Der Klimagipfel ist das mediale Großereignis

Gemeinsamer Appell weltweit: „Noch nie haben Zeitungen etwas Vergleichbares getan“

Ein schon lange von den Medien erwartetes Ereignis ist der Klimagipfel in Kopenhagen nicht. Jedenfalls ist das die Botschaft, die beim Leser zuweilen ankommt. Doch besonders die Presse weltweit hat sich schon lange vor der Eröffnung des Klimagipfels am Montag mit diesem Thema beschäftigt.

Intern sozusagen, denn Journalisten berichten selten über ihre eigene Arbeit. Zum ersten Mal in der Geschichte der Presse haben sich führende Zeitungen weltweit zusammengeschlossen, um gemeinsam ein Anliegen publik zu machen. 56 Zeitungen aus 44 Ländern verfassten unter der Initiative des britischen „Guardian“ einen gemeinsamen Appell an die Teilnehmer des Klimagipfels in Kopenhagen. „Noch nie haben Zeitungen etwas Vergleichbares getan, aber sie haben auch noch nie über eine solche Story berichtet. Eine einzelne Zeitung wird den Ausgang von Kopenhagen kaum beeinflussen können. Wenn aber 56 große Zeitungen in 20 Sprachen mit einer Stimme sprechen, hoffe ich, dass sie die Politiker und Verhandlungsteilnehmer daran erinnern, was auf dem Spiel steht – und sie dazu bringen können, sich über Rivalitäten und starre Haltung zu erheben, die bislang einer Einigung im Wege standen“, erklärte der Chefredakteur des „Guardian“, Alan Rusbridger. In dem gemeinsamen Appell, an dem sich auch die „Süddeutsche Zeitung“ beteiligt, heißt es unter anderem: „Die Menschheit steht vor dem Ernstfall. (...) Doch die Politiker in Kopenhagen müssen sich auf einen fairen und erfolgreichen Deal einigen und, ebenso wichtig, auf einen Zeitplan, um daraus einen verbindlichen Vertrag zu schmieden. (...) In Kopenhagen werden Politiker die Macht haben, das Urteil der Geschichte über ihre Generation zu prägen: einer Generation, die entweder die Herausforderung angenommen hat und an ihr gewachsen ist oder einer, welche das Übel hat kommen sehen und nicht gehandelt hat. Wir appellieren an sie, richtig zu entscheiden.“ Zu Beginn des Klimagipfels am Montag haben alle teilnehmenden Zeitungen diesen Appell veröffentlicht.

Der Klimagipfel ist laut dem „Guardian“ das größte mediale Ereignis nach den Olympischen Spielen 2008 in Peking. 5 000 Journalisten aus 180 Ländern haben sich angemeldet, die Akkreditierung musste frühzeitig gestoppt werden. Denn die Halle, in der der Klimagipfel stattfindet, fasst nur 15 000 Personen. Doch ähnlich dramatische Momente wie etwa bei Olympischen Spielen kann der Klimagipfel den Medien nicht bieten. Es gibt keine Eröffnungsgala, die meisten Verhandlungen finden hinter verschlossenen Türen statt. Das zeigt, dass die Medien nicht nur von spektakulären Ereignissen berichten, sondern unabhängig von guten Bildern oder Filmen ihre Nutzer informieren. Dafür konzentrieren viele europäische Zeitungen ihre Berichterstattung auf neue Medien wie das Internet. Sowohl der „Guardian“ als auch die französische Zeitung „Le Monde“ haben eigens Blogger nach Kopenhagen gesandt, die via Internet über ihre Erlebnisse und Erfahrungen berichten. Und auch Twitter ist wieder ganz vorne mit dabei. Doch auch mit Hintergrundinformationen und kritischen Kommentaren wird das Geschehen auf dem Klimagipfel dem Leser präsentiert.

Wer nicht gerade Physiker, Biologe oder Chemiker ist, tut sich mit den Informationen der Medien zumeist schwer. Die eigentliche Aufgabe der Journalisten, komplexe Sachverhalte einfach zu erklären, vermisst man leider des Öfteren. Allgemeine Informationen zum Ablauf des Klimagipfels, den Teilnehmern und politischen Debatten hingegen fanden sich in der Vorberichterstattung nur selten. Nicht weniger interessant: Umweltbedingungen der ganzen Welt wurden in großen Reportagen dargestellt und kommentiert, doch wie die Situation in Deutschland derzeit ist, wird bis jetzt selten zum Thema gemacht. Fühlt sich der Leser nicht in seinem Umfeld angesprochen, legt er die Zeitung beiseite und die Bemühungen der Journalisten laufen ins Leere.

Die CNN und YouTube versuchen, über das Internet jüngere Menschen für das Thema Klimagipfel zu sensibilisieren. Die Nutzer sind eingeladen, ihre Fragen und Anliegen einzusenden. Einige Fragen werden dann in einer TV-Debatte am 15. Dezember beantwortet. Doch das offenkundige Engagement der Medien stößt nicht nur auf Zustimmung. Bundestagspräsident Norbert Lammert bemängelte bei einem „Demokratie-Kongress“ der Konrad-Adenauer-Stiftung in Berlin den politischen und medialen Umgang mit der Weltklimakonferenz. Gemeinhin werde das am Montag begonnene Treffen als „die überhaupt wichtigste Konferenz aller Zeiten“ dargestellt, sagte Lammert am Dienstag. Man rette sich nach Zeiten der Verschleppung wichtiger Themen in die Übertreibung, so der CDU-Politiker. Eher angebracht wäre es, rechtzeitig und überlegt Probleme anzugehen. Sicher gibt es einige Medien, die den Klimagipfel in Kopenhagen hochstilisiert haben, dennoch ist die kritische Auseinandersetzung auch Aufgabe der Medien. Denn diese können nicht nur wie ein Spiegel die Verhältnisse abbilden, sondern auch aktiv an Veränderungen mitwirken. Ob die Medien den Klimagipfel bis zum Ende mit dieser Aufmerksamkeit verfolgen, kann jetzt noch nicht abgeschätzt werden. Wünschenswert ist jedoch, dass die Berichterstattung bei den Menschen ankommt. Das ist erst der Fall, wenn das Thema Klimaschutz nicht mehr nur auf dem Papier, sondern auch in Diskussionen und Gesprächen Einzug gefunden hat.

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