Ohne Wenn und Aber

Internetgruppen stellen sich hinter Papst Benedikt XVI.

Irritierte Fragen, Vorwürfe, Schmähungen: Die katholische Kirche als Institution sieht sich immer massiverer Kritik ausgesetzt, je mehr Missbrauchsfälle bekannt werden. Die Mehrheit der Katholiken bleibt ihrer Kirche dennoch treu: Für vier Fünftel der Kirchenmitglieder komme ein Kirchenaustritt nicht in Frage, ergab eine repräsentative Umfrage, die am Dienstag veröffentlicht wurde.

Während „Wir sind Kirche“, die Initiative „Kirche von unten“ und andere Reformgruppen den Skandal zum Anlass nehmen, offensiv strukturelle Veränderungen in der katholischen Kirche zu fordern, formieren sich konservative Gruppen, die sich gerade jetzt bedingungslos zur Kirche und zum Papst bekennen. Viele von ihnen sehen die Kirche einer Medienkampagne ausgesetzt.

„Aufruf der einfachen treuen Katholiken“

„Unterstützung für Benedikt XVI.“ fordern französische Gruppen aus dem gesamten konservativ-katholischen Spektrum auf der mehrsprachigen Internetseite www.soutienabenoitxvi.com. Sie haben nach eigenen Angaben mittlerweile mehr als 11 000 Unterstützerunterschriften für ihren „Aufruf der einfachen treuen Katholiken“ gesammelt. In einem offenen Brief an Benedikt XVI. erklären sie diesem ihre uneingeschränkte Solidarität. Der Aufruf verurteilt eine „Medienkampagne“ gegen die Kirche. Ziel sei, „der Botschaft des Evangeliums und der Tradition der Kirche die Schuld zu geben, um ein Druckmittel gegen den priesterlichen Zölibat zu haben“.

Doch nicht nur im französischsprachigen, auch im deutschsprachigen Raum sammeln sich Gruppen. „Ja! zur Kirche“ nennt sich eine Initiative, hinter der ein breites Bündnis konservativ-katholischer Medien und katholischer Gruppen steht; etwa „Generation Benedikt“, „Kirche in Not“, das „Forum Deutscher Katholiken“ und die unlängst wegen ihres Gründers in die Schlagzeilen geratene Ordensgemeinschaft der „Legionäre Christi“. Auch „Ja! zur Kirche“ sammelt Unterstützer – online oder auf Papier können Unterschriften eingereicht werden.

Uneingeschränktes Bekenntnis zur katholischen Kirche

Der Bekenntnistext ist differenzierter als bei der französischen Ausgabe. In einem offenen Schreiben an den Papst wehren sich die Unterzeichner gegen „Pauschalangriffe“ im „Zusammenhang mit der berechtigten und wichtigen Aufklärung rund um den sexuellen Kindesmissbrauch, der von Mitgliedern der Kirche verursacht wurde“ und erklären Benedikt XVI. ihre Solidarität. „Wir bekennen uns uneingeschränkt zur einen, heiligen, katholischen und apostolischen Kirche und möchten mit unserer Unterschrift bezeugen, dass wir die Kirche trotz aller menschlichen Schwächen uneingeschränkt lieben und wir die kirchliche Lehre als große Bereicherung für unser Leben sehen“, heißt es in dem Schreiben.

Unterstützung vor allem bei jungen Internetnutzern gewinnt die Bewegung über das Online-Netzwerk „Facebook“. Dort kann man Mitglied einer eigenen Internetgruppe der Initiative „Ja! zur Kirche“ werden. „JA zu BENEDIKT! Wir stehen zu Papst und Kirche, ohne Wenn und Aber!“ notierten die Gründer in der Gruppenbeschreibung. Binnen zwei Wochen haben sich fast 2 500 Mitglieder angeschlossen.

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