Bloggende Exzellenzen

Wie Bischöfe das Evangelium im digitalen Zeitalter verbreiten (3. Teil der Blog-Serie) Von Barbara Wenz

Es gibt sie, die Bischöfe, die leidenschaftlich bloggen, das ist die gute Nachricht. Nur noch nicht in Deutschland. Dabei zeigt ein Blick auf die US-amerikanischen und kanadischen Bloggerexzellenzen, welche wunderbaren Möglichkeiten das neue Medium bietet.

Vielleicht muss man als deutscher Bischof erst ins Ausland gehen, um auf den Geschmack kommen: Bischof Clemens Pickel, Diözese Saratow, berichtet regelmäßig in Wort und Bild aus Südrussland, wo er rund 22 000 Katholiken auf einem Territorium zu betreuen hat, das so groß ist wie Deutschland, Frankreich, Spanien und Portugal zusammen. Bischof Pickels Einträge sind immer mit beeindruckenden Fotos versehen, versorgen den Leser regelmäßig mit interessanten Informationen über Russland und die russischen Gläubigen. Die Liebe zu Land und Leuten lässt sich aus jeder Zeile herauslesen, mehr noch: Bischof Pickel gelingt es, diese Liebe auch bei seinen Lesern zu wecken. Südrussland und ein deutscher katholischer Bischof dank Internet auf einmal hautnah!

Wie man es besser nicht machen soll, zeigt das Weblog der Deutschen Bischofskonferenz. Dabei war der Anfang recht verheißungsvoll: Erzbischof Zollitsch berichtete dort über den Verlauf seiner Reise nach Nigeria im September 2009. Gründlich bereitete man den Reiseantritt vor: Eine Karte und Länderinformationen wurden eingestellt, die einzelnen Programmpunkte und Stationen vorab veröffentlicht. Bischof Zollitsch – oder sein Mitarbeiter, der ihn darin unterstützte, – berichtete in einem angenehmen Ton zwischen Sachlichkeit und persönlichen Impressionen. Es wurden Fotos von Begegnungen mit den Menschen vor Ort eingestellt, sogar ein Video hochgeladen. Alles sehr erfreulich. Doch leider stammt der letzte Eintrag dort eben aus September 2009 – das Blog wurde seither nicht mehr aktualisiert, was durchaus zu einiger Enttäuschung in der deutschsprachigen Internetgemeinde führte.

Schwierigkeiten, eine eigene Stimme im Web finden

Gerade hatte man sich damit abgefunden, dass es mit dem Bloggen und dem deutschen Episkopat wohl nichts mehr werden würde, da lancierte das Bistum Osnabrück wie aus heiterem Himmel ein eigenes Blog. Seit Juni 2010 veröffentlicht dort ein Team von Autoren, unter ihnen auch Bischof Bode mit dem nonchalanten Kürzel bibo. Optisch tritt das Blog klar und einfach gestaltet auf, ohne Schnörkel, dafür übersichtlich und nicht überladen. Die Idee, zusammen mit drei Laien zu bloggen, war eine sehr gute; sie steht als Zeichen für sich selbst. Daneben merkt man Bischof Bodes Einträgen die verständliche Unsicherheit im neuen Medium an, in dem er sich mit Umsicht und Bedacht bewegen möchte. Gerade dieser Umstand macht die Einträge authentisch, in denen die Persönlichkeit des Bischofs durchschimmert. Es ist nicht leicht, eine eigene Stimme beim Publizieren im Web zu finden – Bischof Bode ist auf einem guten Weg. Ein erfreulicher erster Schritt, dem hoffentlich bald viele deutsche Exzellenzen ebenso mutig wagen.

Entspanntheit beim Bloggen lässt sich übrigens durch Mitlesen bei den amerikanischen und kanadischen Amtsbrüdern lernen. „Gone fishin“ informiert der jüngste Eintrag bei Bischof Robert Lynch, St. Petersburg, Florida lakonisch – und dass deshalb zwei Wochen lang Funkstille herrscht. Petri Heil! möchte man da glatt kommentieren, und theoretisch ginge das auch, Seine Exzellenz hat eine Kommentarmöglichkeit vorgesehen. Wir dürfen vermuten, dass Bischof Lynch seine Internetgemeinde in Kürze mit Fotodokumentationen von kapitalen Fangerfolgen erfreuen wird.

Auf dem Blog namens Father of Mercy and Love schreibt der Bischof von Saginaw, Michigan, und nutzt auch die Möglichkeit, Videos hochzuladen, wie etwa von seiner Predigt zu einer Priesterordination. Zu seinem einjährigen Amtsjubiläum in Saginaw zögerte Joseph R. Cistone nicht, ein Kinderfoto in Schwarz-Weiß von sich selbst im Alter von einem Jahr und ein weiteres von dem gigantischen Kuchen, den man ihm präsentierte, zu veröffentlichen.

