Völkerverständigung in Israel

Am falschen Ort mitten in der Wüste – Sehenswerte Filme auf DVD von Eran Kolirin und Sean Penn

Acht Uniformierte stehen mit ihren Musikinstrumenten vor einem Flughafen. Wie bestellt und nicht abgeholt. Als die kleine Musikkapelle aus Ägypten zur Eröffnung eines arabischen Kulturzentrums in Israel landet, wartet niemand auf sie. Die Telefonvermittlung in der ägyptischen Botschaft ist irritiert, und leitet den Anruf nicht weiter. Es bleibt ihnen nichts anderes übrig, als auf eigene Faust zu ermitteln, wie sie an ihr Ziel kommen sollen. Ein Aussprachefehler führt die kleine Musikkapelle statt an den vorgesehenen Ort in ein verlassenes Nest mitten in der Wüste. Weil es dort kein Hotel gibt und kein Bus mehr fährt, laden sie die Einheimischen zu sich nach Hause ein.

An Lakonie steht Regisseur Eran Kolirin seinem offensichtlichen Vorbild Aki Kaurismäki in nichts nach. Nicht nur, weil kaum die Hälfte des Orchesters überhaupt einen (gesprochenen) Ton von sich gibt. Darüber hinaus zeichnet sich die Inszenierung durch einen Minimalismus aus, der dem großen finnischen Regisseur ebenso ebenbürtig ist: Verlassene Straßen, kaum bevölkerte Lokale, kärglich eingerichtete Innenräume bestimmen die Atmosphäre. Kolirin zeigt insbesondere in der ersten Hälfte seines Filmes einen wunderbaren Sinn für Bildeinstellungen, die für sich selbst sprechen, für Erzählrhythmus mittels Bilder.

„Die Band von nebenan“ zeigt mit viel Gespür für Situationskomik und trockenen Humor Völkerverständigung zwischen einfachen Menschen, die allmählich entdecken, dass sie mehr Gemeinsamkeiten haben, als ihre unterschiedliche Kultur zunächst ahnen lässt. Dazu gesellt sich eine leise Melancholie im Laufe der Handlung, wenn der Zuschauer nach und nach etwas aus der Vergangenheit des strengen Dirigenten Tawfiq (Sasson Gabai) und der resoluten Wirtin Dina (Ronit Elkabetz) erfährt. „Die menschliche Ebene ist wichtig, gibt ihren Figuren Raum sich zu entfalten, bei aller Fremdheit wird nie ein falscher Ton angeschlagen. Die Gesichter der Darsteller werden von der Kamera festgehalten wie Landschaften“ (Filmbewertungsstelle Wiesbaden bei der Verleihung des Prädikats „besonders wertvoll“). Insbesondere überzeugt die Figur des integren Tawfiq, der den allzu deutlichen Avancen der lasziven Dina gegenüber stets um Haltung bemüht bleibt. Beim Europäischen Filmpreis 2007 wurde für diese Rolle der ägyptische Mime Sasson Gabai mit der Auszeichnung „Bester Schauspieler“ belohnt.

Mitte August 1992 starb der 24-jährige Christopher McCandless mitten in der Wildnis Alaskas, nachdem er etwa anderthalb Jahre vorher nach seinem College-Abschluss ohne Papiere und ohne Geld von zu Hause aufgebrochen war. Das Leben von Christopher McCandless und insbesondere die Reise des jungen Mannes, der sich „Alexander Supertramp“ nannte, durch Amerika in Richtung Wildnis rekonstruierte der amerikanische Autor Jon Krakauer in seinem Buch „In die Wildnis. Allein nach Alaska“, das Drehbuchautor und Regisseur Sean Penn wiederum als Vorlage für seinen Film „Into the Wild“ diente.

Ein verlassener Bus in der verschneiten Landschaft von Alaska wird zum letzten Lager für Chris alias „Alex“ (Emile Hirsch). Wie er nach Umwegen in die Wildnis kam, erzählt Regisseur Sean Penn auf drei Zeitebenen: Die Wochen in Alaska (von April 1992 an), die Reise dorthin, seit er im Sommer 1990 von der Ostküste aufgebrochen war, und als Rückblende in der Rückblende und mit der Offstimme von Chris' Schwester seine Kindheit und Jugend, der Dauerstreit bei den Eltern, seine brillante Collegezeit. Die komplexe Struktur des Filmes wird durch die Einteilung in Kapiteln („Geburt“, „Jugend“, „Erwachsen sein“, „Familie“, „Weisheit erlangen“) noch komplizierter, zumal die episodenhafte und mit 148 Minuten viel zu lange Handlung eher durch die Begegnungen mit Menschen unterteilt wird. Und diese korrespondieren nicht immer mit den vom Regisseur angegebenen Kapiteln.

Hervorragende Schauspieler – allen voran natürlich Emile Hirsch, aber etwa auch Catherine Keener und besonders ergreifend der alte Hal Holbrook –, die grandiose Fotografie des Kameramanns Eric Gautier sowie der stimmige Soundtrack von Eddie Vedder helfen über diese dramaturgischen Schwächen hinweg.

Dadurch, dass „Into the Wild“ nach den Beweggründen eines jungen Mannes fragt, der ein wohlbehütetes Leben und eine vielversprechende Zukunft hinter sich lässt, um in der Natur nach dem Sinn seines Lebens zu suchen, stellt der Film über die reine Gesellschafts-, Konsum- und Materialismuskritik hinweg existenzielle Fragen, die den Zuschauer nachdenklich stimmen.

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