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Die Apostelin der Apostel

Maria Magdalena war das „Beispiel und Modell für jede Frau in der Kirche“, so Papst Franziskus. In Mainz hängt nun neben zwölf Apostelleuchtern ein Dreizehnter: Für den „CEO“ des Apostelkreises Jesu.
Maria Magdalena gemalt von Pietro Perugino, um 1500
Foto: IN | Mainz macht nun Nägel mit Köpfen; so heißt es auf der Homepage: „Wo bisher in der Kirche die Halterung für das Ewige Licht war (rechts neben dem Tabernakel), findet sich nun an prominenter Stelle der Leuchter für ...

Der „Rheinische Antiquarius“ von 1739 muss korrigiert werden: „Vier Stück machen Mayntz sonderlich berühmt: Erstens die von Berthold Schwarz erfundene Pulver- und Stück-Verfertigung. Zweytens die wo nicht daselbst erfunden doch noch vollkommener gemachte Buchdruckerey. Drittens die Stapel-Gerechtigkeit und dann viertens, daß diser Stadt Erz-Bischof der vornehmste Churfürst und Reichs-Cantzler ist.“

Die Frauen machten das Backoffice und salbten Füße

Vier? Nein, fünf „Stück“ machen künftig Glanz und Gloria meiner Heimatstadt aus. So war am 11. Januar 2023 auf der Homepage der Hochschulgemeinde St. Albertus von einer grundstürzenden Novität zu lesen – dass man nämlich den zwölf Apostelleuchtern im Umgang der Kirche einen dreizehnten hinzugefügt habe – zu Ehren der wahrhaft ehrwürdigen Auferstehungszeugin Maria Magdalena. Alles, was recht ist! Hat man doch 2 000 Jahre lang übersehen, dass der Apostelkreis Jesu – also gewissermaßen sein Aufsichtsrat – eine CEO hatte. Das war Maria Magdalena, das „Beispiel und Modell für jede Frau in der Kirche“, wie Papst Franziskus bei der Einführung eines eigenen Festes für Maria Magdalena sagte.

Nun war und ist Jesus ein Mann. Zwar hat Franz Alt hat schon vor Jahren von dem „ersten neuen Mann“ gesprochen – und mit Recht, denn wenn einer in der Antike Frauen und Kinder zu Menschen machte und auf Augenhöhe brachte, dann war es Jesus. Aber scheinbar fiel dem Meister überhaupt nicht auf, dass er von Männern umgeben war. Männer!!! Die Frauen sorgten für Cash. Judas brachte die Kohle durch. Die Frauen standen das Drama durch. Petrus ließ dreimal den Hahn krähen. Die Donnersöhne wollten Karriere machen. Die Frauen machten das Backoffice und salbten die Füße.

Stetter Karp hofft auf katholische Bischöfin

Mainz macht nun Nägel mit Köpfen; so heißt es auf der Homepage: „Wo bisher in der Kirche die Halterung für das Ewige Licht war (rechts neben dem Tabernakel), findet sich nun an prominenter Stelle der Leuchter für Maria Magdalena, der Apostelin der Apostel.“ Bingo! Wen interessiert noch das Ewige Licht? Ist ja sowie keiner da. Eine Kerze für die Frau – die sind schließlich im Kommen. Fazit: Das biblische Wort „und er machte Zwölf“ von Markus 6, 7 werden wir korrigieren müssen. Mainz ist damit emanzipatorisch gesehen sogar weiter als die „Bibel in gerechter Sprache“, wo es immer noch heißt: „Da rief er die Zwölf“ (Markus 6, 7) Gerechte Sprache? Gendersensibel müsste es mindestens Zwölf* heißen! Wer weiß denn, ob die Apostel alle Cis Männer waren! Damit muss sich die feministische Theologie die nächsten zehn Jahre erst noch befassen.

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Das Mindeste an Veränderung muss mit Epheser 2, 20 passieren, wo es zukünftig heißen wird: „Ihr seid auf das Fundament der Apostel*innen und Prophet*innen gebaut; der Schlussstein ist Christus Jesus selbst.“ Und die Nachfolger der Apostel*innen werden Bischöf*innen und Priester*innen sein! Die ARD fühlte gleich mal bei Irme Stetter Karp, der Chefin des  ZdK, nach, ob sie eines Tages „eine katholische Bischöfin in Deutschland“ erleben werde: „I hope so. Ja, das hoffe ich.“ Schon heute ist es ihr egal, wer unter ihr Bätzing ist. Ach Irme, – it‘s a long way to Tipperary und ins Hochgebet.

 

Der Autor ist Initiator der Jugendkatechismus-Initiative „Youcat“.

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