Eine kurze Reflexion über die Veränderung der deutschen Sprache

Von Burkhardt Gorissen und Stefan Meetschen

Zunächst die gute Nachricht der Deutschen Presseagentur: Die Sprache verändere sich zwar durch die Sozialen Netzwerke im Internet, aber nicht gleich zum Schlechteren. „Die meisten Nutzer im Internet wollen durch innovative sprachliche Strategien beeindrucken“, sagt die Mannheimer Sprachwissenschaftlerin Eva Gredel. „Die Sprache verroht dadurch nicht wirklich, sie differenziert sich nur mehr aus: Es geht darum, den Stil für seine Community zu finden“, erläuterte die Sprecherin des Wissenschaftsnetzwerks „Diskurse digital“ vor einer Konferenz zum Thema. Die schlechte Nachricht: Das Argument überzeugt uns „nicht wirklich“. Ausdifferenzierung, „den Stil für seine Community (...) finden“ – das klingt mehr nach Abschottung denn nach Verständigung, mehr nach Auseinanderdriften denn Integration. Nicht zu reden von dem unnötigen Gebrauch des Wortes „community“. Bereits der Journalist Wolf Schneider („Deutsch für Kenner“), der Generationen von Journalisten beim einfachen Formulieren geholfen hat, warnte vor dem inflationären Einsatz von Anglizismen. Oder sind wir wirklich schon so weit: Ist Deutsch keine Sprache mehr, sondern ein Krankheitszustand? Ein Geschwür, das man lieber zudeckt und ersetzt als durch korrekten Gebrauch zur Gesundung zu führen?

Fest steht: Die vor 20 Jahren eingeleitete Rechtschreibreform, die dann bis 2011 noch einmal in Etappen reformiert wurde, hat die Heilung nicht wirklich herbeigeführt, sondern den Zustand verschlimmert. Niemand scheint mehr so richtig zu wissen, wie man richtig schreibt – das Ergebnis ist eine Ausbreitung des „Dummdeutsch“, das nur noch wenig gemein hat mit dem Sprachgefühl unserer Nobelpreis-Heroen (Mann, Böll, Grass). Doch der Reformwahn der Bildungspolitiker kennt noch andere Spielwiesen. Das Geschlecht zum Beispiel. Was wären wir ohne die vielen „Arbeitshilfen für geschlechtergerechtes Formulieren“? Wahrscheinlich würden wir immer noch durch die Formulierung „brüderlich teilen“ die Sprache verunstalten und die Hälfte der Erdbevölkerung diskriminieren. Als wenn Frauen nicht „gerecht“ teilen könnten. Unvergesslich Genderforscherin Lann Hornscheidt von der Berliner Humboldt-Universität, die die traditionelle Geschlechterrolle in der Sprache eliminiert. Studenten werden zu „Studierx“, Professoren zu „Professx“ und Mitarbeiter zu „Mitarbeitx“. Was soll man da machen? Am besten in die Comic-„Community“ eintreten und bei Asterix und Obelix altsprachliches Deutsch studieren. Pflegestufe 2 als symptom-bezogene Strategie. Wirklich.

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