„Der Wendepunkt war der Mordversuch“

Das Gefühl ist wichtiger als die Realität: Gespräch mit einigen Beteiligten an dem Film „12 Winter“

Polizeibeamte sind eher verschwiegen. Ihre richtigen Namen dürfen deshalb hier nicht erscheinen – im Folgenden werden Sie mit den Namen „Ihrer“ Figuren in „12 Winter“ angesprochen. Was hat Sie bewogen, dennoch am Fernsehfilm mitzuwirken?

„Gerd Prothmann“: Wir hatten die Befürchtung, dass sich der Film zu sehr auf die Täterseite konzentrieren würde, dass er ihre Taten als nachahmenswert darstellen könnte. Deshalb wollten wir zur Ausgewogenheit beitragen.

Allerdings vergehen 30 Minuten im Film, bis die Polizei-Seite in Erscheinung tritt. Immerhin mehr als zehn Jahre, nachdem Klaus Starck und Mike Roth ihre Banküberfall-Serie begonnen hatten.

„Reiner Geugis“: Bis 2000 beschäftigten sich damit die zuständigen Behörden in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg oder wo auch immer sie Banken überfielen. Insofern ist es im Film richtig dargestellt, dass zu dem Moment, als die „EK Winter“ in Erscheinung tritt, die Überfälle seit mehr als zehn Jahren stattfanden.

„Gerd Prothmann“: Der Film zeigt ebenfalls, wie wichtig für die Arbeit der „EK Winter“ die Spur zur JVA Rheinbach war. Schon 1992–1994, als wir bei einer ganz anderen Bankraubserie eine Reihe Taten aufklären konnten, hatte „Reiner“ die „Winter“-Serie im Visier. Im Sommer 2000 rief er mich dann an, und erzählte von der Möglichkeit, ganz neu wieder anzufangen.

„Reiner Geugis“: Ein Wendepunkt war der Mordversuch, als Klaus Starck auf die Kollegen schießt. Das war für uns die entscheidende Tat, weil über die Auswertung der Autokennzeichen-Dubletten und der darauf angebrachten ASU- und TÜV-Stempel die Verbindung zu der anderen, bereits aufgeklärten Serie hergestellt werden konnte.

Haben die Schauspieler ihre Rolle eng an den realen Polizisten angelehnt?

Matthias Koeberlin: Ich habe die beiden Polizisten während der Dreharbeiten kennengelernt. Sie haben mir geholfen, ihre Arbeit besser zu verstehen. Aber das ist natürlich nur ein Teil meiner Arbeit als Schauspieler. Denn ich behalte ja meine Freiheit als Künstler.

Axel Prahl: Ich habe es damals teilweise in der Presse mitverfolgt. Ich fand besonders bemerkenswert an dieser Geschichte, dass Klaus Starck mehr oder weniger das Geld, das er den Banken gestohlen hatte, wieder zur Sparkasse brachte. Er führte ja ein recht unauffälliges Leben, er hatte sogar etwas Biederes an sich, wie die Thermoskanne, die Butterbrote usw. zeigen.

Wie weit sind Sie als Autor und Regisseur in der Fiktionalisierung gegangen?

Thomas Stiller: Wir haben Figuren eingeführt, beispielsweise die Frau von Klaus Starck oder auch den „Verräter“. Dabei ist nicht so wichtig, ob es sich in der Wirklichkeit genauso abgespielt hat. Wichtig ist es vielmehr, dass deutlich wird, wie unterschiedlich die zwei Bankräuber waren. Beim Filmemachen ist allerdings mein Gefühl wichtiger als die Realität. Ein Beispiel: Die Waffen hatten sie über verschiedene Garagen verteilt – das ergibt filmisch allerdings gar nichts. Filmisch ist es viel beeindruckender, eine ganze Wand voller Waffen zu zeigen.

„Gerd Prothmann“: Ein weiteres Beispiel: Wie hatten uns die Frage gestellt, wie alt die Täter wohl sind. Dies gehört zu der Personenbeschreibung wie etwa die ganz wichtige Frage, ob sie schon in Erscheinung getreten sind. Im Film ist diese Frage sehr pointiert dargestellt – eine solche Geschichte kann nicht eins zu eins umgesetzt werden, schon deshalb, weil der Film dann viele ermittlungstechnische Details verraten würde.

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