Widerstand in der Postapokalypse

Jugendliche im Kampf gegen eine undurchsichtige Organisation: „Maze Runner – Die Auserwählten in der Brandwüste“. Von José García
Foto: Fox | Teresa (Kaya Scodelario), Minho (Ki Hong Lee), Newt (Thomas Brodie-Sangster) und Thomas (Dylan O?Brien) werden in einem Militärkomplex von einer geheimnisvollen Organisation festgehalten.
Foto: Fox | Teresa (Kaya Scodelario), Minho (Ki Hong Lee), Newt (Thomas Brodie-Sangster) und Thomas (Dylan O?Brien) werden in einem Militärkomplex von einer geheimnisvollen Organisation festgehalten.

Düstere Zukunftsvisionen, meist nach einem wie auch immer gearteten apokalyptischen Ereignis, bilden längst sowohl in der Literatur als auch im Film ein eigenes Genre. Spätestens seit dem weltweiten Erfolg der Roman-Trilogie „Die Tributen von Panem“ („The Hunger Games“) von Suzanne Collins und deren Verfilmungen ist allerdings etwas Neues hinzugekommen: Inzwischen gibt es eine ganze Reihe dystopischer beziehungsweise postapokalyptischer Romane und Filme, in denen Jugendliche die Hauptrolle spielen. Meistens entwerfen diese negativen Utopien eine Gesellschaft mit totalitären Zügen, der die jugendlichen Protagonisten den Kampf ansagen, so zuletzt im deutschen Spielfilm „Boy 7“ (DT vom 17. August).

Tagsüber öffnen sich Türen, die sich nachts schließen

Im Oktober 2014 startete im Kino der Spielfilm „Maze Runner – Die Auserwählten im Labyrinth“, der auf dem ersten Teil einer im englischen Original von 2009 bis 2011, in der deutschen Fassung 2011–2013 erschienenen Trilogie von James Dashner (Romantitel: „Die Auserwählten – Im Labyrinth“, „Die Auserwählten – In der Brandwüste“ und „Die Auserwählten – In der Todeszone“) basiert. „Maze Runner – Die Auserwählten im Labyrinth“ erzählt von einer Gruppe Jungs im Teenageralter, die über Jahre hinweg an einen Ort gebracht werden, den sie die „Lichtung“ nennen. Der Film beginnt, als Thomas (Dylan O'Brien) in einem Aufzug erwacht und sich an nichts mehr, nicht einmal an seinen eigenen Namen, erinnern kann. Die anderen kennen bereits die Prozedur, denn jeden Monat kommt ein „Neuer“ mit frischen Vorräten hinzu. Als eines Tages im Aufzug das Mädchen Teresa (Kaya Scodelario) erscheint, ist dies eine Sensation: Sie ist das erste weibliche Mitglied unter den etwa 60 Jungen, die sich inzwischen dort befinden. Die Lichtung ist von einem undurchdringlichen Labyrinth umgeben. Jeden Tag öffnen sich zu diesem Labyrinth große Türen in der Steinwand, die sich nachts wieder schließen. Die „Läufer“ sollen durch die Irrgänge des Labyrinths rennen, um nach einem möglichen Ausgang zu suchen.

Die Aufgabe ist extrem gefährlich, weil dort aus einer Mischung aus Urviecher und Roboter bestehende Monster ihr Unwesen treiben. Thomas, Teresa und einige andere schaffen es zwar, am Ende des ersten „Maze Runner“-Filmes dem Labyrinth zu entkommen. Der Schluss wirft allerdings Fragen auf, die dann zu den nächsten Teilen der Trilogie überleiten. Weil „Maze Runner – Die Auserwählten im Labyrinth“ darüber hinaus ein voller finanzieller Erfolg war – bei 34 Millionen Dollar Entstehungskosten generierte er weltweit Einnahmen von mehr als 340 Millionen Dollar – wurde auch der zweite Roman der Trilogie verfilmt: „Maze Runner – Die Auserwählten in der Brandwüste“ („Maze Runner: Scorch Trials“) startet nun im regulären Kinoprogramm. Obwohl der zweite Film ebenso den Oberbegriff „Maze Runner“ im Titel enthält, gibt es in „Maze Runner – Die Auserwählten in der Brandwüste“ gar kein Labyrinth mehr. Zwar wird auch im zweiten Film sehr viel gelaufen, ja die Protagonisten verbringen die meiste Filmzeit im Laufschritt. Aber die Handlungsorte sind von denen des ersten Filmes grundsätzlich verschieden, was den Zuschauern ebenso eine Abwechslung bietet wie die vielen neuen Figuren. Zwar bestreitet Patricia Clarkson zwei, drei Gastauftritte als Chefin der ominösen Geheimorganisation, die im ersten Film die Jugendliche im Labyrinth festhielt. Der neue Widersacher von Thomas und seinen Mitstreitern Minho (Ki Hong Lee), Newt (Thomas Brodie-Sangster) und den anderen „Gladers“ ist jedoch der im Auftrag der Organisation WCKD (World Catastrophe Killzone Department) für die Sicherheit zuständige Janson (Aidan Gillen) in dem gefängnisähnlichen Komplex, in den sie gebracht wurden, als sie aus dem Labyrinth ausbrachen.

Wo San Francisco war, gibt es nur noch Wüste

Während Janson Thomas ausgiebig verhört, fragt sich dieser nach Teresas Verbleiben, die von den anderen „Auserwählten“ getrennt wurde. Der Einzelgänger Aris (Lofland Jakob), der aus einem anderen Labyrinth gekommen ist, führt Thomas zu einem Sperrgebiet, wo er eine schockierende Entdeckung macht. Dies bestärkt ihn in dem Gedanken, dass er Teresa finden und mit den anderen aus dem militärisch abgeriegelten Komplex ausbrechen muss. Draußen müssen sie allerdings feststellen, dass die Welt, die sie kannten, nicht mehr existiert. Irgendein Ereignis hat die Städte im wahrsten Sinne des Wortes verwüstet. Da, wo etwa früher San Francisco lag, sind nur Trümmer im Sand unter einer gleißenden Sonne zu sehen. Dazu grassiert eine Seuche mit einem gefährlichen Virus, die aus Menschen Zombies macht. Aber irgendwo sollen sich Rebellen verschanzt haben, die gegen die allmächtige WCKD Widerstand leisten.

„Maze Runner – Die Auserwählten in der Brandwüste“ wirkt episodenhafter als der erste Film, denn immer wieder treffen die aus dem Militärkomplex Ausgebrochenen auf Menschen (oder Zombies), bei denen sie zunächst herausfinden müssen, auf welcher Seite sie stehen. Dem Film von Wes Ball merkt man jedoch auch das höhere Budget (61 Millionen Dollar im Vergleich zu den 34 Millionen des ersten Films) an. Wes Ball gelingen denn auch hervorragende Schauwerte in postapokalyptischen Landschaftsbildern sowie Actionpassagen, auch wenn Horrorelemente teilweise überhandnehmen. Dennoch: Die Schwäche des Filmes liegt in der Dramaturgie, was auch mit den dramaturgischen Problemen eines Mittelstücks zusammenhängt. Denn eine umfassende Auflösung darf erst im dritten Teil der Trilogie „Maze Runner – Die Auserwählten in der Todeszone“ erwartet werden, der für Anfang 2017 angekündigt wurde.

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