Die Gnadenworte Christi verkünden

Am 8. Dezember vor 20 Jahren ging das katholische Radio Horeb auf Sendung – Ein Gespräch mit seinem Gründer Pfarrer Richard Kocher. Von Alexander Riebel
Foto: Radio Horeb | Unermüdlich im Einsatz für Radio Horeb: Pfarrer Richard Kocher.
Sie haben soeben das 20-jährige Jubiläum von Radio Horeb gefeiert. Was bedeutet dieser Tag für Sie?

Ein Tag riesiger Freude, weil niemand so ein Unternehmen für möglich gehalten hat. Als wir mit Ehrenamtlichen begonnen haben, sagte man, das geht nicht, die wollen gleich Geld sehen. Auch war die Frage nach der Qualifikation, ob ich Kommunikationswissenschaft oder Betriebswirtschaft studiert habe. Das habe ich nicht studiert. So ging das immer weiter, dass man es uns nicht wirklich zugetraut hat. Inzwischen gehören wir von allen Sendern der Radio-Maria-Familie zu den meistgehörten. Wir können jetzt den Beweis antreten, dass das Digitalradio doch ein missionarisches Radio ist und kein Nischenradio für Insider.

Wie war der Start des Senders und was ist Ihnen aus der Anfangszeit noch besonders in Erinnerung?

Da ist noch viel in Erinnerung. Der Start war sehr abrupt, wir konnten noch nicht einmal eine Presseerklärung herausgeben. Plötzlich waren die Lizenz und die Verträge da, so dass wir jedes Jahr 400 000 Mark zahlen mussten. Mein Leben vorher war relativ gut strukturiert, aber dann war nur noch Improvisation angesagt. Alles begann mit einem leeren Stück Papier und viel Engagement. Es war eine große Freude, die modernen Kommunikationsmittel zu nutzen und damals hatte niemand geahnt, dass sie solch eine große Bedeutung bekommen würden. Es war für uns wie eine Mondlandung. Als dann am ersten Sendetag jemand außerhalb des bisherigen Sendegebiets anrief, hatten wir eine Schallmauer durchbrochen.

Heute haben Sie 50 hauptamtliche und rund 1 000 ehrenamtliche Mitarbeiter – wie stehen Sie zusammen die schweren Herausforderungen in dieser Zeit durch?

Mit viel Optimismus und viel Freude. Wir bekommen immer wieder mit, dass wir Menschen erreichen, die auf der Suche nach Sinn sind. Die uns später geschrieben haben, dass sie zunächst nur Namenschristen waren und dann einmal reingeschaltet haben. Häufig haben sie dann die lebensberatenden Sendungen gehört, bei denen auch Chefärzte von Unikliniken zugeschaltet sind. Dass diese Lebens- und Familienfragen viele Menschen ansprechen, zeigt uns, dass wir das Programm noch vielseitiger gestalten können. Es ist Erfindungsreichtum angesagt. Wir schaffen Netzwerke von Mitarbeitern etwa in einem Umkreis von 30 Kilometern, die wir qualifizieren, zum Beispiel mit Power Point und Informationsmaterialien, um etwa in Seniorenheimen, im Frauenbund oder im Frühstückskreis Radio Horeb vorzustellen. Das nennen wir „Team Deutschland“. Daneben haben wir die „Pfarrei der Woche“ mit zwei Satellitenwagen, mit denen wir die Heilige Messe und den Rosenkranz oder das Stundengebet übertragen. Das ist sehr intensiv, weil wir vorher in die Pfarrei fahren und sie im Internet vorstellen. Solche Projekte müssen immer wieder neu organisiert werden, wobei wir selbst auch lernen. Ich vergleiche Radio Horeb gerne mit einer „leichten Kavallerie“. Wir können Ideen sehr schnell umsetzen und sind kein schwerfälliger Apparat. Unser Erfolgsgeheimnis ist es, immer nah bei den Menschen zu sein, ob beim Hörerservice, mit dem Sat-Mobil oder on air.

Sie, im Mittelpunkt von Radio Horeb, strahlen spürbar Missionsgeist aus – wie verstehen Sie Ihre ureigenste Aufgabe?

Das kann ich ganz leicht definieren: Menschen für Christus und sein Reich zu gewinnen. Damit sie ihr Leben danach gestalten, was Christus uns gesagt hat. Alles, was wir von Christus wissen, sind Worte der Gnade. Unser Ziel ist es, Menschen zu Christus zu führen, die die Grundfragen des Lebens beantwortet haben wollen. Das ist ein schönes Ziel, weil es kein kommerzielles ist. Der Weg dahin gleicht einer mathematischen Präzision. Die Liturgie ist dabei die innere Achse, dann das Stundengebet, die Heilige Messe, der Rosenkranz und das Gebet – es ist unser Atem, das alles trägt uns. Eine große Hilfe sind die vielen Ehrenamtlichen, die wir motivieren können, uns auf diesem Weg zu unterstützen.

Radio Horeb ist ein Live-Radio, ein Liturgiesender zur Übertragung Heiliger Messen und ein Zuschaltradio. Sie haben aber auch Themen wie Lebenshilfe, Soziales, Musik oder Nachrichten. Man sagt, die Zuhörer richten ihren Tag nach Ihrem Programm ein. Wie sind Ihre Erfahrungen?

