Eine Kamerafahrt durch das Innere eines Cellos eröffnet die französische Komödie „Der Klang der Stradivari“ (Originaltitel: „Les Musiciens“). Regisseur Grégory Magne stellt damit gleich zu Beginn die Frage, wie aus einzelnen Bestandteilen ein Klang entsteht, der im Zusammenspiel mit anderen Instrumenten zu Harmonie werden kann. Auf einer Auktion ersteigert Astrid Thompson (Valérie Donzelli) das Stradivari-Cello. Ihr verstorbener Vater, ein reicher Industrieller und zugleich Musikmäzen, hatte einen unerfüllten Traum: Ein Quartett aus vier Stradivari-Instrumenten – zwei Geigen, einer Bratsche und einem Cello – soll ein Werk uraufführen, das er vor einem Vierteljahrhundert in Auftrag gegeben hatte, aber nie gespielt wurde. Astrid sucht die besten Virtuosen für jedes Instrument zusammen und lädt sie zu den Proben in ein abgelegenes Herrenhaus ein.
Schon bald zeigt sich jedoch, dass vier Virtuosen noch lange kein Quartett bilden. Der arrogante erste Geiger George (Mathieu Spinosi) nimmt die junge Bratschistin Apolline (Emma Ravier) nicht ernst, weil sie kein Konservatorium besucht hat und sich zudem erfolgreich in den sozialen Netzwerken präsentiert. Der fast erblindete Peter (Daniel Garlitsky) und die Cellistin Lise (Marie Vialle) waren früher nicht nur beruflich ein Paar. Als schließlich auch der Komponist Charlie Beaumont (Frédéric Pierrot) nach 25 Jahren nicht mehr genau weiß, wie seine eigene Partitur klingen soll, scheint das Chaos programmiert. Weil Beaumont den Musikern kaum konkrete Anweisungen geben kann, müssen sie sich die Komposition selbst erschließen: „Vielleicht spielen wir erst dann richtig gemeinsam, wenn jeder ein wenig daneben spielt“, sagt er einmal. Darin liegt der eigentliche Kern von Magnes Film: Nicht Gleichförmigkeit schafft Harmonie, sondern die unterschiedlichen Eigenarten, wenn sie aufeinander hören.
Warmherzig, witzig, vorhersehbar
Grégory Magne erzählt diese Geschichte in einem warmherzigen, komödiantischen Ton. Dass die Darsteller ihre Instrumente tatsächlich beherrschen, verleiht den Probenszenen besondere Glaubwürdigkeit. Die Kamera beobachtet Hände, Gesichter und Instrumente, sodass „Der Klang der Stradivari“ ohne große Erklärungen auskommt. Der Zuschauer erlebt unmittelbar, wie aus den vier individuellen Stimmen doch noch Harmonie entsteht. Die von Grégoire Hetzel für den Film komponierte Musik ist weit mehr als bloße Begleitmusik, etwa auch, wenn auf Klassik Jazz und Folk trifft. Nicht alles im Film ist freilich gelungen. Manchmal zeichnet Magne die Gegensätze etwas zu deutlich aus: zwischen akademischer Ausbildung und Instagram-Autodidaktik, zwischen künstlerischem Anspruch und finanziellem Ertrag, zwischen dem jeweiligen Ego und dem Teamgeist. Auch manche Wendung im Drehbuch wirkt vorhersehbar.
Dennoch umschifft Magne jede Sentimentalität. Sein leiser Humor macht sich nie über die Figuren lustig. Selbst Georges bisweilen karikaturhafter Snobismus wird durch sein Können wiedergutgemacht. Apollines Popularität ist kein Ersatz für ihr Talent. Valérie Donzelli verkörpert Astrid als liebenswerte Idealistin, die jedoch von allen Seiten unter Druck gerät. Frédéric Pierrot hält den Film als mürrischer Komponist genauso zusammen, wie seine Figur das Quartett. „Der Klang der Stradivari“ handelt nur vordergründig von den kostbaren Instrumenten im deutschen Filmtitel. Eigentlich geht es um die Kunst des Aufeinanderhörens, des Zuhörens.
„Der Klang der Stradivari“ („Les Musiciens“), Frankreich 2025, Regie: Grégory Magne, 102 Min., im Kino ab dem 6. August.
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