Würzburg

Internationale Zeitschriftenschau am 28. März

Ermittlungen wegen "Misgenderns"
The Spectator - Ausgabe 23.März 2019

Ermittlungen wegen „Misgenderns“

Wie James Kirkup im Spectator berichtet, ermittelt die britische Polizei gegen eine Journalistin. Sie habe im vergangenen Herbst in Tweets das erwachsene Kind von Susie Green mit dem falschen Geschlecht bezeichnet. Im Englischen heißt das „misgendern“. Jackie Green wurde als Junge geboren, bezeichnet sich nun aber als Frau. Die Journalistin Caroline Farrow nimmt bei ihren Kommentaren eine katholische Position ein, wenn sie sich über Erziehung, Familienpolitik, Euthanasie und Gender äußert. Zu dem Vorfall sagte sie: „Ich wurde wegen des ,Misgenderns‘ von Susie Greens Tochter offiziell polizeilich vernommen. Das ist schon ziemlich orwellianisch und ganz schön beängstigend.“ Sie könne sich noch nicht mal mehr an das erinnern, was sie schrieb, denn ihre Tweets werden nach zwei Wochen automatisch gelöscht. Falls sie deswegen verurteilt würde, könne sie mit einem Bußgeld belegt oder sogar mit bis zu sechs Monaten Haft bestraft werden. Jackie Green wurde einst von der BBC als „jüngster Transsexueller“ bezeichnet. Nach einer Hormonbehandlung in den USA ließ er sich als Sechzehnjähriger in Thailand die männlichen Genitalien entfernen.

Schulpflicht ab drei Jahren

Ist es wirklich erforderlich, dass Kinder schon mit drei Jahren in die Schule gehen müssen?, fragt Marie-Amélie Assié in Famille Chrétienne. 1882 wurde die Schulpflicht in Frankreich ab sechs Jahren eingeführt. Ab dem kommenden Schuljahr wird das Schulalter auf drei herabgesetzt. Damit werde Frankreich zum ersten europäischen Land mit einem derart frühen Schuleintrittsalter: „Unsere Kinder sind aber noch nicht besonders groß: Sie können kaum sprechen oder ihre Schuhe anziehen“ Und trotzdem sollen sie schon die Schulbank drücken. Bildungsminister Michel Blanquer zufolge sei dies jedoch nicht wirklich revolutionär, denn es betreffe nur 25 000 Schüler, da bereits 97 Prozent der Dreijährigen in die Schule gehen. Doch, so fragt Assié, warum muss man die Schulpflicht auf diese übrigen drei Prozent ausweiten? Das führe uns zu der Frage, „ob die Eltern nicht verdächtigt werden, ihre Funktion schlecht zu erfüllen, damit die Schule die Zügel wieder übernehmen könnte. Manche Familien wie auch manche Kinderpsychiater sehen das nicht gern und meinen, dass dieses Gesetz ein Angriff auf die Freiheit der Eltern sei.“

