Medienmenschen: Klaus Nientiedt

Den Gepflogenheiten der Medien anpassen. Von Josef Bordat
Klaus Nientiedt
Foto: Konradsblatt | Klaus Nientiedt ist Chefredakteur des Konradsblatts (Erzbistum Freiburg).

Herr Nientiedt, worin besteht heute die größte Herausforderung für den Journalismus?

Das publizistische Angebot wird unübersichtlicher, gegensätzlicher, schriller, verrohter. Das Feld der Hersteller von Kommunikation wird vielfältiger. Die Übergänge zwischen berufsmäßigen Kommunikatoren und Amateuren auf diesem Gebiet werden fließender. In dieser Situation braucht es ein verbessertes Gespür für publizistische respektive journalistische Kompetenz und Qualität. Gelingt dies nicht, hätte dies verheerende Folgen für die Demokratie.

Wie lässt sich dem Trend in den Sozialen Medien zur Verrohung der Sprache und des Umgangs miteinander wirksam begegnen?

Die Anonymität in den sogenannten neuen sozialen Medien begünstigt Formen verantwortungsloser Kommunikation. Ihr müsste stärker versucht werden entgegenzuwirken.

Woher rührt das gespannte Verhältnis zwischen Medien und Glaube, Religion, Kirche und wie lässt es sich verbessern?

Historisch rührt dies daher, dass Kirche und Religion auf der Seite medienfeindlicher Kräfte, der Gegner der Aufklärung standen. Das Verhältnis zwischen Medien und Kirche ist heute jedoch weit weniger gespannt, als vielfach angenommen wird. In den Medien spiegeln sich – bei allen Qualitätsunterschieden im Einzelnen – Meinungen und Positionen, wie sie in Kirche und Gesellschaft anzutreffen sind. Kirche und Religion müssen sich in einer freiheitlichen Gesellschaft den Gepflogenheiten der Medien anpassen – wie andere Institutionen, Gruppen und Strömungen auch. Kirche und Religion finden hierzulande unter den Bedingungen radikaler Religionsfreiheit statt, die die Kirchen bejahen. Auch über 50 Jahre nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil stehen wir im Umgang mit dieser Religionsfreiheit aber immer noch am Anfang.

Worüber berichten die Medien in Deutschland Ihrer Meinung nach zu wenig?

Erstens: Skandale, Ereignisse und spektakuläre Vorgänge werden dargestellt und aufgespießt – aber wie steht es um die Betroffenen, die Opfer, die Geschädigten, wenn die Scheinwerfer der Massenmedien erloschen sind? Zweitens: Ausdruck der gesellschaftlichen Verhältnisse in allen Teilen der Welt sind gerade auch die Bedingungen, unter denen Minderheiten – kulturelle, religiöse, ethnische – leben. Drittens: Trotz einiger guter Beispiele könnte mehr getan werden in der Berichterstattung über Menschen, die – aus welchen Gründen auch immer – am Rande der Gesellschaft stehen: wegen Armut, Migration, Alter, Krankheit, Behinderung und vielem anderen mehr.

Letzte Frage: Welche Rolle spielt Ihr Glaube für Ihre journalistische Arbeit?

Ich verstehe mich nicht als christlicher Journalist, sondern als Journalist, der Christ ist.

 
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