Würzburg

Internationale Zeitschriften vom 12. Dezember

Revolutionärer Pastoraljargon
Aus den Zeitschriften

Revolutionärer Pastoraljargon

Die französische Revolution stützte sich bei der Verbreitung ihrer Ideologie gezielt auf korrupte Kleriker. Pierre-Marie Lalande skizziert in seinem Beitrag die Rolle des schismatischen Klerus. Bis zum Sommer 1793 sollten Priester, die den Eid auf die neue Verfassung geschworen hatten und somit exkommuniziert waren, insbesondere die Landbevölkerung für die Ideen der Revolutionäre gewinnen. Widerstand wurde bestraft. Manche Priester und Bischöfe stellten sich als Staatsbeamte in den Dienst der Revolution. Ziel war die schrittweise Assimilation der traditionell katholischen Landbevölkerung: erst durch die Sprache, dann im Denken und in der Lebensweise – ein Umerziehungsprogramm des totalitären Progressismus. Lalande belegt das mit Zitaten aus Ansprachen der „roten Priester“ und Bischöfe. Am häufigsten appellierten sie an die Nächstenliebe und das Gebot der Barmherzigkeit und nahmen zugleich eine Umdeutung der Begriffe vor. Die Caritas wurde im revolutionären Pastoraljargon inhaltlich entkernt und neu besetzt: Fortan sollte die Liebe der Geschöpfe nicht mehr dem allmächtigen Gott gelten. Die neue Caritas zielte auf die Anpassung an die Beschlüsse der Nationalversammlung ab. Als „Pflicht“ der Nächstenliebe betrachtete der „rote Klerus“ darum den Rücktritt der Bischöfe, die den Eid auf die Verfassung nicht geleistet hatten. Ebenso wurde die Treue zur Kirche von Geistlichen als Verstoß gegen die Barmherzigkeit angeprangert: Um des Friedens willen sollten diese ihre Pfarrstellen für den roten Klerus räumen. Die Verfassung der Revolutionäre wurde vom Pariser Bischof Jean Baptiste Joseph Gobel (1727–94), der den Eid auf die Verfassung abgelegt hatte und später unter dem Fallbeil starb, als „Gesetzbuch des Evangeliums“ bezeichnet. Die neue Nächstenliebe wurde zum Instrument revolutionärer Sozialkontrolle. Die revolutionären Apostelnachfolger empfingen ihre Grundsätze nicht von Christus und seiner Kirche, sondern von der Verfassung. Diese Form eines Sekundärchristentums räumte traditionellen Formen zunächst Platz ein, dämonisierte aber zugleich die katholischen Gegner der Revolution und hatte mit den Inhalten des Christentums abgeschlossen. Auch wenn die Kirchenverfolgung in der Zeit des Großen Terrors Lalandes Darstellung zufolge von der überwiegenden Mehrheit der „roten Priester“ nicht gewollt war, ähnelten deren Eifer durchaus dem der Häscher.

Neuer Sekretär der Bischofskonferenz

In der spanischen Zeitschrift Ecclesia stellt sich der neue Sekretär der Spanischen Bischofskonferenz vor. Weihbischof Luis Argüello (Valladolid) bringt die Crux seiner Aufgabe auf den Punkt: „ich muss nun die Äußerungen der Gemeinschaft der Bischöfe getreu wiedergeben.“ Das ist angesichts der notorischen Vielstimmigkeit der spanischen Bischöfe zweifellos ein heikles Unterfangen. Immerhin benennt der Sekretär zwei Themenfelder, in denen er keine Kommunikationsschwierigkeiten sieht: die Frage der freiwilligen Steuerabgabe für die Kirche und der Eintragung kirchlicher Immobilien ins Grundbuch. Die konfliktträchtigeren erwähnt Weihbischof Argüello nicht: die katalanische Frage und die Haltung der Bischöfe zur jüngst ins andalusische Regionalparlament eingezogenen Partei Vox. Sie sind nebensächlich angesichts der Herausforderung der säkularisierten Gesellschaft: „Eine missionarische Kirche sein“ stellt für den Sekretär das Gebot der Stunde dar. Oder, mit den Worten des Papstes formuliert: „die pastorale Neuausrichtung“.

DT/reg

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