Die Umkehrung der Zeichen

Der Staatssekretär im Sozial- und Gesundheitsministerium Adrien Taquet hat mit Brigitte Macron eine „Große Debatte“ mit Kindern in der Pariser „Cité des enfants“ geführt, analog dem Vorbild des Präsidenten, der zurzeit einen „Grand débat national“ mit verschiedenen Bevölkerungsgruppen führt. Wie der Lehrer und Kritiker des französischen Schulsystems, Jean-Paul Brighelli, im Figaro schreibt, ging es dabei um folgende Themen: „Solidarisch sein“, „Gegen Gewalt kämpfen“ und „Den Planeten bewahren“. Brighelli kritisiert, „dass man Knirpsen das Wort erteilt, da sie nichts besonders Interessantes zu sagen haben“. Er hatte „die Demonstrationen von Jugendlichen verfolgt, die lauthals ihr Kohlendioxid ausstießen, um den Planeten zu retten. Das war herzergreifend – all diese in die Höhe gereckten Handys, um diese große Solidaritätsbewegung zu filmen. Ja, herzergreifend, wenn man bedenkt, wie unsere Revolutionäre noch am selben Abend die besagten Handys dank der Kernenergie aufgeladen haben, die sie im Laufe des Tages niedergeschrien hatten.“ Angefangen habe alles 1989 mit dem Schulgesetz von Lionel Jospin: „Seit diesem Datum meinen die Schüler, dass ihre Ansicht genauso begründet sei wie die des Lehrers: ,Das ist Ihre Meinung, aber nicht meine‘.“ Seien wir offen, erklärt Brighelli. Unsere Kultur beruhe auf griechisch-lateinischen, aber auch auf christlichen Wurzeln. Das Wort „enfant“ (Kind), stamme vom lateinischen „infans“ ab, was denjenigen bezeichne, „der nicht spricht“. Aber was meinte Christus mit „Lasset die Kinder zu mir kommen?“ Brighelli schreibt: „Dass das Kind – weil es noch nicht über ein ausgeklügeltes Denken verfügt – empfänglicher als der Erwachsene ist, die göttliche Botschaft zu empfangen.“ Genau das sei ein Kind – ein pauper spiritu (arm im Geiste): Es habe noch kein komplexes Denken, um die in den Medien oder auf dem Schulhof gehörten Vorurteile richtig einzuordnen. Das Schulgesetz von Jospin habe das „Geschwafel“ in den „Rang der Reflexion“ erhoben, ganz wie bei Orwells „Big Brother“: „Unwissenheit ist Stärke“: „Wir leben in einer Welt der Umkehrung der Zeichen, in der man uns demnächst glauben lässt, dass die Sklaverei Freiheit sei.“

Euthanasie in Belgien

Eine „bestürzende Nachricht“: Die belgische Tageszeitung Le Soir berichtet über die Ergebnisse mehrerer Studien, die unter anderem am Centre fédéral d?expertise des soins de santé durchgeführt wurden. Demnach befürworteten 40 Prozent der Belgier, „zur Balancierung der Sozialsysteme keine teuren Behandlungen mehr zu verabreichen, die das Leben der über 85-Jährigen verlängern“. In den Niederlanden würden bei über 75-jährigen Patienten schon keine Herzschrittmacher eingesetzt, „weil die Lebenserwartung des Geräts bei weitem die des Patienten überschreitet“. Rod Dreher kommentiert die Studienergebnisse in „The American Conservative“: „Lasst die alten Menschen sterben. Sie sind eine Last für das System. Zumindest ist das die Ansicht einer erstaunlichen Anzahl von Belgiern heute. Glauben Sie wirklich, es werde noch lange dauern, sie davon zu überzeugen, dass es besser sei, ältere Menschen zu euthanisieren, als sie einfach sterben zu lassen? In Belgien euthanisiert man bereits Kinder, und eine Demenzpatientin, die nicht um Sterbehilfe geben hatte, wurde auf Bitte ihrer Familie von Ärzten getötet. Ich kann Ihnen nur raten: Werden Sie in Belgien nicht alt.“

In dämonischer Bedrängnis

„Befreiung von Abhängigkeit und bösen Geistern“ heißt das neue Buch von Pat Collins. Francis Phillips gibt im Catholic Herald einen Einblick in die Neuerscheinung des irischen Priesters. Collins beschreibt darin, wie die „Abnahme des Glaubens an Gott im Westen zu einer Abnahme des Glaubens an den Teufel geführt hat“. Bei seinem priesterlichen Dienst unterstütze er Menschen, die um Befreiung von dämonischer Bedrängnis ersuchen. Collins' Buch sei eine „verständlich abgefasste Schilderung der verborgenen Aktivität böser Geister, die im Allgemeinen viel subtiler vorgehen, als Filme wie ,Der Exorzist‘ mit ihrer makabren Effekthascherei es vermuten ließen.“ Der Autor zitiert zur Unterstützung seiner Argumente Autoren, etwa Heilige wie Therese von Lisieux, und nicht zuletzt auch Erzbischof Fulton J. Sheen, der trocken bemerkte: „Satan hat nur wenig Schwierigkeiten mit denen, die nicht an ihn glauben – sie sind bereits auf seiner Seite.“

DT/KS

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