Würzburg

Internationale Zeitschriftenschau am 10. Januar

Europäische Wahlen - Sieg der "Populisten"?
Internationale Zeitschriftenschau

Europäische Wahlen – Sieg der „Populisten“?

In The Spectator prophezeit Fredrick Erixon bei den anstehenden Europawahlen im Mai einen Sieg „populistischer“ Parteien, der „das Antlitz der EU für immer verändern könnte“. Zurzeit herrsche in Brüssel eine seltsame vorrevolutionäre Atmosphäre. Normalerweise seien Wahlen zum europäischen Parlament vorhersehbar, doch diesmal fürchten Europhile (wie Erixon selbst), dass es anders sein werde: „Wir haben uns daran gewöhnt, dass die Populisten im Laufe der Jahre bei den nationalen Wahlen gut vorankamen, angefangen von Schweden bis Italien. Doch die Wahlen zum europäischen Parlament im Mai könnten zu einem Erdrutschsieg für Marine Le Pens Rassemblement National, für Italiens Liga und andere nationalistische populistische Parteien führen, und ein Sieg kann das politische Angesicht der Europäischen Union verändern.“ Viele Parteien „sprechen für weite Teile der Bevölkerung: für ein Drittel Frankreichs, die Hälfte Ungarns und die meisten Wähler in Italien“. Sie „haben die Tugend der Geduld erlernt und die Kunst des Kompromisses“. Viktor Orban in Ungarn, Matteo Salvini in Italien, Jaroslaw Kaczynski in Polen und Alice Weidel in Deutschland: „Alle wollen sie die EU reformieren, statt aus ihr auszutreten. Sie glauben, dass die EU über das Ziel hinausgeschossen sei und möchten, dass Brüssel die Macht den Nationalstaaten zurückgibt.“ Diversität, so sagen sie, ist „das Kennzeichen Europas und sie wollen eine EU, die das respektiert“.

Übereifrige Schuldirektorin entlassen

Von einem skurrilen Vorfall berichtet das französische Monatsmagazin Homme Nouveau an einer Grundschule in Omaha in Nebraska. Die Direktorin wurde laut einer Meldung von LifeSiteNews entlassen, nachdem sie Zuckerstangen untersagt hatte, weil diese ihrer Meinung nach „christliche Symbole“ seien. Im November hatte sie ihren Lehrerkollegen eine Mitteilung zukommen lassen, in der sie vom Lehrpersonal verlangte, keine Dekoration zu verwenden und auch keine Hausaufgaben aufzugeben, die irgendwie auf Weihnachten Bezug nähmen, einschließlich der Farben Rot, Weiß und Grün: „Es sei daran erinnert, dass wir die Schüler keinesfalls auf Weihnachten hinweisen dürfen“, schrieb sie. „Der Weihnachtsmann und Weihnachten dürfen bei den Aktivitäten oder den Arbeitsbögen der Schüler nicht auftauchen. Wir haben viele verschiedene Glaubensrichtungen in unserer Schule, und unsere Arbeit muss inklusiv sein.“ Ihr Eifer für die Inklusion sei so weit gegangen, dass sie die Zuckerstangen verbot, deren Form ein „J wie Jesus“ habe, wie sie meint. Sie fügte hinzu: „Die Farbe Rot steht für das Blut Christi, und das Weiß ist ein Symbol für seine Auferstehung.“