Es ist genau so. Bei vielen Leuten dürfen Sie nicht nachmittags um drei Uhr vorbeikommen, denn da wird der Rosenkranz gebetet. Durch meinen engen Kontakt zu den Zuhörern, jeden Mittwoch und oft auch am Samstag, weiß ich, dass trotz der Digitalisierung die Zahl derer, die erst einige Monate, ein oder zwei Jahre dabei sind, wächst. Das ist wie bei einer Love-Story. Ich frage die Leute: „Wann haben Sie denn Radio Horeb entdeckt?“ – „Das war am 18. Oktober um 10.35.“ Sie erinnern sich sogar oft an die Uhrzeit; es ist, wie wenn man den Partner für's Leben entdeckt, da erinnert man sich auch oft an die Uhrzeit. Wir haben einen religiösen Grundversorgungsauftrag, wie es der Leiter der bayerischen Staatskanzlei, Marcel Huber, einmal gesagt hat. Es ist geistige Nahrung frei Haus.

Radio Horeb gehört zur Radio-Maria-Weltfamilie in einem globalen Netzwerk von beinahe 80 Stationen. Wie kann man sich diese Zusammenarbeit vorstellen, haben Sie regelmäßig Kontakt, um über künftige Projekte zu sprechen?

Das ist wirklich eine faszinierende Sache. Die europäischen Programmdirektoren treffen sich einmal im Jahr, im nächsten Jahr wird es in Ungarn sein. Beim letzten großen Treffen sind wir bei einer Sonderaudienz beim Papst empfangen worden. In Deutschland ist es uns leider noch nicht gelungen, wie der Papst sagt, an die Peripherie zu gehen: In die Gefängnisse sind wir trotz intensiver Bemühungen noch nicht gekommen. Bei unserem Welttreffen im vergangenen Jahr wurde ein Film eingespielt, der gezeigt hat, wie die Italiener es geschafft haben, in 250 forensische Einrichtungen und Gefängnisse zu kommen und wo das Radio äußerst segensreich war. Wir können ja hier keine Spenden erwarten, sondern wir sind bei den Menschen in oft großer seelischer Not. Auch wenn große Schwierigkeiten wie Sicherheitsbestimmungen überwunden wurden, konnten solche Besuche doch möglich gemacht werden. Durch die Weltfamilie erfährt man auch, dass zum Beispiel der Vorsitzende der ruandischen Bischofskonferenz deutsch spricht. So konnten wir ihn zuschalten. Auch hierbei ist die Weltfamilie eine große Hilfe für die Stationen untereinander, wodurch ein schönes internationales Flair ins Programm kommt.

Es lassen sich schon Digitalradiogeräte bestellen, bei denen Ihr Sender mit einer blauen Taste fest eingestellt ist. Bieten Sie auch Service für Ihre Zuhörer an?

Ja, es gibt immer noch die Einstellhelfer, ein Relikt aus der Frühphase von Radio Horeb. Heute, in der fortschreitenden Digitalisierung, ist das kaum noch nötig. Immerhin aber war Radio Horeb nachweislich der erste Sender, der diese Taste erfunden hat. Hätten wir die Feststelltaste patentieren lassen, hätten wir viel Geld machen können.

Im deutschen Sprachraum haben Sie etwa 200 000 Zuhörer und leben ausschließlich von Spenden. Ende dieses Jahres werden allein sieben neue Senderstandorte in Betrieb genommen. Welche Pläne haben Sie mit Radio Horeb für die Zukunft?

Das Problem war immer die Frequenzknappheit. UKW-Plätze sind nur begrenzt verfügbar, und wenn es einen freien Platz gab, entstand ein Kampf darum. Das Hauptziel, dass wir nun deutschlandweit vertreten sind, ist erreicht. Das nächste Hauptziel ist es, Radio Horeb bekannt zu machen. Wir haben schon zehn Mitarbeiter, die jetzt PR machen und das Radio in die Öffentlichkeit hinaustragen. Es ist wichtig, immer wieder neue Formate zu finden für Menschen, die sich für den Glauben interessieren. Häufig bekommen wir Anrufe von Hörern, die sagen, sie seien nicht christlich sozialisiert, hätten aber Interesse. „Was können wir denn tun?“, ist da häufig die Frage. Der Priester vor Ort kann oft auch nichts tun, weil er so eingespannt ist. Da brauchen wir zehn hervorragende Sendungen, die man auf Podcast abrufen kann und die als CD erhältlich sind, und die eine „Einführung in das Christentum“ geben, wie das bekannte Buch von Joseph Ratzinger hieß. Mittelfristig werden wir auch ein neues Medienhaus bauen müssen, um den künftigen Anforderungen gerecht zu werden.

Wie sehen Sie die derzeitige Situation der Missionierung?

Was mich in unserem Land betroffen macht ist, dass es jetzt die geringsten Priesterberufungen seit der Statistik gibt. Die Austrittszahlen sind horrend und die Frage muss sein, wie die Evangelisierung verstärkt werden kann, um die vielen abseits Stehenden zu erreichen. Diese Frage bewegt mich zutiefst. In den Vereinigten Staaten hat die Bewegung „Anbetung für Berufungen“ nachweislich eine dokumentierbare Trendwende eingeleitet. Ich wünschte mir, dass viel mehr evangelisiert wird und dass man auf die Not der Zeit eine Antwort gibt.

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