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"A Great Place To Call Home“: Ein Außerirdischer in der Nachbarschaft

Eine herzerwärmende Komödie über Freundschaft und die Möglichkeiten eines Neuanfangs im Leben.
"A Great Place To Call Home“ - Filmszene
Foto: Neue Visionen | Der kauzige Rentner Milton (Ben Kingsley) entdeckt in seinem Garten einen Außerirdischen (Jade Quon). Dessen leicht schrullige Nachbarinnen Sandy (Harriet Harris) und Joyce (Jane Curtin) kommen auch bald dahinter.

In einer beschaulichen Kleinstadt irgendwo in Pennsylvania hat sich der Rentner Milton (Ben Kingsley) entschlossen, den Slogan der Stadt „A Great Place to Call Home“ zu ändern, da er ihn als zu ambivalent empfindet. Bei jeder Gemeindeversammlung bringt er seinen Vorschlag ein, doch niemand nimmt den kauzigen alten Mann ernst. Miltons Leben ist geprägt von Monotonie, seine einzige Verbindung besteht zu seiner gelegentlich vorbeischauenden Tochter.

Der Titel des Films spiegelt nicht nur den Stadtslogan wider, sondern spielt auch auf den berühmten Satz aus Steven Spielbergs „E.T. – Der Außerirdische“ (1982) an: „Phone Home“. Häufig wurden in Filmen Außerirdische als bedrohliche Feinde dargestellt. In Steven Spielbergs zweiter Regiearbeit, „Unheimliche Begegnung der dritten Art“ (1977), traten jedoch freundliche Außerirdische auf. Allerdings spielten sie nicht die zentrale Rolle, die fünf Jahre später „E.T.“ einnehmen sollte.

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Der Spielfilm „A Great Place To Call Home“ von Gavin Steckler (Drehbuch) und Marc Turtletaub (Regie) knüpft daran an: Eines Nachts bruchlandet in Miltons Blumenbeet ein UFO. Aus dem Raumschiff steigt ein Außerirdischer (Jade Quon mit „typischer“ Alien-Maske), den Milton aufpäppelt. Als Milton seine Geschichte teilt, glaubt ihm jedoch niemand – weder der Notruf noch der Supermarktkassierer oder der Gemeinderat. Die skurrilen Nachbarinnen Sandy (Harriet Harris) und Joyce (Jane Curtin) entdecken jedoch den Außerirdischen und schließen ihn in ihr Herz. Aus Nachbarn werden Freunde, doch als die Regierung aktiv wird, wird ihre ungewöhnliche Gemeinschaft auf die Probe gestellt.

Witz, große Wärme und eine verrückte Grundstimmung

Marc Turtletaub ist hauptsächlich als Produzent von so wunderbaren Filmen wie „Little Miss Sunshine“, „Der wunderbare Mr. Rogers“ und „The Farewell“ bekannt. Im Gegensatz dazu sind seine vier bisherigen Regiearbeiten, bei denen er bei drei auch das Drehbuch verfasste, größtenteils unbekannt geblieben.  Das Drehbuch von Gavin Steckler spielt zunächst mit der Möglichkeit, dass sich der alte Mann die Geschichte mit dem Außerirdischen ausgedacht hat. Ähnlich wie in „Little Miss Sunshine“ zeichnet sich auch „A Great Place To Call Home“ durch skurrile Komik aus, die von der „Verrücktheit“ des alten, einsamen Mannes lebt. Neben der Gartenarbeit besteht sein Leben lediglich aus dem ständigen Einbringen desselben Vorschlags in der Gemeindeversammlung.

Die Begegnung mit dem bleichen Außerirdischen, der eine Vorliebe für Äpfel hat und ihm beim Fernsehen Gesellschaft leistet, fügt sich perfekt in diese verrückte Grundstimmung. Regisseur Turtletaub kann dabei auf einen Schauspieler setzen, der sowohl „ernste“ Rollen, insbesondere in „Gandhi“ und „Schindlers Liste“, als auch exzentrische Charakteren, wie zuletzt in Wes Andersons Kurzfilmen, glaubwürdig verkörpern kann. Ben Kingsley gestaltet einen liebenswürdigen Milton, gerade wegen seiner Macken. Der Zuschauer versteht, warum er zu den besten Schauspielern seiner Generation zählt. Nicht nur die Hauptgeschichte, sondern auch die Nebenhandlung von Miltons Freundschaft mit den beiden Nachbarinnen wird mit Witz, großer Wärme und einem starken Gefühl für zwischenmenschliche Gemeinschaft erzählt.

Die sanfte, liebenswürdige und mit leisem Humor erzählte Geschichte besitzt auch Tiefgang. Einerseits setzt sie sich als Plädoyer für die Würde des Alters ein, im Gegensatz zur Gleichgültigkeit, mit der älteren Menschen oft begegnet wird. Andererseits wird zu Beginn deutlich, dass sich Milton von seinem Sohn entfremdet hatte, was zu seiner Bitternis geführt hat. Auch darüber handelt „A Great Place To Call Home“: Es ist nie zu spät, um einen Sinn im Leben zu finden, es ist nie zu spät, um „nach Hause zu telefonieren“. 

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José García

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