Google will nicht alles löschen

Das Unternehmen weigert sich, Daten europäischer Nutzer auch außerhalb von Europa zu beseitigen. Von Alexander Riebel
Foto: dpa | Im Zentrum weltweiter Daten: Der Eingang des amerikanischen Internet-Konzerns Google in Mountain View (Kalifornien).
Foto: dpa | Im Zentrum weltweiter Daten: Der Eingang des amerikanischen Internet-Konzerns Google in Mountain View (Kalifornien).

Google denkt weiterhin nicht, wie man es sich in Europa wünscht. Denn nach den Verhandlungen mit Google und Brüssel im Mai 2014, ein Recht auf Vergessen einzuräumen, wonach Internetnutzer persönliche Daten löschen lassen können, sperrt sich Google weiterhin. Denn außerhalb Europas lassen sich die Daten sehr wohl noch einsehen. Die französische französische Datenschutzbehörde CNIL hatte den amerikanischen Suchmaschinenbetreiber aufgefordert, das Löschen auch außerhalb Europas vorzunehmen, aber der Konzern sperrt sich gegen die Forderung.

Seit März 2015 gab es nahezu 220 000 Anfragen, Daten zu löschen. Zu den Antragstellern gehörten auch Kriminelle, Politiker oder Personen des öffentlichen Lebens, die etwa 95 Prozent der Gesuche ausmachten. Etwa die Hälfte der Anfragen wurde dann auch positiv bearbeitet.

Im September 2014 hatte ein französisches Gericht die ursprüngliche Löschvereinbarung erweitern wollen und verlangte das Löschen weltweit; Google sollte 1 000 Euro Strafe pro Tag zahlen, wenn es der Aufforderung nicht nachkomme. Dieser Forderung hatte sich im Juni 2015 die französische Datenschutzbehörde CNIL angeschlossen. Das Argument war, dass ein Konzern nicht bestimmen dürfe, in welchem Land Zugänge zu Daten möglich sein können und wo nicht.

Google hingegen versuchte den Spieß umzudrehen und erklärte jetzt, dass man mit großer Anstrengung versucht habe, den europäischen Datenrichtlinien zu folgen. Das Unternehmen sei aber nicht bereit, wie der britische Guardian berichtet, auf den Wunsch einer nationalen Datenschutzbehörde, wie es die französische ist, die Regeln zu ändern und diese Behörde als globale Autorität anzusehen und weltweit das Löschen von Daten vorzunehmen. Ein Anwalt von Google habe hierzu auch erklärt, er halte die Forderung für unnötig, denn die überwältigende Mehrheit der Internetnutzer in Frankreich benutze den französischen Zugang zu Google.

Für Google ist die Verwirrung groß, denn dieselben Inhalte haben in verschiedenen Ländern verschiede Wertigkeiten. Was in Thailand, in der Türkei oder in Russland nicht erlaubt sei, ist in westlichen Demokratien kein Problem. Aus diesem Grund will Google nichts ändern, was nur dem Wunsch eines Landes entspricht. Einsichtig ist dieses Argument jedoch nicht, weil Daten, wenn sie nicht global gelöscht werden, im globalen Netz eben jederzeit doch aufrufbar sind. Google will hier nur nach der Regel verfahren, die auch Facebook anwendet: Wenn du mein Spiel spielen willst, musst du nach meinen Regeln spielen. CNIL will nun die Antwort von Google prüfen und möglicherweise Sanktionen verhängen.

Themen & Autoren

Kirche

Synode
Synode
Synodalität als Stärkung der Kirche Premium Inhalt
Synodale Prozesse wecken derzeit sowohl Hoffnung als auch Sorgen. Doch was zeichnet den „gemeinsamen Weg“ aus? Zehn biblische Anregungen für synodale Gespräche.
20.09.2021, 19 Uhr
Martin Baranowski
Schwules Paar
Rezension
Eine Wegweisung im LGBTIQ - Dschungel Premium Inhalt
Daniel Mattson legt in seinem autobiografischen Buch "Warum ich mich nicht als schwul bezeichne" tiefe Gedanken über Sexualität, persönliche Freiheit und die Lehre der Kirche vor.
19.09.2021, 17 Uhr
Barbara Stühlmeyer