Antiklerikalismus in Spanien

Das 1999 erschienene Buch von Leon Podles „The Church Impotent: The Feminization of Christianity“ analysiert den Status von Männern (und von Frauen) in der Kirche und, wie es im Titel heißt, die „Feminisierung der Kirche“. Es ist online frei verfügbar auf der Webseite des Verfassers. Rod Dreher („Die Benedikt-Option“) findet es so faszinierend, dass er in The American Conservative einige Passagen aus einem demnächst erscheinenden Buch des Autors („Losing the Good Portion: Why Men Are Alienated from Christianity“, St. Augustine's Press) zitiert und kommentiert, die sich mit den Wurzeln des spanischen Antiklerikalismus befassen. Darin schildert er auch die Gräueltaten, die im Spanischen Bürgerkrieg am Klerus, vor allem an Priestern und Ordensmännern, begangen wurden. Dreher fasst zusammen: Bei einer Mordorgie, die sich 1936 gegen die katholische Kirche richtete, wurde ein Drittel der Madrider Kirchen innerhalb von drei Tagen abgefackelt. Zudem sei der spanische Antiklerikalismus schon immer stark sexuell aufgeladen gewesen. Dabei richtete sich die Gewalt vor allem gegen Männer: „Republikaner töteten 283 Nonnen, aber 6 549 Priester und Ordensmänner.“ Damit wurde ein Siebtel des Klerus in ganz Spanien und ein Viertel der Kleriker in den von Republikanern kontrollierten Gebieten umgebracht. Dabei zeigten die republikanischen Gewalttaten eine „unverkennbare Note an Sadismus“. Die Priester wurden nicht einfach getötet – sie wurden „erhängt, ertränkt, erwürgt und bei lebendigem Leibe verbrannt oder begraben“, und man folterte sie zu Tode, „mit einer krankhaften Fixierung auf die Genitalien“. Leichname von Priestern wurden ohne Augen, Zungen oder Hoden aufgefunden. „In mehreren Fällen war die Leiche kastriert worden, entweder ante oder post mortem, und die Genitalien in den Mund des Opfers gestopft“. Zudem wurden die mumifizierten Leichen von Nonnen und Priestern auf den Altären verwüsteter Kirchen in obszönen Posen zur Schau gestellt. Die in Spanien verbreitete antiklerikale Propaganda fand, so Dreher, „ihre ultimative Ausdrucksform in dieser revolutionären Gewalt. Marxismus und Materialismus äußerten sich nicht nur in einer Verachtung der Religion, sondern in einem aktiven und destruktiven Hass allem und jedem gegenüber, wer oder was den Anschein hatte, eine nicht-materielle Realität zu repräsentieren, sei es ein Kirchengebäude oder ein zölibatärer Priester.“

Europäischer Gerichtshof und Scharia

Ein Artikel von Grégor Puppinck im Figaro, der in den sozialen Netzwerken über 25 000 mal geteilt wurde, erregt in Frankreich großes Aufsehen. Darin führt der Journalist und Direktor des in Straßburg ansässigen „European Center for Law and Justice“ vor Augen, wie ein neues offizielles Urteil des europäischen Gerichtshofs sogar die Durchsetzung von Scharia-Vorschriften in Europa zulässt. Bisher hatte der Gerichtshof erklärt, dass die Scharia „unvereinbar mit den Werten der Demokratie und den Menschenrechten“ sei. Puppinck hebt hervor, dass die Bestätigung des Gerichtshofs, nach der ein Staat zwar nicht verpflichtet sei, jedoch „einen juristischen Rahmen schaffen“ könne, wenn er es denn möchte, „religiösen Gemeinschaften einen besonderen Status zu gewähren, der mit besonderen Privilegien verbunden ist“. Damit könne ein europäischer Staat Muslimen die Freiheit einräumen, sich durch Vorschriften der Scharia regeln zu lassen, ohne dass dies im Widerspruch zur europäischen Konvention der Menschenrechte stünde.

„Trockener Januar“

Das französische Nachrichtenmagazin L'Express berichtet über die in Großbritannien vom Verband „Alcohol Change UK“ seit 2013 propagierte „Challenge Trockener Januar“ . Der einmonatige Verzicht auf jeglichen Alkohol verzeichne erstaunliche Resultate: „Nach einem Monat Abstinenz meinen 67 Prozent der Teilnehmer, an Kraft und 57 Prozent an Konzentration gewonnen zu haben.“ 70 Prozent haben ihren Schlaf verbessert und 58 Prozent abgenommen.

DT/KS

Weitere Artikel
Wie wird Olaf Scholz in zehn Jahren über sein Handeln denken?
18.05.2022, 11  Uhr
Hendrik ter Mits
Eine unzuverlässige und wankelmütige Politik aus Deutschland und Frankreich hat die osteuropäischen Nachbarn verunsichert, aber auch deren Eigeninitiative und Selbstvertrauen gestärkt.
29.04.2022, 21  Uhr
Kristina Ballova
Themen & Autoren
Redaktion Alice Weidel Europawahlen Geistliche und Priester Jarosław Kaczyński Jesus Christus Matteo Salvini Nonnen Scharia Viktor Orbán

Kirche

Das deutsche Ergebnis der Befragung zur Weltbischofssynode zeigt: Mit dem Synodalen Weg können Gremien Monologe führen, aber keine jungen Leute hinter dem Ofen hervorlocken.
09.08.2022, 11 Uhr
Regina Einig
„Du sollst dir kein Bild von Gott machen“ – oder doch? Der Bilderstreit des achten und neunten Jahrhunderts.
09.08.2022, 19 Uhr
Christoph Münch
Beeindruckendes Buch: Andreas Sturm beschreibt seinen Weg zum Austritt aus der katholischen Kirche mit schonungsloser Ehrlichkeit. Ein Spiegel der Kirche unserer Tage.
06.08.2022, 07 Uhr
Peter Winnemöller