Würzburg

Internatonale Zeitschriftenschau am 28. Februar

Gesetzentwurf in Kalifornien gegen das Beichtsiegel.
Internatonale zeitschriftenschau

Gesetzentwurf in Kalifornien gegen das Beichtsiegel

„Ein kalifornisches Gesetz soll die Freistellung von der Meldepflicht für Priester im Beichtstuhl aufheben“, titelt der Catholic Herald. Einem von einem kalifornischen Senator eingebrachten Gesetzentwurf zufolge sollen Priester gezwungen werden, bei Verdacht auf Kindesmissbrauch oder -vernachlässigung das sakramentale Beichtsiegel zu brechen. Senator Jerry Hill erklärte: „Personen, die Kindern schaden, müssen gemeldet werden, damit es zu einer zeitnahen Ermittlung durch die Strafverfolgungsbehörden kommen kann.“ Bereits heute gibt es mehr als 40 Berufsgruppen, die dem kalifornischen Gesetz nach verpflichtet sind, bei Verdacht auf Missbrauch oder Vernachlässigung von Kindern die Behörden zu informieren. Eine Ausnahme besteht bei der „Beichtkommunikation“ zwischen dem Pönitenten und dem Priester, wenn die Forderung nach Vertraulichkeit in der kirchlichen Lehre verankert ist. Im Katechismus der katholischen Kirche heißt es: „Daher erklärt die Kirche, dass jeder Priester, der Beichte hört, unter strengsten Strafen verpflichtet ist, über die Sünden, die seine Pönitenten ihm gebeichtet haben, absolutes Stillschweigen zu wahren.“ Trotz der zentralen Stellung des Beichtsiegels bestand Hill darauf, dass es bei der Meldepflicht keine Ausnahmen geben dürfe. Ein Sprecher der California Catholic Conference teilte mit, dass die Gesetzesvorlage „eindeutig auf unentbehrliche religiöse Freiheiten abzielt“. Er sagte: „Die Regierung in den Beichtstuhl eindringen zu lassen, hat nichts mit dem Schutz von Kindern zu tun, hat aber alles mit der Aushöhlung der Grundrechte und -freiheiten zu tun, die wir als Amerikaner genießen.“

Broschüre zu „Islam und Christentum“

Im Magazin Homme Nouveau begründet die syrischstämmige französische Islamologin, warum sie eine Broschüre mit dem Titel „L'islam et le christianisme“ herausgibt. Sie sagt: „Es ist nötig, viele, mitunter unbeabsichtigte, aber oft doch absichtliche Irrtümer zu korrigieren, die über das Thema Islam verbreitet werden. Die Muslime glauben aufrichtig, dass ihre Religion das Christentum mitumfasst und es übersteigt, indem sie dieses verbessert. Christen folgen in ihrer Sorge um Frieden diesem Weg bereitwillig. Darin werden sie von einer antireligiösen Strömung bestärkt, die meint, sich den Islam zunutze machen zu können, um das Christentum zu stürzen, ohne sich bewusst zu machen, dass man mit dem Feuer spielt.“ Das Dossier untersucht nicht nur praktische Aspekte (wie etwa das Verhältnis zwischen Mann und Frau et cetera), sondern verfolgt auch die spirituellen Fundamente (den Bezug zur Bibel, die Wahrnehmung des Christentums durch den Islam et cetera). Die Islamophilie sei ein bereits seit langem anzutreffendes Phänomen bei den französischen Intellektuellen, „die im Islam eine Art Naturreligion zu erkennen meinen, die reiner als das Christentum“ sei. Dieselbe Zeitschrift druckt ein Dankesschreiben an Kardinal Müller ab, das von mehreren Generaloberen französischer Gemeinschaften unterzeichnet wurde. Darin heißt es unter anderem: „Angesichts der Verwirrung, die sich bei der Glaubensunterweisung verbreitet, haben Sie soeben ein Glaubensmanifest veröffentlicht. Dieser umfassende und förderliche Text erinnert an die großen Wahrheiten des katholischen Glaubens. Wir möchten darauf antworten, indem wir Seiner Eminenz öffentlich unsere Unterstützung seines für alle Gläubigen so erhellenden und so tröstlichen Vorgehens bekunden.“

