Runder Geburtstag

Er machte Oskar Schindler bekannt

Der nordirische Schauspieler Liam Neeson verknüpft häufig Charakter- und Actionelemente in seinen Rollen. Nun wird er 70 Jahre alt.
Wieder im Kino: Spielbergs «Schindlers Liste»
Foto: - (Universal Pictures) | Seine Paraderolle: Liam Neeson (links) als Oskar Schindler zusammen mit Ben Kingsley als seine rechte Hand Itzhak Stern in Steven Spielbergs Spielfilm „Schindlers Liste“ (1993).

Wenn ein Theater- und Filmschauspieler in mehr als 140 Kinofilmen mitgewirkt hat, ist es nicht leicht, eine bestimmte Rolle daraus auszuwählen. Beim am 7. Juni 1952 geborenen Liam Neeson fällt dies etwas leichter: 1993 verkörperte er den deutschen Industriellen Oskar Schindler (1908–1974), der mit seiner berühmt gewordenen Liste etwa 1 200 bei ihm angestellte jüdische Zwangsarbeiter vor der Deportation in die Vernichtungslager und damit vor der Ermordung durch die Nationalsozialisten bewahrte. Regisseur Steven Spielberg und Hauptdarsteller Liam Neeson verhalfen mit dem Spielfilm „Schindlers Liste“ (1993) dem „Gerechten unter den Völkern“ weltweite Berühmtheit. Der Film gewann zahlreiche Preise, darunter sieben Oscars und drei golden Globes, wurde aber darüber hinaus zu einem regelrechten Medienereignis, das kontroverse Debatten anstieß. Bezeichnend in dem Zusammenhang: Die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem verlieh Oskar Schindler den Ehrentitel posthum in demselben Jahr, als der Film in die Kinos kam.

Der in Ballymena, einer mehrheitlich protestantischen Gemeinde in Nordirland, als drittes von vier Kindern und einziger Sohn einer gläubigen katholischen Familie – seine Eltern arbeiteten für eine katholische Mädchenschule – geborene William John „Liam“ Neeson wurde nordirischer Meister im Boxen, wobei ein Nasenbeinbruch ihm seine charakteristische Nasenform gab, ehe er 1976 anfing, Theater in Belfast, später auch in Dublin zu spielen.

„In Roland Joffés „Mission“ (1986) verkörperte er einen jungen Jesuiten.
Der Spielfilm über die Aufhebung der so genannten „Reduktionen“
des Jesuitenordens am Paraná-Fluss
und der Jesuiten-Vertreibung aus den spanischen Gebieten in Amerika (1767),
dessen dramatische Wirkung von Ennio Morricones Filmmusik noch gesteigert wird,
gewann die Goldene Palme beim Internationalen Filmfestival Cannes 1986“

In der irischen Hauptstadt entdeckte ihn der britische Regisseur und Produzent John Boorman, der Neeson die Rolle des Ritters Gawain im Spielfilm „Excalibur“ (1981) anbot. Der auf dem Roman „Die Geschichte von König Artus und den Rittern seiner Tafelrunde“ von Thomas Malory aus dem 15. Jahrhundert basierende Film wurde nicht nur zu einem großen Kassenerfolg, sondern auch zum stilistischen Vorbild für weitere Verfilmungen aus dem mittelalterlich anmutenden Fantasy-Genre.

Noch eine Rolle sticht unter den etlichen Nebenrollen heraus, die Neeson vor seiner ersten Hauptrolle in „Schindlers Liste“ spielte – von „Die Bounty“ (Roger Donaldson, 1984) an der Seite von Mel Gibson und Anthony Hopkins bis „Ehemänner und Ehefrauen“ (Woody Allen, 1992) zusammen mit Judy Davis, Mia Farrow, Juliette Lewis und Sydney Pollack: In Roland Joffés „Mission“ (1986) verkörperte er einen jungen Jesuiten. Der Spielfilm über die Aufhebung der so genannten „Reduktionen“ des Jesuitenordens am Paraná-Fluss und der Jesuiten-Vertreibung aus den spanischen Gebieten in Amerika (1767), dessen dramatische Wirkung von Ennio Morricones Filmmusik noch gesteigert wird, gewann die Goldene Palme beim Internationalen Filmfestival Cannes 1986. Der Film wurde darüber hinaus mit dem Oscar für die beste Kameraführung sowie mit sechs weiteren Nominierungen (darunter „Bester Film“) ausgezeichnet. Liam Neeson konnte sich neben Jeremy Irons und Robert de Niro behaupten, die damals auf dem Höhepunkt ihrer Karrieren standen.

Seine Statur ist auch für Actionfilme gut

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Sein markantes Boxer-Gesicht und eine gute Portion Körpereinsatz verhelfen Liam Neeson zu Rollen in Actionfilmen, etwa „72 Stunden – The Next Three Days” (Paul Haggis, 2010), in dem er einen Ausbrecherkönig spielt, der einem von Russell Crowe verkörperten Englisch-Professor hilft, dessen unschuldig wegen Mordes inhaftierte Ehefrau zu befreien. In einer Mischung aus Action- und Charakterrolle stand er mehrfach vor der Kamera, so als schottischer Volksheld Robert Roy MacGregor in Michael Caton-Jones´ „Rob Roy“ (1995) und als irischer Freiheitskämpfer Michael Collins im gleichnamigen Film von Neil Jordan (1996).

Eine ähnliche Verknüpfung stellt ebenfalls die Hauptfigur in der Neuverfilmung von Victor Hugos „Les Miserables“ (Bille August, 1998) dar. Übrigens: Die Rolle des Jean Valjean hatte 16 Jahre zuvor ein weiterer ehemaliger Kampfsportler gespielt, Lino Ventura in „Die Legion der Verdammten“ (Robert Hossein, 1982).

 

 

Verwitwet und Vater zweier Söhne

Ende des Jahrhunderts verkörperte Liam Neeson den Jedi-Ritter Quin-Gon Jinn in „Star Wars: Episode I – Die dunkle Bedrohung“ (George Lucas, 1999). Später lieh er in den drei Narnia-Filmen „Der König von Narnia“ (2005) „Prinz Kaspian von Narnia“ (2008) und „Die Reise auf der Morgenröte“ (2010) dem Löwen Aslan seine sonore Stimme.

Der nordirische Mime, der in den 1980er Jahren der Lebensgefährte von Helen Mirren war, heiratete 1994 die Schauspielerin Natascha Richardson – die Ehe hielt bis zu deren Tod 2009. Aus der Ehe gingen zwei Söhne hervor, von denen Micheál Richardson ebenfalls Schauspieler ist, und zusammen mit Vater Liam Neeson zweimal vor der Kamera gestanden hat.

Noch ist kein Ende der Karriere abzusehen

Liam Neeson wird am 7. Juni 70 Jahre alt. Ans Aufhören denkt er offenkundig nicht: Die „Internet Movie Database“ verzeichnet sechs Filme, die sich entweder in der Postproduktion befinden oder aber angekündigt sind, in denen er mitwirkt. Darunter: „Marlowe“, in dem Liam Neeson an der Seite von Diane Kruger und Jessica Lange den legendären, von Raymond Chandler geschaffenen fiktiven Privatdetektiv Philip Marlowe spielen soll. Marlowe wurde bereits von mehreren Schauspielern, insbesondere von Humphrey Bogart („Tote schlafen fest“, 1946) bereits verkörpert.

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