Berlin

Der lange Weg zu Gott

Anthony Hopkins, einer der bekanntesten Charakterdarsteller, bekennt offen seinen Gottesglauben.
Anthony Hopkins
Foto: Facundo Arrizabalaga (EPA) | Immer wieder hat der bekannte Charakterdarsteller Anthony Hopkins sich zu seinem Glauben an Gott geäußert.

Der am 31. Dezember 1937 in Wales geborene Anthony Hopkins gehört seit Jahrzehnten zu den profiliertesten Charakterdarstellern überhaupt. Nach seinen früheren Rollen als Richard Löwenherz in „Der Löwe im Winter“ (1968) und des Wissenschaftlers Frederick Treves in „Der Elefantenmensch“ (1980), wurde Hopkins Anfang der 1990er Jahre in „Das Schweigen der Lämmer“ (1991), „Wiedersehn in Howards End“ (1992) und „Was vom Tage übrig blieb“ (1993) sowie durch seine Darstellung von C.S. Lewis in „Shadowlands“ (1993) weltbekannt. Im neuen Jahrhundert spielte Anthony Hopkins in einigen Filmen mit religiösem Inhalt. So verkörperte er in „The Rite – Das Ritual“ 2011 einen an den berühmten Vatikan-Exorzisten Gabriele Amorth angelehnten Priester. Damals wurde er in der CNN-Talkshow „Piers Morgan Tonight“ gefragt, ob er an Gott glaube. Darauf antwortete Hopkins: „Ja, das tue ich. Ich bin kein Atheist.“ Allerdings glaube er an ein „Konzept eines Schöpfers“, stimme aber nicht mit den Dogmen der organisierten Religionen überein.

„Ich fühle mit jedem Tag, den ich älter werde,
dass alles ein Wunder ist. Mein Herz schlägt,
meine Lungen atmen. Das ist außergewöhnlich
– ein außergewöhnliches Phänomen“
Anthony Hopkins

Mit der Zeit änderte er allerdings offenkundig seine Meinung. Im Zusammenhang mit dem Film „Noah“ (2014), in dem er Methusalem darstellte, führte Hopkins in einem Interview mit ABC News aus, je älter er werde, desto mehr werde ihm der Glaube an Gott wichtig. „Ich fühle mit jedem Tag, den ich älter werde, dass alles ein Wunder ist. Mein Herz schlägt, meine Lungen atmen. Das ist außergewöhnlich – ein außergewöhnliches Phänomen.“

Allerdings war Anthony Hopkins Weg zu Gott nicht geradlinig. Im Sommer 2018 vertraute er bei der 11. jährlichen Konferenz einer Non-Profit-Organisation, die Studenten bei ihrem Start ins Berufsleben unterstützt, den etwa 500 jungen Zuhörern an, dass er im Dezember 1975 dank einer Frage von seiner Alkoholsucht losgekommen sei. Damals habe ihn eine Frau bei den Anonymen Alkoholikern wachgerüttelt:„Warum vertraust du nicht Gott?“ Vom Alkohol sei er nur mit Gott losgekommen, obwohl er damals noch Atheist gewesen sei. Besonders aufschlussreich nimmt sich eine Aussage aus dem Jahr 2016 in der Onlineausgabe der F.A.Z. aus, weil sie nicht im Vorfeld eines Filmes getroffen wurde, den er bewerben sollte: „Wir manifestieren das Göttliche gern nach außen, wir externalisieren das als den Himmel, aber dabei wohnt es womöglich bereits in uns selbst“. Vor Jahren sei ihm diese Einsicht gekommen und dann „flossen“ ihm die Worte aus dem Mund: „God in me, as me, is me.“ – Gott in mir, als ich, bin ich. Er sehe das Wesen des Göttlichen im Menschen. Deshalb solle nicht bei Tragödien gefragt werden: „Wo ist Gott?“ Der Mensch wolle die Dinge bis in alle Ewigkeit in der Hand halten. Aber die „Kontrollsucht ist der Teufel in uns allen“. Man tyrannisiere damit andere Menschen, und am Ende bezahle man dafür.

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