Bei Bischof Stika, Knoxville, Tennessee, dagegen ist derzeit nicht Lässigkeit, sondern Information, Transparenz und Aufklärungsarbeit gefragt. Er dokumentiert auf seinem Blog die aktuelle Aufdeckung eines Missbrauchsfalles in seiner Diözese. Hier wird ungefiltert durch – im Zweifel antikatholische – Drittmedien der eigene Blogauftritt genutzt, um erste Ergebnisse, vorgesehene Maßnahmen und bischöfliche Stellungnahmen in Worteinträgen und Videoansprachen zeitnah zu publizieren. Bischof Stika beschönigt dabei nicht, bittet um Vergebung für gefallene Priester und darum, dass sich mögliche weitere Opfer melden sollen, damit der Heilungsprozess beginnen kann. Er versichert den Opfern wie den Tätern, aber auch den aufrechten Priestern, die nun ungerechtfertigt in Verdacht geraten könnten, sein Gebet. Das klare Signal nach außen dürfte gut ankommen.

Erzbischof Timothy Dolan hatte kürzlich den Erzbischof von Nagasaki und Unsere liebe Frau von Nagasaki zu Besuch. Es handelt sich um den Kopf einer Marienstatue, die nach dem Bombenabwurf geborgen wurde. Im Höllenbrand der Atombombe schmolzen ihre Glasaugen - die Augenhöhlen sind seither leer, die Gesichtszüge von den Verbrennungen verwüstet. Seither pilgert sie um die ganze Welt, um die Menschen stumm daran zu erinnern, dass so etwas nie wieder geschehen darf. Was Erzbischof Dolan beim Anblick der entstellten Gottesmutter empfunden hat, das hat er getreulich in seinem Blog „The Gospel in the Digital Age“ notiert – zusammen mit einem Bild des versehrten Madonnenkopfes wurde daraus eine kleine, aber feine Bildmeditation; getreu dem eigenen Motto: Das Evangelium im digitalen Zeitalter.

Der heilige Paulus hätte heute wohl auch ein Laptop

Wer sich nicht nur für katholische Bischöfe, sondern auch für die wunderbare Natur Kanadas interessiert, gehe vor allem auf das Blog Yukon Calling. Jede Menge Bilder von echten Kerlen, die Bäume fällen, von Bären, Bergen, Wasser, Blumen und allem, was in Kanada sonst noch zum Programm gehört. Auf Yukon Calling dokumentiert Bischof Gordon auch die Baufortschritte des bischöflichen Hauses, weist auf Fernsehinterviews hin, die er auch als Videomitschnitte einstellt und berichtet von einem Angelausflug in Wort und Bild – kann es ein angemesseneres Hobby für einen Bischof geben als das Fischen? Natürlich, nämlich über Heilige und liturgische Festtage bloggenderweise zu meditieren und Gebete online zu stellen – doch ganz ohne ein Bild von einem gefällten Baum geht es auch bei Erzbischof Terrence Prendergast, Halifax, nicht. Was würde der heilige Paulus tun?

„Wenn der heilige Paulus heute leben würde, dann hätte er einen Blackberry, ein Laptop und ein Blog – da gibt es gar keinen Zweifel. Paulus war ein Kommunikator, einer von den begabtesten, und er schöpfte die Kommunikationsmöglichkeiten seiner Zeit voll aus. Er blieb mit seinen Leuten in Verbindung. Mit den Menschen in Verbindung bleiben“, schrieb der texanische Bischof Kevin Farrell in seinem ersten Journaleintrag vor gut einem Jahr. Ddas geht via bischöfliches Blog direkter, einfacher und schneller als mit der Diözesanzeitung aus Papier. Daneben erlaubt ein solches – nach US-Vorbild entspannt geführtes – Journal, Priestern und Gläubigen einen Blick auf die Vorlieben und Interessen ihres Bischofs, wie auf seine persönliche Spiritualität, und gibt damit den Blick auf den Menschen hinter dem Amt frei.

– Bischof Clemens Pickel, Saratow: kath-ru.blogspot.com

– Zur Zeit inaktives Blog der DBK: www.blog.dbk.de

– Bistumsblog Osnabrück: www.bistumsblog.de

– Bischof Robert Lynch, St. Petersburg, Florida: blogs.dosp.org/bishoplynch

– Bischof Richard. F. Stika, Knoxville, Tennessee: bishopstika.org

– Bischof Joseph R. Cistone, Saginaw, Michigan: bishopcistone.blogspot.com

– Erzbischof Timothy Dolan, New York: blog.archny.org

– Bischof Gary M. Gordon, Whitehorse, Yukon, Kanada: yukoncalling.blogspot.com

– Erzbischof Terrence Prendergast, Halifax, Kanada: archbishopterry.blogspot.com

– Bischof Kevin Farrell, Dallas, Texas: bishopfarrell.blogspot.com

Themen & Autoren

Kirche