„Den Frieden muss man mit seinen Feinden machen“

Der neue jüdische Kalender liegt vor Von Johannes Zang

Dieser Tage haben Juden weltweit Rosh HaShana – davon kommt der sprichwörtliche Gute Rutsch –, das neue Jüdische Jahr mit einem zweitägigen Fest begangen. Wir schreiben nun das Jahr 5771 – so viele Jahre sind seit der Erschaffung der Welt nach jüdischem Glauben vergangen.

Seit 28 Jahren bereits gibt der Augsburger Ölbaum Verlag Sommer für Sommer den jüdischen Taschenkalender heraus, der über diesen und alle anderen jüdischen Feiertage informiert. Doch nicht nur das: Das Buch ist eine Fundgrube an Zitaten und Texten von jüdischen und über jüdische Persönlichkeiten, die von Woody Allen über Daniel Barenboim, Sigmund Freud bis Gotthold Ephraim Lessing und Leon de Winter reichen. Da finden sich Kostbarkeiten wie etwa der Eintrag von Albert Einstein in das Poesiealbum eines Nachbarmädchens: „Jugend, weißt du, dass du nicht die erste Jugend bist, die nach einem Leben voll Schönheit und Freiheit lechzte? Jugend, weißt du, dass all deine Vorfahren so waren wie du und der Sorge und dem Hass verfielen? Weißt du auch, dass deine heißen Wünsche nur dann in Erfüllung gehen können, wenn es dir gelingt, Liebe und Verständnis für Mensch, Tier und Pflanze und Sterne zu erringen, wenn jede Freude deine Freude und jeder Schmerz dein Schmerz sein wird? Öffne deine Augen, dein Herz und deine Hände und meide das Gift, das deine Ahnen aus der Geschichte gierig gesogen haben. Dann wird die Erde dein Vaterland sein und all dein Schaffen und Wirken wird Segen spenden.“

Während man Tag für Tag durchs Jahr wandert, erfährt man in kleinen Portionen etwas über den jüdischen Glauben, die Geschichte des Staates Israel, deutsch-jüdische Auswanderer nach Palästina/Israel oder jüdisch-künstlerisches Schaffen. Zwischendurch hat der Ölbaum Verlag Werbeseiten eingestreut, um auf neue Buchtitel zum Thema Judentum oder von jüdischen Autoren hinzuweisen.

Ein fünfzig Seiten umfassender Anhang liefert eine Fülle an Adressen jüdischen Lebens in Deutschland, Österreich und der Schweiz: Nicht nur jüdische Gemeinden sind aufgelistet, auch koschere Restaurants, jüdische Bibliotheken, Museen und Geschäfte sowie jüdische Volkshochschulen, Forschungsstellen und Universitäten. Zu guter Letzt finden sich die Shabbatzeiten für sechs deutsche Großstädte sowie die jeweiligen Schriftlesungen.

Das auf das Lesezeichen gedruckte Zitat von Hanna Maron möchte man nicht nur den Konfliktparteien Israel und Palästina zurufen, sondern allen Streithähnen auf der ganzen Welt: „Den Frieden muss man mit seinen Feinden machen.“

Der Jüdische Kalender, Fünftausendsiebenhunderteinundsiebzig, 2010–2011, Ölbaum Verlag, Augsburg 2010, 277 Seiten, ISBN 978-3-927217-67-6,

EUR 11,50

Themen & Autoren

Kirche