Theatrum sacrum in Nova Cella

Neues sakrales Museum in Brandenburg eröffnet: „Himmlisches Theater – Die Neuzeller Passionsdarstellungen vom Heiligen Grab“. Von Rocco Thiede

Im kirchenfernen Bundesland Brandenburg wurde neben seinen über 300 Museen ein neues Haus mit ausschließlich christlicher Kunst eröffnet. Es lohnt sich, den geschichtsträchtigen, 1268 gegründeten Erholungsort Neuzelle („Nova Cella“), der kurz vor der polnischen Grenze zwischen Frankfurt/Oder und Cottbus und in Nachbarschaft zu Eisenhüttenstadt liegt, zu besuchen. Hier können nun täglich Kunstwerke von europäischem Rang im neuen Museum „Himmlisches Theater – Die Neuzeller Passionsdarstellungen vom Heiligen Grab“ bestaunt und bewundert werden.

Touristenführer schwärmen zu Recht vom „Barockwunder Brandenburgs“, welches sich auf die im 13. Jahrhundert von Markgraf Heinrich dem Erlauchten aus Meißen gestiftete und später barockisierte Klosteranlage gründet, die eines der nördlichsten Zeugnisse süddeutsch-böhmischen Barocks in Europa darstellt. Die Stiftskirche St. Marien – ein einst dreischiffiges gotisches Gotteshaus – besticht durch ihre Pracht und Fülle mit Kreuzigungsgruppen, Heiligenfiguren und Engel in weißem Gips, sowie den gemalten Darstellungen an Decken und Wänden aus dem Alten und Neuen Testament. Gleich neben der Kirche gibt es den Klosterschatz zu besichtigen. Das niederlausitzer Kloster selbst wurde vor fast 200 Jahren säkularisiert. Nach der Vertreibung der Zisterziensermönche aus ihrer Abtei, deren Konvent von 1281 bis 1817 bestand, lebte ihr religiöses und kulturellen Erbe weiter, so in den Neuzeller Passionsdarstellungen vom Heiligen Grab, die Fachleute europaweit „nach Umfang, Größe und künstlerischer Qualität als sensationell einstufen“, sagt der heutige Direktor der Stiftung Kloster Neuzelle.

„Die Passionsdarstellungen vom Heiligen Grab gelten in dieser Größe und Form als einmalig und stellen gleichzeitig die bedeutendsten Kunstwerke des Klosters Neuzelle dar“, erklärt auch der Archivar Winfried Töpler, der bereits als jugendlicher Ministrant von der Existenz der barocken Kunstwerke wusste und schon einige Publikationen zu ihnen veröffentlichte. Die heute als Barocktheater bezeichneten Passionsdarstellungen der realistischen Nachbildungen vom Heiligen Grab bauten die Mönche im 18. und 19. Jahrhundert jährlich zur 40-tägigen Fasten- und Bußzeit auf.

In der Ausstellung sind insgesamt 15 biblische Szenen zu sehen, die aus über 80 historischen Figuren auf Holz- und Leinwandtafeln gemalt wurden. Besonders beeindruckend ist die frisch restaurierte Szene mit dem „Judaskuss“ aus dem Bühnenbild „Garten“, welche den schicksalhaften Verrat an Jesus eindrucksvoll darstellt.

Bischof Wolfgang Ipolt machte die Festgäste bei der Eröffnung in seinem Grußwort darauf aufmerksam, die Überschrift über das neue sakrale Museum richtig zu deuten: „Unser deutsches Wort ,Theater‘ kommt aus dem Griechischen in der Bedeutung von ,schauen‘, ,anschauen‘ – es kann aber auch ,bedenken‘, ,erkennen‘ und ,einsehen‘ heißen, womit dann ein tieferes Schauen und eben nicht nur ein oberflächliches Betrachten gemeint ist. Wer etwas nicht nur sieht, sondern einsieht, dem ist ein innerer Wissenszuwachs geschenkt worden, der sich auch in seinem Handeln ausdrücken wird“, sagte Bischof Ipolt und ergänzte: „Dieses Neuzeller Theater, das in dem neu erbauten Museum zu sehen ist, ist kein Spiel, keine bloße ,Vorstellung‘ – so kann man Theater leicht missverstehen – es ist vielmehr eine beeindruckende bildliche Darstellung, die einlädt, das Leiden und Sterben Christi als bedeutungsvoll für das eigene Leben zu erkennen und damit auch tiefer sich selbst zu sehen.“

Das neue Museum (Eintritt 5,– Euro), ist täglich geöffnet. Anfragen unter Katholisches Pfarramt, Stiftsplatz 5, 15898 Neuzelle; Telefon 03 36 52/2 82.

Unter www.neuzelle-katholisch.de sind die Gottesdienstzeiten angegeben.

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