Geht hinaus in alle Welt

Das „Vatikan-Museum für Kunstschätze der Missionskongregation“ zeigt seine wertvolle Sammlung. Von Regina Maria Frey
Kapelle im Museum der Missionskongregation
| Die Kapelle im Museum der Missionskongregation. Foto mit freundlicher Genehmigung des Museo Missionario di Propaganda Fide.
Kapelle im Museum der Missionskongregation
| Die Kapelle im Museum der Missionskongregation. Foto mit freundlicher Genehmigung des Museo Missionario di Propaganda Fide.

Im Herzen der Stadt Rom, auf dem Weg zwischen Trevibrunnen und Spanischer Treppe, drängen sich Touristen aus aller Welt. Links und rechts erheben sich die für Rom so typischen Palazzi fünfstöckig in den Himmel und lassen nur wenig Sonne in die schmalen Gassen scheinen. Einer dieser Palazzi gehört der Kongregation für die Evangelisierung der Völker und befindet sich direkt am Spanischen Platz. In diesem Gebäude, in dem einst ein Priesterseminar untergebracht war und das noch heute zum Vatikanstaat gehört, wurde nun das „Vatikan-Museum für Kunstschätze der Missionskongregation“ eröffnet.

Ein kühler und ruhiger Innenhof, breite Treppen und blendend weiße Wände erwarten den durch das große Portal eintretenden Besucher. Der ehemalige Palazzo Ferratini aus dem 15. Jahrhundert beherbergt seit dem Jahr 1627 die päpstliche Kongregation „de Propaganda Fide“, heute bekannt als „Kongregation für die Evangelisierung der Völker“. Bis heute arbeiten die Mitglieder im Palazzo an der Spanischen Treppe und seit Dezember ist es auch Besuchern möglich, das Gebäude zu besichtigen und einen kurzweiligen Ausflug in die Geschichte und Länder katholischer Mission zu unternehmen. „Das neue Museum soll das Wirken der Missionskongregation einer größeren Öffentlichkeit bekanntmachen“, sagte deren Untersekretär, Monsignore Massimo Cenci bei der Vorstellung des Museums. „Gegründet von Papst Gregor XV. im Jahr 1622, sollte die Römische Kurie eine neue Einrichtung besitzen, mit der die missionarischen Tätigkeiten auf der ganzen Welt zu koordinieren seien“, erzählt die Stimme im Audioguide – wahlweise auf Italienisch, Französisch, Englisch oder Deutsch. Selbst hier bei der modernen Technik des Museums ist der Sendungsauftrag aus dem Matthäusevangelium spürbar: „Geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe.“

Es ist kein statisches Museum, das einen bestimmten Zeitraum der Geschichte festhält, sondern gibt kleine Momentaufnahmen eines dynamischen Prozesses. Die virtuellen Räume der Ausstellung führen hinein in die Geschichte der Mission: An den Wänden leuchten digital die fünf Erdteile, in der Mitte eine große Weltkugel. Von dem Wirken der Missionare in diesen Ländern erzählen schwarz-weiß Fotografien aus der mehr als 10 000 Fotos umfassenden Sammlung der Kongregation. Das Fotoarchiv, dessen Tätigkeit im Jahr 1970 eingestellt wurde, wird heute von der „agenzia fides“, dem Presseorgan der Missionskongregation verwaltet. Dieser Pressedienst unterstützt die Arbeit der Missionare vor Ort, etwa durch das Drucken von Missionszeitschriften, und ist ebenso Bindeglied zwischen den Missionaren und der Presse. Auf den schwarz-weiß-Bildern, die afrikanische Kinder mit Missionsschwestern oder Priester im Gespräch mit Ureinwohnern Australiens zeigen, ist festgehalten, wie und wo katholische Missionare seit beinahe 400 Jahren offiziell für die Kirche wirken.

