Kurz vorgestellt

Von Alexander Riebel

Das Naturrecht ist brandaktuell. Das zeigen die Diskussionen über den Lebensschutz genauso wie Debatten über Demokratie. Ohne Ordnung durch Teilhabe am Sein und am Guten versinkt die Welt in Unwahrheiten und Absurditäten. Das in größter Klarheit deutlich gemacht zu haben, ist das Werk von Christian Machek, der in Heiligenkreuz und Jerusalem studiert hat. Sein Buch „Die Rückkehr zu den Ursprüngen der politischen Philosophie“ im Verlag Ferdinand Schöningh erfüllt alle Wünsche zum Thema Naturrecht: Die klassische Lehre aus Antike und Mittelalter ist immer präsent, im Kern steht die Soziallehre der katholischen Kirche mit ausführlichen Zitaten aus den Enzykliken der Päpste, und sehr wichtig sind dem Autor die politische Philosophie von Leo Strauss und die Geschichtsphilosophie von Eric Voegelin. Die beiden Denker bieten Machek eine willkommene Folie für eine Modernitätskritik, die sich gegen eine bestimmte Ausrichtung des Liberalismus wendet, dem es nur um das angenehme statt dem guten Leben geht. Der Wohlstandshedonismus verdränge die existenziellen Fragen nach dem politischen Leben und dem Gemeinwohl.

Aber warum ist überhaupt die Rückkehr zur politischen Philosophie notwendig? Worum es hier wirklich geht, formuliert der Paderborner Theologe Professor Peter Schallenberg schon im Vorwort, in dem er auf die Gefahr einer Verwechslung von irdischem und transzendentem Paradies aufmerksam macht, wobei beides in der politischen Philosophie wichtig ist: „Die Tätigkeit der Vernunft und der Glaube an eine letzte, nicht herstellbare Vollendung der menschlichen Tätigkeit. Sonst bleibt nur das Absurde.“

Anders als die Wissenschaften, die sich nach Machek mehrheitlich mit dem Empirischen befassen, hatte die klassische Politische Philosophie eine ganz andere Fragestellung, nämlich die nach dem Ganzen „jenseits der faktischen Wirklichkeit“. Der Autor sagt es ganz unumwunden, dass hierbei auch die Metaphysik und Theologie im Zentrum stehen, „um das (ontologische) Sein und ein daraus abgeleitetes ,Sollen‘“ verständlich zu machen. Dass das Sollen aus dem Sein abgeleitet wird, ist hier ebenso selbstverständlich wie dass es sich beim Sein nicht wie in den modernen Wissenschaften um ein faktisches Sein handelt, sondern um ontologisches. Die Metaphysik, ohne die es kein Naturrecht gebe, erkennt eine „reale metaphysische Seinsordnung, die Quelle von Rechtsprinzipien ist“. Machek lässt sich auf keine erkenntnistheoretischen Spielereien ein, sondern nennt die Verhältnisse beim Namen. Er argumentiert darum auch nicht neutral, sondern engagiert über das „ins Herz geschriebene Gesetz“, wie Henri Bergson das Naturgesetz umschrieb.

Besonders wertvoll sind die Ausführungen über die katholische Kirche, dem „bedeutendsten Repräsentanten des Naturrechts“. Papst Benedikt XVI. hat in der Enzyklika „Deus caritas est“ bestätigt, dass das Naturrecht eine Quelle der katholischen Soziallehre neben und unabhängig von der Offenbarung ist: „Die Soziallehre argumentiert von der Vernunft und vom Naturrecht her, das heißt, von dem, was allen Menschen wesensmäßig ist.“ Und gegen die einseitig rationale Auffassung der Vernunft zitiert Machek den Papst aus derselben Enzyklika: „Der Glaube ermöglicht der Vernunft ihr eigenes Werk besser zu tun und das ihr Eigene besser zu sehen.“ Bezogen auf die Welt, oder besser „Entweltlichung“, sollte das Naturrecht geradezu als überlebensnotwendig für die Demokratie angesehen werden. Darauf hatte schon Papst Leo XIII. in „Immortale Dei“ (1885) hingewiesen, denn eine gesunde Demokratie könne nur durch die Pfeiler des Naturrechts und der Offenbarung vor Verderbnis geschützt werden. – Das großartige und profunde Buch Macheks sollte ein Standardwerk unserer Zeit werden.

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