die Mischung aus Präsenzunterricht und Onlinezugang zu den Lernmaterialien ist ein Beispiel für dieses neue Lernmodell, das sich pandemiebedingt entwickelte, aber mit Sicherheit als neue gemischte Lernform hier wie andernorts weiterhin angeboten werden wird. So konnten die Eltern der Schülerinnen und Schüler beispielsweise selbst entscheiden, ob sie ihre Kinder an den letzten drei Tagen vor Weihnachten in den Präsenzunterricht schickten oder die Materialien in der Schulcloud nutzten und die Aufgaben zuhause erledigten. Es genügte eine formlose Erklärung.

Perspektivisch wird hier deutlich, wie hilfreich solch gemischte Modelle auch für einen wünschenswerten Übergang zu mehr Selbstbestimmung im Bereich Homeschooling sein werden, ein Gebiet, auf dem Deutschland nach der Einführung des verpflichtenden Schulbesuchs bis heute ein Entwicklungsland ist. Gerade das Internet ABC, für dessen Nutzung die Lyonel-Feiniger-Grundschule am Ende des vergangenen Jahres erneut ausgezeichnet worden ist, zeigt aber, wie fragwürdig eine solche Einschränkung im europäischen Kontext ist. Denn die Kinder, die den Surfschein gemacht haben, sind selbstständig in der Lage, sich im Internet ABC zurechtzufinden, können eigene Lernfenster nutzen und in ihrem eigenen Tempo lernen. Auch angesichts steigender Zahlen von Menschen, die dem autistischen Spektrum zuzurechnen sind und die vergleichsweise laute Lernumgebung des Präsenzunterrichts wenig hilfreich finden, profitieren von solchen Angeboten. Gefragt sind in der Zukunft also Mischkonzepte, wie die Lyonel-Feininger-Grundschule sie derzeit anbietet. Ihr Modell aus künstlerisch-musikalischer und intellektueller Bildung mit regelmäßiger Nutzung des Internets durch Lehrer, Schüler und Eltern ist vorbildlich für zukünftige Lernmodelle deutschlandweit.

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