Kinder vor der Genderideologie schützen

Sexualaufklärung: In Sachsen-Anhalt wird ein „Aktionsprogramm für die Akzeptanz“ sexueller Vielfalt geplant. Von Sebastian Krockenberger
Sexuelle Vielfalt in Schulen
Foto: dpa | Für die Familie, gegen die Ideologie sexueller Vielfalt: Plakat der Demo für Alle.

In den meisten deutschen Bundesländern werden aktuell Aktionspläne erstellt oder umgesetzt, die einer vermeintlichen Benachteiligung aufgrund sexueller Neigung entgegenwirken sollen. Die Beschäftigung mit Homosexualität und Transsexualität soll durch die Politik in das Leben der Menschen hineingetragen werden. In Baden-Württemberg wurde ein solcher Aktionsplan durch die Landesregierung beschlossen trotz breiten Protestes, der seinen Ausdruck in der „Demo für Alle“ fand.

In Sachsen-Anhalt hat die Sexualaufklärung für Kindergartenkinder und Grundschüler Kritik hervorgerufen. Laut einem Bericht der Mitteldeutschen Zeitung hat das Ministerium für Justiz und Gleichstellung 2 000 Broschüren zur sexuellen Vielfalt und alternativen Familienmodellen an Kitas und Grundschulen verteilt. Die „Demo für Alle“ nannte das in einer Mitteilung „Indoktrinierung kleiner Kinder in Kindertagesstätten und Grundschulen mit der Gender- und ,Sexuelle Vielfalt‘-Ideologie“. Denn die Broschüren seien verteilt worden, „damit sich bereits Kita-Kinder mit ,Geschlechtervarianten‘, traditionellen Rollenklischees und sexueller Vielfalt auseinandersetzen“. Auch soll ein „sogenannter Kita-Koffer mit verschiedenen Materialien zum Thema und der Besuch von externen Beratern einschlägiger Organisationen zum Thema Geschlechtervielfalt“ geplant sein.

Hedwig von Beverfoerde, Koordinatorin des Aktionsbündnisses „Demo für Alle“, erklärt: „Es ist eine Schande, dass sich das CDU-geführte Justizministerium dazu hergibt, kleine Kinder, die von ihren Eltern Kindertagesstätten anvertraut werden, gezielt mit sexuellen Themen und der unwissenschaftlichen Gender-Ideologie zu indoktrinieren. Als CDU-Mitglied in Sachsen-Anhalt bin ich zutiefst empört und schäme mich für meine Partei, dass sie das Wohl und die Rechte wehrloser Kinder und ihrer Eltern opfert, um rote und grüne Ideologien ihrer Koalitionspartner zu bedienen.“

Die Broschüren und der Kita-Koffer gehen auf ein „Aktionsprogramm für die Akzeptanz von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgendern, Transsexuellen und intergeschlechtlichen Menschen (LSBTTI)“ zurück, das noch vor der Landtagswahl am 13. März 2016 beschlossen wurde. Die damalige SPD-Justizministerin Angela Kolb-Janssen hatte federführend das Programm erstellt. Nach Bildung der Koalition aus CDU, SPD und Grünen ist Anne-Marie Keding (CDU) als Ministerin für Justiz und Gleichstellung für die Umsetzung des Aktionsprogramms verantwortlich. Im Zeitraum 2016 bis 2021 soll es umgesetzt werden.

Was von Natur gegeben ist, soll nicht normal sein

„Wir wollen gegen Gewalt und Diskriminierungen eintreten und Anliegen dieser Personengruppen als Querschnittsthemen etablieren“, sagte Keding der Mitteldeutschen Zeitung. Handlungsfelder sind „Bildung und Aufklärung“, „Öffentlicher Dialog“, „Gewalt und vorurteilsmotivierte Kriminalität“ sowie „Gesetzliche Grundlagen“. In der CDU gab es vereinzelten Widerstand. Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) hat sich lange geweigert, das Aktionsprogramm mitzuzeichnen. Doch die CDU trägt das Aktionsprogramm mit. Der Widerstand im Magdeburger Landtag gegen Kita-Koffer und Aktionsprogramm kommt von der AfD, die seit der Wahl im März dort zweitstärkste Kraft ist.

Der Anstoß zum Aktionsprogramm kam von einem „Lesben- und Schwulenpolitischen Runden Tisch in Sachsen-Anhalt“ (LSpRT), der bereits 2013 den Entwurf eines „Gesamtgesellschaftlichen Aktionsplans für Akzeptanz von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Trans* und Intersexuellen und gegen Homo- und Transphobie in Sachsen-Anhalt“ entwickelt hat. Die Oppositionsparteien Linke und Grüne haben die damaligen Regierungsparteien aus CDU und SPD per Landtagsbeschluss dazu gebracht, diesen Plan verschiedener LSBTTI-Vertreter aufzugreifen und ihn zur „Grundlage des Aktionsprogramms“ zu machen.

