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Vorschau 2024: Die Kunst der Vorfreude

Im Jahr 2024 dürfen Kunstbegeisterte auf besondere Ausstellungen gespannt sein.
Carl Spitzwegs „Sennerin und Mönch“ (1838)
Foto: Thiede | Mönche und Eremiten treten auf vielen Bildern Carl Spitzwegs (1808-1885) auf.

Die Heiligen Pirmin und Korbinian bescheren Baden-Württemberg und Bayern glanzvolle Landesausstellungen. Bamberg huldigt dem vor 1.000 Jahren gestorbenen Kaiser Heinrich II. Paderborn hält das Erbe der Antike in Ehren. Und in Halle an der Saale gehen Religion und Magie gelegentlich Hand in Hand. Für spannende Ausstellungen im Jahr 2024 ist also gesorgt.

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„Besonders in unsicheren Zeiten ist der Mensch seit jeher bemüht, positiven Einfluss auf die eigene Existenz zu nehmen. Ganz oben stehen dabei Religion und Magie“, heißt es in der Ankündigung der Sonderausstellung „Magie – Das Schicksal zwingen“. Sie läuft ab 1. März im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle. Außergewöhnliche Objekte zeugen von magischem Denken in Vergangenheit und Gegenwart. Präsentiert werden etwa eine griechische Zauberpuppe mit den Namen von acht Fluchopfern (400–350 v. Chr.) und ein Wahrsagespiegel aus Rostock (16.–17. Jahrhundert). Den als „Donnerkeile“ bezeichneten steinzeitlichen Beilen wurden magische Kräfte zugeschrieben, insbesondere der Schutz vor Blitzeinschlag. Noch heute hängt ein Exemplar im Eingangsbereich des Doms zu Halberstadt. Ausgestellt wird auch eine getrocknete Fuchszunge mit aufmontiertem Kruzifix aus dem 20. Jahrhundert. Das magische Objekt hing im Speicher eines Bauernhauses und sollte der Abwehr von Blitzen dienen.

250 kostbarste Exponat

Zwei gefälschte Urkunden sind in Baden-Württemberg Anlass für die Landesausstellung „Welterbe des Mittelalters. 1300 Jahre Klosterinsel Reichenau“. Ihr Fälscher war im 12. Jahrhundert der Reichenauer Mönch Udalrich. Er schabte den Text zweier alter Urkunden ab, behielt deren Siegel bei und schrieb einen neuen Text aufs Pergament. So entstanden die „Stiftungsurkunde“ und die „Privilegienurkunde“, angeblich ausgestellt vom fränkischen Hausmeier Karl Martell am 25. April des Jahres 724. Die Wissenschaftler sind jedoch überzeugt, dass Udalrich durchaus richtige Angaben gemacht hat. Es besteht also kein Zweifel daran, dass der heilige Pirmin um 724 auf der Bodenseeinsel Reichenau eine Mönchsgemeinschaft gründete. Die vom Badischen Landesmuseum Karlsruhe erarbeitete Jubiläumsschau ist ab 20. April im Archäologischen Landesmuseum Konstanz zu sehen. Zu den 250 kostbaren Exponaten gehören der Gero-Codex (um 969), das Petershausener Sakramentar (um 980) und weitere Prachtbände aus der Reichenauer Malerwerkstatt. Zweiter Schauplatz der Ausstellung ist die Klosterinsel Reichenau selbst mit ihren drei mittelalterlichen Kirchen, der Münsterschatzkammer und dem Museum Reichenau.

Das Bistum Freising schätzt sein Alter auf 1.300 Jahre. Denn um 724 wirkte der heilige Korbinian in Freising. Er gilt als der geistliche Vater des Bistums, dessen eigentlicher Gründer anno 739 der heilige Bonifatius war. Die vom Haus der Bayerischen Geschichte konzipierte Jubiläumsschau ist ab 7. Mai im auf dem Domberg ansässigen Diözesanmuseum Freising unter dem Titel „Tassilo, Korbinian und der Bär – Bayern im frühen Mittelalter“ zu erleben. Dem Bären zwang Korbinian der Legende nach sein Reisegepäck auf. Tassilo III. wiederum war der letzte Herrscher aus dem bayerischen Herzogsgeschlecht der Agilolfinger. Karl der Große setzte ihn 788 ab und verbannte ihn ins Kloster. Zu den Attraktionen der Ausstellung gehören das „Scheibenreliquiar des heiligen Bonifatius" (zweites Viertel des 8. Jahrhunderts und Mitte des 12. Jahrhunderts) aus dem Fritzlarer Domschatz und der mit erlesener Buchmalerei ausgestattete Codex Millenarius Maior (nach 800) aus dem von Tassilo gegründeten Stift Kremsmünster.