Immer wieder profitierte die Missionskongregation von klugen und wohlhabenden Präfekten. Kardinal Antonio Barberini zum Beispiel hinterließ dem Priesterkolleg im 17. Jahrhundert sein gesamtes Vermögen – darunter auch wertvolle Bilder italienischer Malerei. Diese Bilder haben den Palazzo an der Spanischen Treppe nie verlassen und sind nun durch die Museumseröffnung zum ersten Mal öffentlich zugänglich. Papst Urban VIII. gründete im Jahr 1627 das „Collegio Urbano“, in dem junge Priesterseminaristen seitdem auf den Missionsdienst vorbereitet werden. Mit dem schnellen Wachsen der Missionskongregation Ende des 17. Jahrhunderts wurde auch der Bedarf an Räumen größer, sodass im Laufe der ersten Jahrzehnte immer wieder angebaut und vergrößert wurde. Heute erstrahlt das Gebäude in neuem Glanz: Der Sitz des Ministeriums, dessen Fassade unter anderen von Gian Lorenzo Bernini (1598–1680) gestaltet wurde, ist nach Cencis Angaben in den vergangenen Jahren für rund 15 Millionen Euro renoviert worden. Und so vermitteln die Räume dem Besucher das Gefühl des noch Neuen, man erwartet den Duft frischer Farbe, auf den Bänken vor den Gemälden hat noch niemand gesessen. Anderes jedoch verkündet die Bibliothek: Hier wurde gearbeitet, studiert, geforscht. Geschaffen von Francesco Borromini (1599–1667) für das Priesterseminar, gehört dieser Raum zu den Schmuckstücken des Museums. Über zwei Etagen reihen sich die Bücher bis unter die holzverkleidete Stuckdecke; Theologisches und Philosophisches, in der Ecke ein großes alter Globus: Es ist nur unschwer zu erkennen, was hier im Mittelpunkt der Studien stand. Neben der Bibliothek gab und gibt es noch einen anderen zentralen Ort für Seminaristen damals und Besucher heute: Die „Cappella dei Magi“ – die Kapelle der Heiligen Drei Könige. Ebenfalls von Borromini geschaffen und komplett restauriert, gewährt der Gang durchs Museum einen Blick von der Empore in die Kapelle hinein – von dem Punkt aus, von dem auch hohe Besucher der Kongregation die Messe mitgefeiert haben. Besonders eindrücklich ist auch das Gemälde am Hochaltar: Die Verehrung an der Krippe durch die Heiligen Drei Könige, ein Gemälde von Ludovico Gimignani (1634).

Mittlerweile gibt es im Gebäude der Missionskongregation eine zweite Kapelle, die dem Seligen John Henry Newman geweiht ist. Newman kam nach seiner Konversion zum katholischen Glauben nach Rom und wohnte und studierte im Collegio Urbano für einige Zeit. In der Stadt ist es seit je her eine feste Größe, auch wenn sich das Seminar heute nicht mehr im Palazzo der Kongregation befindet. Die Missionskongregation jedoch ist im Palazzo geblieben, nah an den Menschen will sie sein. Museumsbesuch oder Missionsversuch, fragt sich der Besucher da zuweilen. „Wir haben bewusst jedoch einen vollkommen musealen Weg gewählt, der nicht nur eine künstlerische Bedeutung hat, sondern der auch und besonders für eine pastorale Bedeutung entwickelt und verwirklicht wurde“, sagt Cenci. Und so werden nicht nur die Glanzmomente der Mission gezeigt, sondern auch deren Niederlagen. Neben den prächtigen Gemälden aus dem Besitz von Kardinal Stefano Borgia (1731–1804) befinden sich im „Saal der Mission“ auch Gemälde, die Kämpfe auf den Philippinen zeigen. 22 Stoßzähne von Elefanten mit 22 Namen über einem brennenden Dornbusch: An die ugandischen Märtyrer erinnert eine Installation, die Papst Paul VI. auf seiner Reise nach Afrika geschenkt wurde. Faszination und Realität der Missionsarbeit versucht das kleine Museum zu vermitteln. Von Außen nehmen das die vorbeiströmenden Touristen kaum wahr. An der Spanischen Treppe herrscht ein buntes Sprachengewirr. Besonders im Frühjahr und Sommer ist Rom ein beliebter Urlaubsort für Menschen aller Nationen und Religionen. „Verwerft kein Bisschen des Guten, denn Reines und Heiliges gibt es auch in den Kulturen der Völker“, ermahnte Papst Gregor XV. die Missionare, als er sich zur Gründung der Propaganda Fide entschloss.

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