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Selbst der Koch von Akko arbeitet mit Liebenden zusammen

Meinung alleine genügt nicht, um sich sinnvoll mit der Lehre und den Strukturen der Kirche auseinanderzusetzen. Das ist zwar gut gemeint, hilft der Sache aber nicht weiter. Und Amtsträger sollten das Metier nicht nur kennen, sondern auch lieben.
Heiße Berufe: Koch
Foto: Carmen Jaspersen (dpa) | Am Herd geht es heiß her: Wer die Hitze nicht erträgt, sollte sich daher nicht in die Küche begeben, denn dort geht es ans Eingemachte.

In Akko, im Norden Israels, gibt es einen Koch, der die gastronomische Sensation der ganzen Gegend ist. Der weißbärtige Mann, dem man seine Liebe zu den sinnlichen Freuden und guten Dingen des Lebens schon vom Körperumfang her abnimmt, hat eine einfache Erklärung für seinen Erfolg: „Erstens bin ich Amateur, und ich arbeite nur mit Amateuren. Zweitens nehmen wir nur die besten Zutaten. Drittens achten wir darauf, dass wir sie nicht beim Kochen verderben.“ Das mit den Amateuren führt er weiter aus: „Würde ich mit Profis kochen, wüssten die schon wie es geht, und ich würde von ihnen nur das bekommen, was man überall bekommt. Ich arbeite lieber mit Leuten, die leidenschaftlich daran interessiert sind, herauszufinden, was der Geschmack der Dinge ist.“

Im Wort Amateur verbirgt sich das lateinische Wort „amare“ = lieben. Amateure sind also Leute, deren zentraler Antrieb die Liebe ist, was zumindest in Akko zu spektakulären Ergebnissen führt. Ein Amateur ist das genaue Gegenteil eines Dilettanten, der an Topf und Tiegel herum stümpert und die Sache besser den Könnern überlassen würde. Aber selbst der Dilettant hat in der Wortwurzel ein beachtliches lateinisches Verb: „delectare“ = erfreuen. Von soviel Weisheit könnten wir auch in der Kirche profitieren – zumindest dort, wo angerichtet wird, etwa auf dem Synodalen Weg.

„Schaut man sich die handelnden Personen auf dem Synodalen Weg näher an,
bekommt man das kalte Grausen“
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Die dort das Essen zubereiten, das ich essen soll, obwohl ich es nicht bestellt habe, sind eine seltsame Crew, bestehend aus handverlesenen Profis, die genau zu wissen meinen, wie es geht und einem wilden Haufen meinungsstarker Dilettanten, die mitkochen was das Zeug hält, aber theologisch Salz nicht von Pfeffer unterscheiden können. Dazu gesellen sich Herren mit violetten Knopfleisten, Ex-Köche, die sich notgedrungen als Kellner verdingt haben, und denen selbst nicht ganz geheuer ist, was sie da auftischen sollen. Von Blaise Pascal stammt das Diktum: „Menschen und menschliche Dinge muss man kennen, um sie zu lieben; Gott und göttliche Dinge muss man lieben, um sie zu kennen.“

Schaut man sich die handelnden Personen auf dem Synodalen Weg näher an, bekommt man das kalte Grausen. „Lumen gentium“, das große Kirchendokument des Zweiten Vatikanischen Konzils, beginnt mit einem Kapitel „De ecclesiae mysterio“, also mit der Ehrfurcht vor dem Geheimnis der göttlichen Zutaten der Kirche. „Als katholische, allumfassende Kirche will sie, dass ihre Glieder sich für alle Mitmenschen öffnen, und doch ist sie nur dann ganz sie selbst, wenn sie sich im Geheimnis ihres inneren Lebens und im Schweigen der Anbetung sammelt.“ (Henri de Lubac)

Ohne Ehrfurcht vor Schrift und Tradition

Auf dem Synodalen Weg aber kochen geheimnisferne theologische Designer, die wissen, wie es geht und wie man macht und wo man dreht, damit ungefähr die Kirche auf den Teller kommt, die passt. Wo sich Theologen ohne Ehrfurcht vor Schrift und Tradition mit Dilettanten verbünden, die leider keine Amateure sind – die nämlich würden in Liebe zu Christus und dem Geheimnis seiner Kirche brennen – kann nur etwas Ungenießbares herauskommen. Die Kellner sind enttäuscht, aber ich esse erst mal nur Brot.

 

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