„Den Glauben bezeugen und Bedürftigen helfen“

Beim Besuch Benedikts XVI. in seiner Heimat sorgen die Malteser für den Sanitätsdienst. Ihr Motto „weil Nähe zählt“ verwirklicht die katholische Hilfsorganisation auf vielfältige Art und Weise. Von Clemens Mann
Foto: Malteser / Lux | Malteser ermöglichen Menschen mit Handicap die Teilnahme am Gottesdienst mit dem Heiligen Vater.
Foto: Malteser / Lux | Malteser ermöglichen Menschen mit Handicap die Teilnahme am Gottesdienst mit dem Heiligen Vater.

„Die Leute schmunzeln ja, dass wir die Sanitätsgarde des Heiligen Vaters seien. Und als solche verstehen wir uns auch“, sagt Karl Prinz zu Löwenstein, Geschäftsführer des Malteser Hilfsdienstes. Unter zu Löwensteins Augen in der Malteser-Zentrale in Köln fließen nicht nur die Planungen zum Papstbesuch in Deutschland zusammen, sondern auch die gesamte bundesweite Organisation des in 28 Diözesanverbänden strukturierten Hilfsdienstes. „Wir werden 1 800 Helfer im Einsatz haben.“

Einer davon ist der Regensburger Allgemeinmediziner Burkard Pfaff. Pfaff, der als Diözesanarzt für die Malteser tätig ist, gehört zu einem VIP-Team, das sich nur um den Heiligen Vater kümmern wird. „Wir fahren im Konvoi mit und haben einen Einsatzrucksack dabei, um qualifizierte Hilfe zu leisten“, erzählt Pfaff, der bereits 2006 den Papst bei seinem Besuch in der deutschen Heimat betreute. Damals sei er tief beeindruckt gewesen vom Charisma des Heiligen Vaters und seiner Aufmerksamkeit, wie er die Dinge verfolgt habe – und das bei einem 11-stündigen Programm. Auf die Begegnung mit dem Heiligen Vater freut sich Pfaff. „Dass wir seine Heiligkeit betreuen dürfen, ist eine große Ehre für uns.“

Von einer großen Ehre spricht auch Prinz zu Löwenstein. „Für uns ist der Papst nicht irgendjemand, sondern der Nachfolger des Heiligen Petrus.“ Nach dem Weltjugendtag 2005 in Köln und dem Besuch im Jahr 2006 ist es das dritte Mal, dass die Malteser federführend den Sanitätsdienst bei einer Reise Benedikts XVI. übernehmen. Insgesamt 39 stationäre Unfallhilfestellen und 14 weitere Sanitätsstationen sollen in den vier Tagen des Papst-Aufenthalts einen reibungslosen Sanitätsdienst gewährleisten. In Freiburg wird eigens ein „Medical Center“ aufgebaut. Notarzt-Fahrzeuge, Rettungs- und Krankentransportwagen, sogar Motorräder – annähernd 500 Fahrzeuge aus der ganzen Bundesrepublik haben die Malteser für den Einsatz eingeplant. „Es handelt sich um ein bestehendes Konzept, das auch beim Katastrophenschutz greifen würde“, erklärt Prinz zu Löwenstein. Außerdem sei der Besuch des Heiligen Vaters eine wunderbare Gelegenheit, den Auftrag, den der Malteserorden und dessen Hilfsdienste hätten, zu verwirklichen.

Und dieser Auftrag ist über neun Jahrhunderte alt. „Bezeugung des Glaubens und Hilfe den Bedürftigen – Tuitio fidei et obsequium pauperum“ heißt der geistliche Leitsatz des Ordens, aus dem Gründungsjahr 1099. Damals hatte die Gemeinschaft – heute zählt der internationale Malteserorden in Deutschland rund 550 Ordensritter und -damen, die den Hilfsdienst tragen – in Jerusalem ein Hospiz errichten dürfen, um Pilger zu versorgen. Mit der Gründung der christlichen Kreuzfahrer-Königreiche erhielt der Orden später die Aufgabe, auch für den militärischen Schutz der Pilger zu sorgen. Nach einer wechselhaften, von Schlachten und Kämpfen gepflasterten Geschichte wandte sich der Orden im 20. und 21. Jahrhundert wieder seiner ursprünglichen Mission, dem Hospizdienst zu, heißt es auf der Internetseite des Hilfsdienstes. „Den Glauben bezeugen und den Bedürftigen helfen. Beides muss zusammenkommen. Das eine kann nicht für das andere stehen“, erklärt Prinz zu Löwenstein, der darin auch eine Besonderheit der katholischen Malteser im Vergleich zu anderen Hilfsdiensten in Deutschland sieht. „Wenn wir nur einen Sanitätsdienst, nur die technische Hilfsleistung erbringen würden, dann wäre der Malteser Hilfsdienst austauschbar.“

