Gescheiterte Hoffnung

Der Fall des Medienstars Meklat
Foto: IN | Der gefallene französische Medienstar Mehdi Meklat.
Foto: IN | Der gefallene französische Medienstar Mehdi Meklat.

Jetzt hat sich auch der französische Philosoph Alain Finkielkraut eingeschaltet. Er analysierte die Affäre Mehdi Meklat (24), den der „linke Zweig der Medien zelebriert, während er tausende ordinärer Tweets schrieb“, wie es im Vorspann von „Le Figaro“ zum Artikel Finkielkrauts heißt. Der Philosoph war in diesen Tweets unmittelbar angesprochen. Denn Medienstar Meklat forderte unter anderem, dem „Hurensohn“ die „Knochen zu brechen“ – das allerdings unter dem Pseudonym Marcelin Deschamps.

Der in Clichy (Hauts-de-Seine) gebürtige Meklat war Journalist und Schriftsteller, er machte seit 2008 Reportagen für den „Bondy Blog“ über das Leben in den Vorstädten. Badroudine Said Abdallah lernte er bei dem Blog kennen, und die beiden waren seitdem das in ganz Frankreich bekannte Duo „Des Kids“; mehrere Medienprojekte unter anderem bei bei Arte und Canal+ wurden verwirklicht und 2015 schrieben die beiden ihren ersten Roman, „Burn out“.

Doch jetzt sieht alles anders aus. Meklat galt als Beispiel für gelungene Integration. In diesem Einzelfall von Integration ist die Hoffnung gescheitert. Der Vorwurf gegenüber seinen Tweets heißt nun Rassismus, Verteidigung des Terrorismus, Homophobie und Antisemitismus. Für diese Punkte muss er auch mit einer gerichtlichen Anklage rechnen.

Der Hass ist also auch bei den Intellektuellen angekommen, schreibt Finkielkraut und hebt die „Konvergenz des Hasses“ hervor, weil es nun auch linken Hass gebe. Meklat selbst sieht sich als Opfer der Faschistenszene.

Auffällig ist nun, wie linke Medien das Thema herunterspielen. Sonia Devillers von France Inter sieht in Meklat keinen kleinen nervösen Isolierten. Von den Medien, die ihn beschäftigt hatten, fordert sie mehr Aufmerksamkeit für die Mitarbeiter. Doch damit ist das Problem nur verniedlicht. Denn nicht die Medien sind Schuld, sondern Meklat, der sich hinter einem Pseudonym versteckt hat, ist allein verantwortlich für sein Handeln. Schärfer kritisiert Philippe Val, der frühere Chef von Charlie Hebdo und France Inter, die linksgerichtete Zeitung „Le Monde“: „Wo sind wir, 1940? Das ,Le Monde Magazin‘ hat fünf lobende Seiten zu Mehdi et Badrou gemacht.“ Mit dem Datum 1940 spielt Val auf die Zeit des Vichy-Regimes an, das mit den Nationalsozialisten kollaboriert hat. Und Pascale Clark verteidigt Meklat mit den Worten, auf Sendung habe er nur Poesie, Intellektualität und Humanität ausgestrahlt. Stattdessen, schreibt „Le Figaro“, habe Meklat fünf Jahre seinen Hass auf Weiße, Juden, Franzosen und Homosexuelle verbreitet. „Marin Le Pen möchte ich nach muslimischem Ritus köpfen“, zitiert der Journalist Alexandre Devecchio einen Twitter-Eintrag Meklats im „Figaro“.

Die mediale Diskussion um Meklat zeigt, wie sich trotz eindeutiger Gesetzeslage bei Diffamierungen und Hassbotschaften Medien darüber hinwegsetzen, indem sie Partei ergreifen und dabei ihre Publikumslieblinge einseitig verteidigen. AR

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