Das Studium dieses Lobby-Papiers lohnt. Die Absichten der Initiatoren werden darin deutlich sichtbar. So soll „sexuelle Identität“ in der Schule einen breiten Raum erhalten. „Sexuelle Identität“ soll als „verbindlicher Unterrichtsbestandteil“ in Religion, Ethik und Biologie aufgenommen werden. „In jedem anderen Fach, wie etwa Geschichte, Deutsch und Mathematik soll das Thema auch Berücksichtigung finden.“

„Der Erlass zur schulischen Sexualerziehung soll unter anderem dahingehend überarbeitet werden, dass das Themenfeld ,Sexuelle Identität‘ verbindlich in all seiner Komplexität darin ausgeführt und neben schulinternen auch qualifizierte schulexterne Angebote empfohlen werden.“ Mit dem „Runderlass Sexualerziehung“ vom 15. April 2015 konnte hierfür die Landesregierung Vollzug melden.

Der „Gesamtgesellschaftliche Aktionsplan“ berichtet, „dass an Schulen das Themenfeld ,Sexuelle Identität – Vielfalt, gleichgeschlechtliche Lebensweisen, Homophobie und Diskriminierung‘ trotz der Verankerung in einigen Rahmenvorgaben im Unterricht häufig umgangen beziehungsweise weggelassen wird.“ Doch der Runde Tisch kam leider nicht auf den Gedanken, dass dieser stille Widerstand vielleicht auf ein tiefes Verantwortungsgefühl vieler Lehrer gegenüber ihren Schülern zurückzuführen sein könnte.

„Kinder haben ein Recht darauf, von sexuellen Themen unbehelligt zu bleiben und vor Geschlechtsverwirrung und wissenschaftswidrigen Ideologien geschützt zu werden. Die zwangsweise Beschäftigung mit der Gender- und Vielfaltsideologie in Kindertagesstätten und Grundschulen ist staatlicher Kindesmissbrauch“, erklärte die „Demo für Alle“ in ihrer Mitteilung.

„Dass der Verfolger sich als Verfolgter hinstellt, ist ein uralter Trick“, schreibt der heilige Josemaría Escrivá. Und Vergleichbares scheint beim Aktionsprogramm zu geschehen, bei dem es angeblich nur um den Abbau von Benachteiligung und Diskriminierung gehen soll, was aber auf eine Verdrängung traditioneller und christlicher Ansichten über das Leben, die Ehe und die Familie hinausläuft.

Das Justizministerium betont: „Keine der Maßnahmen aus dem Programm, etwa Fortbildungen oder der Einsatz bestimmter Materialien, sind … verpflichtend für eine bestimmte Zielgruppe. Die Maßnahmen stellen ein Angebot dar, auf das Fachkräfte und die interessierte Öffentlichkeit nach Bedarf zugreifen können.“ Doch wenn die Themen erst einmal in den Lehrplänen drinstehen und von der Landesregierung zahlreiche Maßnahmen auf den Weg gebracht werden, besteht eben schon ein gewisser Druck zum Mitmachen.

Das Ministerium erklärt: „Das Programm spiegelt … generell keine spezielle ,weltanschauliche Ausrichtung‘ wider, sondern ist Ausdruck des demokratischen Grundverständnisses unseres Bundeslandes.“ Doch die Absicht, Denken und Mentalität der Menschen zu verändern, ist im Aktionsprogramm deutlich erkennbar. Was von Natur aus gegeben ist, wie zum Beispiel die Polarität von Mann und Frau, soll nicht mehr normal sein. Und so vertritt das Aktionsprogramm eben doch eine ganz bestimmte Weltanschauung, nämlich die LSBTTI- Weltanschauung.

Das Aktionsprogramm in Sachsen-Anhalt ist nur ein kleiner Teil eines größeren weltweiten Schauspiels. Wir erleben die Aufhebung des Naturrechts. Das fängt damit an, dass in Deutschland etwa der Ladendiebstahl nicht mehr konsequent geahndet wird, betrifft das Problem der Abtreibung sowie dass die Familie aus Vater, Mutter und Kindern nicht mehr als normal gilt.

Vor unseren Augen spielt sich der Übergang vom Rechtsstaat zum Gesinnungsstaat ab. Der Rechtsstaat forderte Gesetzestreue ein. Der Gesinnungsstaat fordert die vermeintlich richtige Weltanschauung von den Bürgern, was bei uns mit sanftem Druck geschieht. Und hier liegt das Elend dieser ganzen Gleichstellungspolitik. Grundsatz eines freiheitlichen Rechtsstaates ist es, Denken und Mentalität der Bürger zu achten. Ein Rechtsstaat soll die Einhaltung von Gesetzen durchsetzen. Und idealerweise sollten diese Gesetze auf dem Naturrecht beruhen. Doch wenn der Staat das Innere der Bürger regieren will, schränkt er die Freiheit ein. Denn die Aufgabe des Staates ist es, den Leib zu regieren. Die Kirche regiert die Gewissen.

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