Würzburg

Internationale Bücherschau am 9. Mai 2019

Über Islamismus, Christenverfolgung und Gegenreformation.
Internationale Bücherschau

Gérard Davet/Fabrice Lhomme: „Inch'Allah: Islamisation a visage découvert”. Fayard 2018, 300 Seiten, EUR 25,20

Eine von fünf Journalistik-Studenten unter Leitung der beiden bekannten Le Monde-Journalisten geführte Interview-Recherche brachte es ans Tageslicht: das „unverhüllte Antlitz der Islamisierung“ in manchen Gebieten Frankreichs. Gérard Davet und Fabrice Lhomme schildern anhand von Gesprächsprotokollen eine beunruhigende Realität im wenige Kilometer nördlich von Paris gelegenen Departement Seine-Saint-Denis. Befragt wurden seit Anfang 2017 etwa 20 in unterschiedlichen Bereichen – wie Politik, Wirtschaft, Medien, Religion und Kultur – tätige Bewohner von Saint-Denis. Ergebnis: Der Islam und dessen Ausübung schreiten rasch voran. „Hier ist Frankreich entstanden, doch keiner glaubt mir das.“ Der pensionierte Geschichtslehrer spielt mit dieser Aussage auf die alte Königsstadt Saint-Denis an, in der von 843 bis 1825 alle Könige und Kaiser des Landes gekrönt wurden, und die ihr Antlitz vollkommen gewandelt hat: Buchgeschäfte, in denen Titel ausliegen, die die Unterordnung der Frau unter ihren Mann verlangen, auf den Straßen trotz des Verschleierungsverbots in Schleier und lange Gewänder gehüllte kleine Schulmädchen, die über 30 „Praxen“ der muslimischen „Geistheiler“, die mit ihrer Kunst der „Roquia“ durch die Rezitation von Koranversen Ehe- und gesundheitliche Probleme behandeln, indem sie Dschinn und Dämonen austreiben. Die Beauftragte für Chancengleichheit Fadela Benrabia bemerkt: „Die Weißen ziehen weg, ebenso die nicht-muslimischen oder die im republikanischen Schmelztiegel vollkommen integrierten Araber. Massenhaft zurück bleiben jene, die es in Kauf nehmen, ohne Metzgerei zu leben sowie ohne die Möglichkeit für Frauen, in der Öffentlichkeit spazierenzugehen.“


Joseph Kardinal Zen: „For Love of My People I Will Not Remain Silent: On the Situation of the Church in China“. IGNATIUS PRESS 2019, 153 Seiten, EUR 15,38

„Aus Liebe zu meinem Volk“ hat der bekannteste Bischof Chinas, Joseph Kardinal Zen, seinen Mahnruf an die übrige, die freie, Welt betitelt. Von außen betrachtet ist die Situation der chinesischen Katholiken nicht leicht zu beurteilen. Deshalb warnt der unerschrockene Verteidiger der „Untergrundkirche“ schon seit langem vor einem Abkommen zwischen Vatikan und chinesischer Regierung, die die „Patriotische Kirche“ kontrolliert. Der emeritierte Bischof von Hongkong ist ein exzellenter Kenner und Kritiker der Unterdrückung der katholischen Kirche in China. Mit scharfen Worten verurteilte er das im letzten September unterzeichnete provisorische Abkommen zwischen dem Heiligen Stuhl und Peking: „Sie liefern die Herde den Wölfen aus. Das ist ein unglaublicher Verrat.“ Am 10. Jahrestag des noch immer als Magna Charta der Kirche dieses – von Staats wegen atheistischen – Landes betrachteten Briefes von Papst Benedikt XVI. an die Katholiken in China (2007) hielt Zen acht Vorträge über die Entstehung dieses Dokumentes, das er noch immer als Maßstab für das Verhältnis zu den chinesischen Gläubigen sieht. Er schildert die Leiden, die die Katholiken von 2000 bis 2017 zu erdulden hatten, und nimmt das vorweg, was in der Zukunft zu erwarten ist. Im letzten seiner Vorträge sagt Zen, dass eine zwischen Rom und China getroffene Vereinbarung die Möglichkeit der chinesischen Katholiken, Gottesdienste zu feiern, noch weiter einschränken werde: „Ein Schreckensszenario entfaltet sich momentan, der Ausverkauf der Kirche! Nicht eine wiederhergestellte Einheit, sondern ein erzwungenes Zusammenleben im Käfig.“ Papstbiograf George Weigel („Zeuge der Hoffnung“ über Johannes Paul II.) bemerkte: Zens „Gedanken über die Zukunft des Katholizismus in China sollten von jedem äußerst ernst genommen werden, der sich über die Neuevangelisierung der spirituellen Wüste im größten Land der Welt Sorgen macht.“


Elizabeth Lev: „How Catholic Art saved the Faith: The Triumph of Beauty and Truth in Counter-Reformation Art“. SOPHIA INSTITUTE PRESS 2018, 320 Seiten, EUR 18,–

Wie die Schönheit der katholischen Kunst half, in den stürmischen Zeiten der Reformation den Glauben zu bewahren, ist das Thema des neuen Buches der bekannten Kunsthistorikerin Elizabeth Lev. Die gebürtige Amerikanerin, die in Rom lebt und arbeitet, entfaltet darin ein beeindruckendes Panorama der berühmtesten Künstler der Epoche, und sie demonstriert, wie diese – gefördert von der damaligen katholischen Kirche – mit ihren Werken die Menschen von der Wahrheit des katholischen Glaubens überzeugten. Getreu dem Ausspruch von Papst Benedikt XVI.: „Die Kunst und die Heiligen sind für unseren Glauben die wichtigsten Apologeten.“ Denn Kunst ist für Gläubige und Nicht-Gläubige nicht nur „erbaulich“, sondern auch hilfreich bei der Evangelisierung, wenn sie die Inhalte des Glaubens „erzählt“, und diese in einem Zeitalter der Ambiguität und des Zweifels auch klar formuliert und verdeutlicht. So herrschte in der nachreformatorischen Ära Verwirrung aufgrund der protestantischen Skepsis gegenüber der Kirchenlehre und der Ablehnung der Sakramente, der Heiligen und der Rolle Mariens. Jeder der drei Abschnitte des mit zahlreichen farbigen Illustrationen schön gestalteten Buches (Sakramente, Fürsprache und Mitwirkung des Menschen am Heil) ist wiederum in sieben Kapitel unterteilt. Jedes dieser Kapitel präsentiert Kunstwerke, wie Gemälde, aber auch Kirchenbauten und Beichtstühle aus Italien (Florenz, Venedig, Mailand, Neapel und Rom), die sich mit dem angesprochenen Thema befassen. Der letzte Abschnitt ist Michelangelos „Jüngstem Gericht“ gewidmet. Anlass für ihr Buch war für die Autorin die „verheerende“ Auswirkung der Reformation auf die Gläubigen: „Schlechte Katechesen hatten die Menschen über die Bedeutung der Sakramente verunsichert“, und die Reformatoren hatten dies für sich ausgenutzt, „um die Realpräsenz in der Eucharistie zu leugnen und das Bußsakrament abzuschaffen. Man erzählte den Gläubigen, dass nur abergläubische Narren die Heiligen anrufen, und anderen wurde gesagt, dass nichts von dem, was wir in unserem Leben tun, unser ewiges Heil beeinflusse.“ Diesen Vorurteilen wirkt Lev mit ihrer Neuerscheinung vortrefflich entgegen.

DT/KS

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