Im modernen Slogan des Hilfsdienstes, „Weil Nähe zählt“, drückt sich diese Botschaft aus, unterstreicht Prinz zu Löwenstein. Denn die Malteser würden den Kranken niemals nur allein als kranken Menschen betrachten. Gemäß den Worten des Matthäusevangeliums „Was ihr den geringsten meiner Brüder getan habt, habt ihr mir getan“ sehe man im Bedürftigen auch den Herrn selbst. „Wir begegnen dem Hilfsbedürftigen in seiner von Gott geschaffenen Würde und gleichzeitig dem Herrn.“ Gott sei den Menschen in seinem Sohn Jesus Christus nahegekommen und habe seine Liebe gezeigt. Indem sie den Menschen bei ihrer Arbeit nahe sind, wollten die Malteser ein Zeugnis für diese Liebe ablegen.

Wenn es im Rettungsdienst Schlag auf Schlag geht und jede Sekunde zählt, ist Nähe wenig möglich – Professionalität und Schnelligkeit zählen. Der 1953 noch unter dem Eindruck der „Katastrophe des Krieges und der Verwundbarkeit der Zivilbevölkerung“ gegründete Hilfsdienst – so drückt es Prinz zu Löwenstein aus – ist aber nur eine Säule des Engagements der Malteser in der Bundesrepublik. Daneben betreiben die Malteser acht Krankenhäuser und 21 Einrichtungen der Altenpflege. Beim Katastrophenschutz, in der Hospizarbeit und der psychosozialen Notfallseelsorge helfen die Malteser. Daneben hat der Hilfsdienst aber auch eine Reihe von sozialen Diensten ins Leben gerufen, um seinem Leitsatz gerecht zu werden: Essen auf Rädern, einen Hausnotruf-, einen Pflegedienst. „Wir wollen den Menschen helfen, möglichst lange in ihrer gewohnten sozialen Umgebung bleiben zu können“, erklärt der Adlige. Über 3 000 Ehrenamtliche besuchen in verschiedenen Besuchs- und Begleitdiensten Woche für Woche einsame Menschen. „Die große Not unserer Zeit ist die Einsamkeit“, sagt zu Löwenstein.

„Das Ehrenamt ist für uns ganz entscheidend. „Keine vergleichbare andere Hilfsorganisation in Deutschland hat einen so hohen Anteil an Ehrenamtlichen wie die Malteser“, ist Prinz zu Löwenstein stolz. Nach eigenen Angaben haben die Malteser 44 000 ehrenamtliche Aktive bei 21 000 Hauptamtlichen. Für die fachliche Weiterbildung ihrer Mitarbeiter leisten sich die Malteser in Ehreshoven eine Akademie und ein geistliches Zentrum. „Wir glauben, dass das, was Aufgabe der Kirche ist, nämlich Caritas, zugleich Aufgabe eines jeden Christen ist. Und das ist zunächst eine ehrenamtliche Aufgabe.“ Natürlich könne nicht jede Tätigkeit von Ehrenamtlichen geleistet werden. Aber wenn es möglich ist, dann sollten auch Ehrenamtliche eingesetzt werden.

Der Slogan „Weil Nähe zählt“ ist auch Programm bei den vielen Pilgerfahrten der Malteser zu Wallfahrtsorten in Deutschland und darüber hinaus. „Die beiden Seiten des Auftrags der Malteser, Glauben und Helfen, verwirklichen sich in besonderer Weise bei Wallfahrten. Deshalb sind dort die Malteser gerne dabei und helfen Menschen, die sonst alleine nicht hinkommen könnten“, sagt Prinz zu Löwenstein. Jedes Jahr organisieren die Malteser Wallfahrten nach Altötting, Telgte, Kevelaer und anderen Wallfahrtsorten in Deutschland. Die größten Fahrten seien aber die Lourdes-Fahrten. Mit Pilgerzügen reisen dann hunderte Malteser mit Kranken in den französischen Wallfahrtsort. Aus eigener Erfahrung weiß Prinz zu Löwenstein, dass von diesen Fahrten nicht nur der Kranke selbst gestärkt zurückkehrt. „Von den Kranken kann man glauben und beten lernen. Die Kranken führen uns zu Christus.“

Eine Stärkung im Glauben, genau das wünscht sich auch Burkard Pfaff von Benedikt XVI. – und dass wir als Malteser möglichst wenig Arbeit haben.

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