Siegeszug im Kinderzimmer

Studie: 17 Prozent haben ein Smartphone – Jedes zweite Kind surft täglich im Netz. Von Clemens Mann
Foto: dpa | Ohne Handys und Smartphones kommunizieren Kinder heute kaum noch.
Foto: dpa | Ohne Handys und Smartphones kommunizieren Kinder heute kaum noch.

Auf den ersten Blick scheint sich das Medienverhalten der 7,4 Millionen deutschsprachigen Kinder und Jugendlichen im Alter von vier bis 13 Jahren nur wenig verändert zu haben: Nach der am Dienstag veröffentlichen KidsVerbraucherAnalyse 2012, für die im Auftrag des Berliner Egmont-Ehapa-Verlags 1650 Kinder befragt wurden, hat sich das Interesse der Jüngsten an Print- und Digitalmedien kaum verändert. 96 Prozent der befragten Kinder von 6 bis 13 Jahren gaben an, in ihrer Freizeit zu Zeitschriften zu greifen, 91 Prozent lesen auch Bücher. Bei den erstmals 2011 befragten Vorschulkindern zwischen vier und fünf Jahren wuchs lediglich das Interesse an Zeitschriften von 81 Prozent im Jahr 2011 auf 85 Prozent in diesem Jahr. Bei Büchern blieb der Wert konstant bei 87 Prozent. Von einer Stagnation sprechen die Studienmacher gar bei der Nutzung der neuen Medien. 74 Prozent der Kinder im Alter von sechs bis 13 Jahren haben Online-Erfahrung. Im Vergleich zum Vorjahr keine Veränderung. „Nach Jahren stetigen Wachstums werden bei den neuen Medien zunehmend Sättigungstendenzen sichtbar“, heißt es. Der Wert liegt etwas niedriger als bei den 76 Prozent der Gesamtbevölkerung.

Eine Studie also, die kaum Neues zu bieten hat? Falsch! Denn zahlreiche Indizien verdeutlichen, dass der Siegeszug des Internets auch vor dem Kinderzimmer nicht Halt macht und das Netz weiter an Bedeutung gewinnt. So nutzen zwar nicht mehr Jugendliche das Internet. Jene, die aber Interneterfahrung besitzen, surfen häufiger. War 2011 von diesen 74 Prozent noch jedes dritte Kind täglich online, ist es 2012 bereits jedes zweite. Dass das Internet an Bedeutung gewinnt zeigt sich auch daran, dass mittlerweile 17 Prozent der jugendlichen Handybesitzer (immerhin 53 Prozent der sechs Millionen sechs- bis 13-Jährigen) ein Smartphone haben. Ein beachtlicher Wert, wenn man die Tatsache berücksichtigt, dass Smartphones ohne Tarif mehrere hundert Euro teuer sind und weit mehr können als nur als SMS schreiben und Telefonieren mit Mami und Papi. Smartphones sind kleine Minicomputer, auf denen man sogenannte Apps installieren und ins Internet gehen kann. Sie sind Musikabspielgerät, Terminkalender und Fotoapparat in einem. Besitzen die Eltern ein Smartphone, dürfen weitere 43 Prozent gelegentlich das Telefon mitnutzen. „Der Trend zu mobilen Endgeräten wird in den nächsten Jahren weiter zunehmen und damit auch die Internetnutzung. Es gibt schon Fünftklässler, die ein iPhone haben“, erklärt Karin-Thomas-Martin, Telekommunikationsexpertin der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. „Wir haben gar keine Vorstellung davon, wie groß der Druck auf Kinder und Jugendliche ist, ein Smartphone zu besitzen.“ Bereits jetzt deutet sich an, dass Smartphones allmählich Handspielgeräte ohne Internetanschluss (zum Beispiel Game Boy) verdrängen. Die Zahlen im KidsVA sind erstmals rückläufig.

Neben einer Medienanalyse beschäftigte sich die KidsVA auch mit dem Konsumverhalten der Kinder und Jugendlichen. Laut der Studie haben Kinder nie mehr Taschengeld bekommen als bisher. Im Schnitt erhält der Nachwuchs im Alter von sechs bis 13 Jahren 27,18 Euro, was etwa zehn Prozent mehr ist als im Vorjahr. Damals mussten die Kinder noch mit monatlich 24,80 Euro auskommen. Mehr Geld gebe es auch an Festen und Geburtstagen. Erstmals Taschengeld erhalten 59 Prozent der 4 bis 5-Jährigen. Sie erhalten monatlich 14,26 Euro und damit zwei Euro mehr als 2011. „Von der insgesamt positiven wirtschaftlichen Entwicklung profitieren die Familien und somit auch die Kinder. Die Eltern erhöhen ihre Ausgaben für Bekleidung, Handy und Spielsachen. Und es gibt mehr Taschengeld. Hinzu kommen ein gestiegenes Markenbewusstsein bei den Kindern und die generell hohe Bereitschaft der Eltern, Markenwünsche beim Nachwuchs zu erfüllen“, heißt es zur Veröffentlichung der Studie.

Mit Material von dpa.

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