Würzburg

Internationale Zeitschriftenschau am 23. Mai

Das Versagen des Sozialismus
Internationale Zeitschriftenschau

Das Versagen des Sozialismus

„Der Sozialismus ist zurück“, stellt der National Review fest: So gewann ein Sozialist 2016 fast die Vorwahl der Demokraten für die Präsidentschaftswahl, und Alexandra Ocasio-Cortez, ebenfalls Sozialistin, wird als einflussreichste Politikerin ihrer Partei gehandelt. Nachdem das Magazin in seiner letzten Ausgabe die positiven Seiten freier Märkte herausgestellt hat, widmet es sich nun unter dem Titelthema „Gegen den Sozialismus“ den negativen Aspekten sozialistischer Theorie und Praxis. Charles Cooke meint, „der Sozialismus ist nicht demokratisch“, noch sei er mit der Verfassung vereinbar, Joshua Muravchik erinnert an die Abermillionen Toten, die die Ideologie zu verantworten hat, Kevin Williamson beschreibt unter der Überschrift „Die Unkenntnis, die tötet“, wie unkundige „zentrale Planer“ eine Gesellschaft zugrunde richten – laut Friedrich von Hayek (das „Wissensproblem“) könne eine Zentralverwaltungswirtschaft niemals über alle Informationen verfügen, die für eine vernünftige Planung nötig wären. Jeffrey Tucker erläutert, wie es durch den Sozialismus zwangsläufig stets zu einer Mangelversorgung der Bevölkerung kommt. Die Unfähigkeit des sozialistischen Staates, seine Bürger mit Lebensnotwendigem zu versorgen, sei ein „durchgängiges Merkmal einer sozialistischen ,Ökonomie‘“. Im China Maos „gab es kein Fleisch und kein Fett, mit dem man irgendetwas braten konnte. Im bolschewistischen Russland gab es nie genügend Autos, Wohnungen und auch nie ausreichend Brot. Jedem lateinamerikanischen sozialistischen Experiment erging es ebenso.“ In Venezuela „gibt es kein Fleisch, keine Medikamente, kein Mehl zur Herstellung von Hostien, keinen verlässlichen Strom, und die Bevölkerung muss sich auf Tauschhandel beschränken. Das gleiche gilt für Nordkorea, wo Toilettenpapier knapp ist.“ Shawn Regan begründet in seinem Beitrag, weshalb „freie Märkte besser für die Umwelt sind“, denn die sozialistischen Wirtschaftssysteme Osteuropas und der ehemaligen Sowjetunion seien nicht nur „ökonomische Misserfolge, sondern auch Umweltkatastrophen gewesen“. So war die Feinstaubbelastung Ende der achtziger Jahre „pro BIP-Einheit in Mittel- und Osteuropa 13-mal höher als in Westeuropa. Gasförmige Luftverunreinigungen waren doppelt so hoch. Die Abwasserbelastung war dreimal so hoch.“ Darunter litt die Volksgesundheit: „In Ostdeutschland litten 60 Prozent der Bevölkerung unter Atemwegserkrankungen. In Leningrad hatte fast die Hälfte aller Kinder Darmerkrankungen aufgrund von verschmutztem Wasser. Im Blut von Kindern in Polen wurde fünfmal soviel Blei festgestellt als bei Kindern in Westeuropa“. Regan folgert: „Es ist wichtig, an das traurige ökologische Erbe des Sozialismus zu erinnern. Wenn es darum geht, den Wohlstand und die Kreativität zu erzielen, die für die Bewahrung einer sauberen Umwelt nötig sind, ist der Kapitalismus noch immer das beste System, das wir haben.“

