Augsburg

Dem heiligen Georg innig verbunden

Nicht nur zahlreiche Besuche verbinden Kaiser Maximilian eng mit der Stadt Augsburg. Zum 500. Todestag ehr sie den "letzten Ritter" mit einer prachtvollen Ausstellung.
Ausstellung "Kaiser Maximilian I."
Foto: Uwe Anspach (dpa) | Im Turnierbuch "Freydal" eine Zeichnung des Ritters Maximilian im Kampf mit einem Gegner zu sehen.

Der vor 500 Jahren gestorbene Kaiser Maximilian I. gehört zu den populärsten Herrschern der deutschen Geschichte. Besonders gern hielt sich der Habsburger in Augsburg auf. Seine zahlreichen Besuche der Reichs- und Bischofsstadt summieren sich auf 1.037 Tage. Nirgendwo sonst in Deutschland weilte er länger. Mit einer prachtvollen Sonderschau in dem nach König Max II. von Bayern benannten Maximilianmuseum gedenkt die Stadt ihres prominenten Gastes, den sie 1957 zum „Ehrenbürger“ erhob.

Die rund 150 kostbaren Bilder, Bücher, Objekte und Dokumente heben die engen Verbindungen zwischen Maximilian (1459–1519) und Augsburg hervor. Doch bevor es prunkvoll und prächtig wird, geht es makaber zu. Das von einem unbekannten Maler geschaffene „Totenbildnis Maximilians I.“ (16. Jahrhundert) bietet einen erschreckenden Anblick. Denn der Kaiser hatte die Anweisung gegeben, dass sein Leichnam gegeißelt werde, ihm die Haare geschoren und die Zähne ausgeschlagen werden, um Buße für seine Sünden zu tun.

Zur Reinkarnation des Drachentöters verklärt

Bestatten ließ sich Maximilian in der Tracht des von seinem Vater Friedrich III. begründeten Sankt-Georg-Ritterordens vor dem Altar der Georgskapelle der Burg von Wiener Neustadt. In ihr war er auch getauft worden. Den Ritterheiligen Georg wählte er zu seinem Schutzpatron. Auf zwei Farbholzschnitten, die Hans Burgkmair der Ältere 1508 im Auftrag des Augsburger Stadtschreibers Konrad Peutinger entwarf, stehen sich der heilige Georg zu Pferde und Kaiser Maximilian I. hoch zu Ross in glanzvollen Rüstungen gegenüber. Maximilian fand sich so gut getroffen, dass er anlässlich des Augsburger Reichstags von 1518 eine Neuauflage von seinem Holzschnitt abziehen ließ. Die kurz nach dem Tod des Kaisers vom Augsburger Künstler Daniel Hopfer geschaffene Eisenradierung „Maximilian als heiliger Georg“ verklärt ihn gar zur Reinkarnation des Drachentöters.

Porträts stellen uns Augsburger Persönlichkeiten vor, die Maximilian hilfreich zur Seite standen. Eine Federzeichnung Albrecht Dürers präsentiert den Patrizier „Matthäus Lang von Wellenburg“ (um 1518). Maximilian erhob ihn zu seinem Sekretär und engem Ratgeber. Mit Hilfe des Papstes setzte er durch, dass Lang entgegen des Beschlusses des Augsburger Domkapitels, keine Bürger der Reichsstadt in seine Reihen aufzunehmen, sogar den Vorsitz über ihr Kollegium erhielt. Lang brachte es mit kaiserlicher Unterstützung zum Bischof von Gurk, zum Kardinal und zuletzt zum Erzbischof von Salzburg. Mit Zustimmung von Papst Julius II. rief Lang 1508 im Dom von Trient Maximilian zum Kaiser aus.

Hans Burgkmairs Farbholzschnitt präsentiert uns den Handelsherrn, Bergbauunternehmer und Bankier „Jakob Fugger den Reichen“ (1511). Auch eine Ausgabenrechnung Jakob Fuggers für Maximilian ist ausgestellt. Sie weist uns darauf hin, dass er der wichtigste Geldgeber für die Kriegszüge des Herrschers sowie seine kostspielige Hofhaltung mitsamt glanzvollen Ritterturnieren und die ehrgeizigen Kunstprojekte war. Mit diesen Kunstprojekten, seinem „Gedächtnis-Werk“, wollte Maximilian dafür sorgen, der Nachwelt in guter Erinnerung zu bleiben.

Der mit zahlreichen Holzschnitten ausgestattete und von ihm selbst verfasste autobiografische Roman „Theuerdank“ erschien 1517. Vieles andere blieb unvollendet oder kam erst nach Maximilians Tod zum Abschluss. So entwarf Leonhard Beck 1516 bis 1518 über 100 Holzschnitte von Heiligen, die Maximilian als Mitglieder seiner Familie reklamierte. Sie sollten seine ehrwürdige Herkunft bezeugen. Zu seinen Lebzeiten erschienen jedoch nur einige Probedrucke, darunter die raren Abzüge zweier Patrone des Bistums Augsburg: die heiligen Bischöfe Ulrich und Simpert.

Der Ulrichsbasilika eng verbunden

Die Heiligen Simpert, Ulrich und Afra ruhen in der katholischen Ulrichsbasilika, ehemals Kirche des 1802 aufgelösten Benediktinerklosters St. Ulrich und Afra. Dem war Maximilian eng verbunden. Anno 1492 nahm er als Sarkophagträger an der Translationsfeier des heiligen Simpert teil. Acht Jahre später legte Maximilian den Grundstein zum Neubau des Chores der Ulrichsbasilika und nahm an der feierlichen Weihe des Langhauses teil.

Im Maximilianmuseum sind kleinformatige Reproduktionen dreier Gemälde ausgestellt, die die Prozession, die Grundsteinlegung des Chores und die Langhausweihe zeigen. Die jeweils mehr als vier Meter langen Originalgemälde, die ein unbekannter Künstler um 1613 schuf, hängen im südlichen Querhaus und im Hochchor der besuchenswerten Ulrichsbasilika. Der fromme Maximilian trat sogar der Bruderschaft von St. Ulrich und Afra bei. Doch die guten Beziehungen zu den Brüdern erhielten einen empfindlichen Dämpfer, als diese die ihnen vom Kaiser anvertrauten 500 Gulden zur Errichtung seines Reiterstandbildes veruntreuten, um das Geld lieber für den Weiterbau des Chores zu verwenden.

Ausgestellt ist die von Hans Burgkmair um 1508 geschaffene Entwurfszeichnung dieses Reiterstandbilds Maximilians I. Stolz steht der geharnischte Kaiser im Sattel seines Pferdes, die Krone auf dem Haupt, das blanke Schwert steil emporgerichtet. So macht er seinem Ruf als „letzter Ritter“ alle Ehre. Doch diesen heute so geläufigen Beinamen erhielt er erst Jahrhunderte nach seinem Tod. Zu verdanken hat er ihn Anton Alexander von Auersperg, der 1830 unter dem Pseudonym Anastasius Grün ein Heldenepos über Kaiser Maximilian I. herausgab. Titel: „Der letzte Ritter. Ein Romanzen-Kranz.“

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