Schätze im Bistum Bamberg

Der Wiederherstellung des Bistums Merseburg und der Gründung des Bistums Bamberg verdankt Kaiser Heinrich II. seine Heiligsprechung. Er starb am 13. Juli 1024 und ist mit seiner ebenfalls heiliggesprochenen Gemahlin Kunigunde im Bamberger Dom bestattet. Die am Domberg ansässigen Museen feiern den großen Förderer Bambergs mit Sonderausstellungen (www.bamberg.info). Ab 24. Februar läuft im Diözesanmuseum die Schau „Kreuze. 1.000 Jahre nach Heinrich II. – Begegnung von Edelstein und Kettensäge“. Von heutigen Künstlern angefertigte Kreuze gesellen sich zum altehrwürdigen Heinrichskreuz aus dem Fritzlarer Domschatz. Das mit mehr als 300 Edelsteinen und Perlen sowie 17 antiken Gemmen geschmückte Prachtkreuz, das der Kaiser anno 1020 dem Fritzlarer St. Petri-Stift schenkte, weist im Zentrum einen Bergkristall auf. Unter dem liegt ein Span, der vom Kreuz Christi stammen soll. Die Staatsbibliothek präsentiert ab 16. September Handschriften, die Heinrich nach Bamberg stiftete. Die mit prachtvollen Miniaturen geschmückte „Bamberger Apokalypse“ (um 1020) hatte er im Skriptorium des Klosters Reichenau in Auftrag gegeben. Ab 28. Oktober zeigt die Schau „Vor 1.000 Jahren“ im Historischen Museum, wie die Menschen am Hof des Kaiserpaares lebten.

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An den Wänden des Westwerks der 822 gegründeten Reichsabtei Corvey sind über 1.000 Jahre alte Malereien erhalten, die rätselhafterweise den Kampf des Odysseus mit dem Meeresungeheuer Skylla darstellen. Diese Merkwürdigkeit gab den Anstoß zur Ausstellung „Corvey und das Erbe der Antike“. Sie ist ab 21. September im Paderborner Diözesanmuseum zu sehen. Die Schau zeigt, wie das Wissen und die Kultur der Antike durch die Jahrhunderte übermittelt wurden und unsere Gesellschaft bis heute mitprägen. Corvey und viele andere Klöster spielten dabei eine entscheidende Rolle. Zu sehen sind zahlreiche historische Exponate. Mitunter arbeiteten die mittelalterlichen Handwerker antike Originale um oder integrierten sie in neu geschaffene Werke, wie beispielsweise das Fritzlarer Heinrichs-kreuz zeigt. Ausgestellt werden zum Beispiel die einst in der berühmten Bibliothek der Reichsabtei Corvey aufbewahrten Annalen des römischen Schriftstellers Tacitus. Spektakulärstes Objekt ist der aus Metz anreisende antike Sarkophag (4.–5. Jahrhundert), in dem Kaiser Ludwig der Fromme bestattet wurde. Der Sohn Karls des Großen war der erste Förderer Corveys.

Mönche und Eremiten treten auf vielen Bildern Carl Spitzwegs (1808-1885) auf. Überdies widmete der notorische Junggeselle der Liebe zahlreiche Gemälde. Diese mit Witz und Ironie gewürzten Werke haben tragikomische Titel wie „Der abgefangene Liebesbrief“ (um 1860) oder „Der ewige Hochzeiter“ (um 1860). Wiederholt laufen auch Eremiten und Mönche Gefahr, in Liebesangelegenheiten verstrickt zu werden. Das zeigt etwa das Gemälde „Sennerin und Mönch“ (1838). Eben noch war der in den Bergen sitzende Mönch in ein Buch vertieft. Nun aber blickt er erschrocken der feschen Sennerin entgegen, die mit einem roten Schirm in der Hand beherzt zu ihm herübersteigt. Das Gemälde ist in der ab 17. März im Schweinfurter Museum Georg Schäfer laufenden Schau „Der rote Schirm – Liebe und Heirat bei Carl Spitzweg“ ausgestellt.

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