Benedikt XVI.

Ist der emeritierte Papst Benedikt XVI. ein Kirchenvater?

K-TV zeigt die Dokumentation „Benedikt XVI. – Der emeritierte Papst“. Eine herausragende Zusammenfassung über Leben und Pontifikat Joseph Ratzingers.
Joseph Ratzinger wurde am 19. April 2005 zum Papst gewählt.
Foto: Goya Producciones | Joseph Ratzinger wurde am 19. April 2005 zum Papst gewählt. Knapp acht Jahre später, am 28. Februar 2013, verzichtete Benedikt XVI. auf das Papstamt. Der Dokumentarfilm gibt Einblick in sein Leben und Vermächtnis.

Als Benedikt XVI. am 28. Februar 2013 auf das Papstamt verzichtet, entsteht ein Novum in der fast zweitausendjährigen Kirchengeschichte. Abgedankt hatte vor ihm Coelestin V., der im Dezember 1294 auf das Petrusamt verzichtete. Coelestin wurde aber wieder Einsiedler. Benedikt XVI. zog sich zwar zurück, trug aber weiterhin weiß. Dazu bemerkte Papst Franziskus bei einer „fliegenden Pressekonferenz“: „Ich meine, dass ,emeritierter Papst‘ bereits eine Institution ist. Und ich glaube, dass Papst Benedikt diesen Schritt vollzogen hat: die Einrichtung der emeritierten Päpste.“ Er würde dasselbe tun, wenn er sich nicht mehr in der Lage sähe, das Petrusamt auszuüben.

„Seine Rede von der „Diktatur des Relativismus“ stellte den Beginn einer Reihe
von herausragenden Ansprachen dar, etwa vor dem britischen Parlament
oder dem deutschen Bundestag.“

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Der Dokumentarfilm „Benedikt XVI. – Der emeritierte Papst“ von Andrés Garrigó beschränkt sich allerdings nicht auf Benedikts Zeit als „Papst Emeritus“. Im Unterschied zu seinen früheren Filmen „Fatima. Das letzte Geheimnis“ (2018) – der in Deutschland in mehr als 130 Kinos von etwa 50 000 Zuschauern besucht wurde und weltweit 400 000 Zuschauer erreichte – und „Brennendes Herz“ (2020), die Dokumentarisches mit einer zwar auf wahren Ereignissen basierenden, aber fiktionalen Rahmenhandlung verknüpfen, handelt es sich bei „Benedikt XVI. – Der emeritierte Papst“ um einen reinen Dokumentarfilm.

Garrigós Film bietet teils unbekannte Bilder, vor allem aber sehr viele Stimmen. Sie bilden einen Erzählfaden, der die Persönlichkeit des emeritierten Papstes zum Ausdruck bringt.

Besonderes Gewicht hat dabei Erzbischof Georg Gänswein, der ausführlich zu Wort kommt – auch zu der Frage nach dem Rücktritt Benedikts. Ja, er selbst habe damals versucht, ihn umzustimmen. Aber die Antwort des Papstes sei deutlich: Er habe sehr viel darüber nachgedacht und gebetet. Die Entscheidung sei getroffen. Zu Wort kommen mehrere Kardinäle – Gerhard Ludwig Müller, Julián Herranz, Antonio María Rouco –, Historiker und Theologieprofessoren, aber auch Publizisten – der ehemalige Leiter des RAI-Telegiornale Aldo Maria Valli, der Chefredakteur des Osservatore Romano Andrea Monda und die Soziologin Gabriele Kuby. Spricht etwa José Manuel Kardinal Estepa von der Zusammenarbeit bei der Redaktion des Weltkatechismus, so geht Gabriele Kuby insbesondere auf die Gender-Ideologie ein.

Benedikt XVI. versöhnt den Glauben mit der Vernunft

„Benedikt XVI. – Der emeritierte Papst“ bietet einen ganzen Überblick sowohl über die pastoralen Begegnungen während seines Pontifikats, etwa bei den Weltjugendtagen oder bei seinen pastoralen Reisen, als auch über die theologische Tiefe seiner Gedanken zur Versöhnung von Glaube und Vernunft. In diesem Zusammenhang spielt die Predigt, die er bei der Eröffnungsmesse des Konklaves 2005 als Doyen des Kardinalskollegiums hielt, eine besondere Rolle. Seine Rede von der „Diktatur des Relativismus“ stellte den Beginn einer Reihe von herausragenden Ansprachen dar, etwa vor dem britischen Parlament oder dem deutschen Bundestag. Dazu gehört auch die „Regensburger Rede“, die zwar von einigen missverstanden wurde, aber ebenfalls in diese Reihe gehört.

Erzbischof Gänswein verweist in dem Film auf ein weiteres wichtiges Vermächtnis des emeritierten Papstes: sein Buch „Jesus von Nazareth“. Mehrere Gesprächspartner stellen sich darüber hinaus die Frage, ob Benedikt XVI. irgendwann als Kirchenvater anerkannt wird. Für Kardinal Gerhard Ludwig Müller ist die Antwort eindeutig: „Benedikt ist ein Kirchenvater für heute und morgen.“

„Benedikt XVI. – Der emeritierte Papst“ bietet einen hervorragenden Überblick über das Pontifikat des emeritierten Papstes.


Benedikt XVI. – Der emeritierte Papst“. Drehbuch und Regie: Andrés Garrigó.
Samstag, 30. Oktober 2021, 20.15 Uhr, 54 Min. K-TV in den Kabelnetzen oder
über Satellit sowie per Live-Stream im Internet unter www.k-tv.org

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