Victor Orbán unterstützt Familien

Max-Erwann Gastineau widmet sich im Figaro der Frage: „Warum verfolgt Viktor Orbán eine entschiedene Bevölkerungspolitik?“ Der ungarische Staatschef habe eine Reihe von Unterstützungsmaßnahmen für Familien vorgestellt. Für den Autor „offenbart diese Politik den Willen Orbáns, sein Schicksal in die Hand zu nehmen, während Frankreich sich dem Fatalismus überlässt“. Die Maßnahmen umfassen eine lebenslange Steuerbefreiung auf das Einkommen von Müttern, die mindestens vier Kinder haben, eine bedeutende finanzielle Unterstützung (von zehn Millionen Forint, das sind 32 230 Euro), um Ehepaaren zu helfen, die sich verpflichten, in den zehn folgenden Jahren drei Kinder zu bekommen, um eine neue Unterkunft zu erwerben, die Schaffung von 21 000 zusätzlichen Krippenplätzen innerhalb der nächsten drei Jahre, die Einführung einer Großelternzeit et cetera. Von der Opposition wurden diese Vorhaben als „rückständig“ bezeichnet, und auch im Ausland wurden sie diffamiert. Für die schwedische Ministerin für Gesundheit und Soziales von der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Schwedens, Annika Strandhäll, richten sie sich „gegen die Unabhängigkeit von Frauen“. Das sei eine „merkwürdige Vorstellung von Unabhängigkeit“, findet Gastineau, wenn man die Autonomie von Frauen der Mutterschaft entgegensetzt, „als wenn die Entfaltung des einen nicht gerade darin bestünde, auf die konkreten Probleme zu reagieren“, die durch das Muttersein entstehen.

Kinderbetreuung für alle und die niedrige Geburtenrate in den USA

Die demokratische Abgeordnete Elizabeth Warren, die in der Vorwahl zur Präsidentschaftswahl 2020 gegen Trump antritt, gerät mit ihrem Vorschlag einer „hochwertigen Kinderbetreuung für alle“ in die Kritik. Der National Review kommentiert: „Es wäre ein Irrtum zu meinen, dass ihr Plan die Optionen für Eltern erweitern würde. Was die Senatorin vorschlägt, würde stattdessen einen ungünstigen Einfluss darauf haben, Eltern zu ermutigen, sich für diejenige Kinderbetreuungsregelung – eine tägliche außerfamiliäre Betreuung ihrer Kinder – zu entscheiden, die sie derzeit am wenigsten bevorzugen.“ Eltern, die sich anders entscheiden, würden bestraft. Zu ihnen gehören Familien, bei denen die Mütter zuhause bleiben, Familien, die Kindermädchen engagieren, sowie Familien, die für die Kinderbetreuung Verwandte einbeziehen: „Die Wahlkampfaktion ,Warren for President‘ entwickelt sich zu einem kostspieligen Weg für Amerikaner, etwas zu erhalten, was sie nicht wollen.“ Dasselbe Magazin meldet, dass die amerikanische Geburtenrate innerhalb von 30 Jahren ihren Tiefststand erreicht habe: „Während beliebte Erklärungen für diesen Trend häufig behaupten, dass die Amerikaner weniger Kinder als in der Vergangenheit haben wollen, belegen Umfragen unter Frauen seit fünf Jahrzehnten, dass sie mehr Kinder wollen, als sie tatsächlich haben.“ Der Ökonom Lyman Stone weist in einer aktuellen Publikation für das American Enterprise Institute auf das hin, was wirklich hinter dem demographischen Kollaps steht: „Die Amerikaner verbringen einen immer geringer werdenden Anteil ihrer fruchtbaren Jahre in einer Ehe. Kinder und Ehe sind zwar nicht mehr so eng miteinander verknüpft wie gewohnt, doch diese Verbindung besteht noch immer. Eine Gesellschaft, die dies ignoriert, untergräbt ihre Zukunft.“

DT/KS

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