Filmzensur noch immer in vielen asiatischen Ländern

Mehrmals veränderte Filme werden wertlos – Die Beiträge werden zu den Oberhausener Kurzfilmtagen geschmuggelt. Von Rolf Schraa

Staatliche Willkür und Zensur treffen nicht nur prominente Künstler wie Ai Weiwei, sondern auch weitgehend unbekannte Kollegen mit Werken, die aus westlicher Sicht völlig harmlos scheinen. Das gilt zum Beispiel in vielen Ländern für Produzenten von Kurzfilmen, berichtet der Chef der renommierten Oberhausener Kurzfilmtage, Lars Henrik Gass.

Zum diesjährigen Wettbewerb, der am 5. Mai beginnt, kam etwa der Beitrag „Chronicle of a Tape recorded over“ der vietnamesischen Filmemacherin Nguyen Trinh Thi auf inoffiziellen Wegen – sonst hätte er gar nicht gezeigt werden können. „Vietnam wird dreifach zensiert – erst am Skript, dann bei der Abnahme des Films und dann noch mal mit Auflagen für die Verwendung“, erzählt Gass, der im Herbst 2010 zu Gesprächen mit Filmemachern in Vietnam war. „Wenn ein Film das alles durchlaufen hat, kann man ihn vergessen.“

Deshalb sei ein ganzer Stapel Beiträge aus Vietnam nach Oberhausen geschmuggelt worden. Auf welchem Weg, wollte Gass mit Rücksicht auf die Sicherheit der Filmemacher nicht sagen. „Chronicle of a Tape recorded over“ berichtet von einer Suche nach Spuren des Vietnamkrieges im Land entlang des legendären Ho Chi Minh-Pfades. In dem Kurzfilm unterbrechen Sicherheitskräfte ein Interview, für das es offenbar keine staatliche Genehmigung gab. Die Kamera läuft immer weiter und zeichnet den erregten Wortwechsel auf.

Probleme mit der Filmzensur gebe es auch in China, Malaysia, Indonesien, Thailand und Iran, berichtet Gass, der sich um eine globale Ausrichtung der Kurzfilmtage bemüht und mehrfach im Jahr in entfernten Ländern Filmemacher trifft. Zu den Reisen nimmt er immer aktuelle Kurzfilme aus Oberhausen mit, um sie in den Ländern vorzuführen. „Natürlich verzichten wir dabei schon von selbst auf Beiträge mit Gewalt, Sex oder Umsturzfantasien – aber die Sittenwächter finden trotzdem oft noch etwas.“

Bei einer solchen Reise in den Iran Ende 2005 habe die Zensur von sieben mitgebrachten Filmen drei beschlagnahmt. Nach welchen Kriterien, sei sehr schwer vorherzusagen. „Zum Beispiel wird auf weibliche Nacktheit oft sehr sensibel reagiert, und nackte Männer werden übersehen.“ Ein iranischer Filmemacher, der seine Arbeit in Oberhausen präsentiert habe, sei danach in der Heimat mit Arbeits- und Ausreiseverbot bestraft worden und ins Gefängnis gekommen. Um den oft mittellosen Künstlern die Anreise nach Oberhausen zu ermöglichen, unterstützt das Auswärtige Amt das Festival mit einer Sonderförderung von 10 000 Euro. Davon profitiert unter anderem Filmemacherin Nguyen Trinh Thi: Sie kann in Oberhausen dabei sein.

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