„Los von Rom?“

La Nef erkennt in dem von deutschen Bischöfen verfolgten „synodalen Weg“ Anzeichen für eine „Los-von-Rom-Bewegung“. Jean Bernard konstatiert: „Mit dem soeben eingeschlagenen ,synodalen Weg‘ ist die Absicht der Kirche Deutschlands, sich vom Lehramt der Weltkirche zu trennen, nun offenkundig geworden.“ Die von Kardinal Marx auf der letzten Bischofskonferenz in Lingen verkündete Entscheidung für einen „synodalen Weg“ erscheine „vielen anwesenden Beobachtern wie die erste Etappe eines Sonderweges innerhalb der Weltkirche“. Die Kirche in Deutschland weise drei Merkmale auf: Aufgrund des deutschen Kirchensteuersystems handle es sich um eine scheinbar mächtige Kirche, die unter anderem viele soziale Institutionen betreiben könne. „In Wirklichkeit handelt es sich aber um eine weitgehend tote Kirche. Die Anzahl der Priester ist von etwa 26 000 im Jahr 1970 auf 13 000 heute gesunken, während die Priesterweihen von etwa 300 auf 60 jährlich zurückgegangen sind. Die religiöse Praxis ist zusammengebrochen. Schließlich handelt es sich um eine mehrheitlich progressive Kirche“, die in der Vergangenheit durch regelmäßige Eklats auffiel, etwa bei der Frage der Austeilung von „Beratungsscheinen“ durch kirchliche Beratungsstellen. Drei brisante Themen nun bestimmten den Kurs der Kirche in Deutschland. Kardinal Marx erklärte noch vor der Familiensynode 2015 zur Zulassung von wiederverheirateten Geschiedenen zu den Sakramenten: „Wir sind keine Filiale von Rom“, die nicht warten könne, „bis eine Synode sagt, wie wir hier Ehe- und Familienpastoral zu gestalten haben“. Weitere Spannungsthemen seien der Zugang von protestantischen Ehepartnern zur Eucharistie sowie die Haltung der Kirche zu Homosexualität. So sei es „Absicht der Mehrheitsfraktion der Bischofskonferenz, große Teile des Lehramts der katholischen Kirche in Frage zu stellen, zumal diese Konferenz beschlossen hat, bei den von ihr angekündigten Foren – bei denen es infolge der Missbrauchskrise um die Macht in der Kirche, die Sexualmoral und die Lebensform der Priester gehen soll – das Zentralkomitee der deutschen Katholiken mit einzubeziehen, das für seinen radikalen Progressismus bekannt ist.“ Bezüglich der Sexualmoral etwa ziele der „synodale Weg“ auf einen „scharfen Bruch mit der von Johannes Paul II. gelehrten ,Theologie des Leibes‘ ab. Dazu genügt es, auf die Aussagen von Kardinal Marx in Lingen zu verweisen, denen zufolge die Kirche entscheidende Erkenntnisse aus der Theologie und den Humanwissenschaften noch nicht aufgenommen und die ,personale Bedeutung‘ der Sexualität bislang keine hinreichende Beachtung gefunden habe.“ Bernard folgert: „Wie auch immer, so sollte in den kommenden Monaten die deutsche Kirche mit der höchsten Aufmerksamkeit beobachtet werden, denn in diesem Land, von dem die Reformation ausging, geht es vielleicht um die Zukunft der Weltkirche.“

Neofeminismus als „Kommunismus des 21. Jahrhunderts“

Valeurs actuelles befasst sich unter dem Leitthema „Der neue feministische Terror“ mit der feministischen Gesinnung von Journalistinnen weltweit. Die katholische Essayistin Eugénie Bastié bezeichnet den Neofeminismus in einem Interview als „Kommunismus des 21. Jahrhunderts“, der sich zu einer Art „kultureller Hegemonie“ entwickelt hat. Die Einmütigkeit in den Medien in Bezug auf Frauenthemen habe sich in eine „pawlowsche Ideologie verwandelt“. Wir seien nunmehr in eine neue Phase eingetreten, in den Gender-Feminismus: „Dieser Neofeminismus ist schizophren und paradox – er strebt nach einer totalen Gleichheit, auch auf die Gefahr hin, die Geschlechtsunterschiede zu leugnen, zugleich ist er aber identitär und kommunitaristisch“, das heißt, er bezieht sich nur auf die Gruppe der Frauen.

DT/KS

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