"Das Beste kommt noch"

Erziehung zur Liebe: Bücher und Anregungen zur Familien- und Sexualerziehung in heutiger Zeit - Die Pubertät: Teil III und Schluss. Von Cornelia Huber
Strandwetter an der Ostsee
Foto: dpa | Strandwetter auf der Insel Rügen: Andreas Fett empfiehlt, sich vor dem Baggern erst mal das „Baugrundstück“ anzusehen.

Der letzte Teil der Reihe befasst sich mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Für diese Altersklasse sind zum einen ausführlichere Informationen als in der Vorpubertät erforderlich, zum anderen interessieren sich die Jugendlichen stärker für das andere Geschlecht, das sexuelle Interesse erwacht und grundlegende Fragen stellen sich. Es ist wichtig, den Jugendlichen gutes Material an die Hand zu geben, denn sie möchten nun nicht mehr alle Themen mit ihren Eltern besprechen, und nicht alle Unterlagen, die sie in der Schule dazu erhalten, sind aus christlicher Perspektive empfehlenswert. Wie bei den Grundschulkindern gilt auch hier, wer frühzeitig das Gespräch mit dem Biologielehrer seines Kindes sucht, hat die Chance, auf gute Unterlagen hinzuweisen. So kann hoffentlich nicht nur das eigene Kind, sondern auch dessen Schulklasse davon profitieren.

Die Broschüre „Be a star of love & life“ von Dr. Thomas Schenk, Dr. Jutta Graf und Dr. Gintas Vaitoska, zu erwerben beim Herausgeber (www.teen-star.de/service/jugendbroschuere/), erweitert die vorhandenen Kenntnisse über die Pubertät und geht mehr ins Detail. Sie ist gedacht für 14- bis 18-Jährige (etwa ab der 8. Klasse). Mit den körperlichen Veränderungen in der Pubertät beginnt es, danach werden Fragen rund um Liebe und Sexualität behandelt. Die Jugendlichen sollen dazu befähigt werden, auf der Grundlage ausführlicher und sachlicher Informationen eine eigene Entscheidung für den Umgang mit der Fruchtbarkeit zu treffen. Zum Beispiel diskutieren auf einer Seite zwei Jugendliche, was für und gegen frühe erste sexuelle Erfahrungen spricht; in einem Infoblock stehen medizinische Anmerkungen dazu. Die Ausführungen zu Eintritt und Verlauf einer Schwangerschaft beschäftigen sich auch mit der Krisensituation einer überraschenden Schwangerschaft; hier erhalten die Jugendlichen Hinweise auf mögliche Hilfen sowie rechtliche und medizinische Aspekte zur Abtreibung. Weiter werden die natürlichen Methoden der Empfängnisregelung ebenso wie die gängigen Verhütungsmittel mit Hinweisen auf die frühabtreibende Wirkung mancher Präparate erläutert, sowie sexuell übertragbare Krankheiten aufgeführt. Das Bischöfliche Jugendamt Augsburg gibt die Broschüre unter dem Titel „Sex und Sieben“ (Autoren Dr. Thomas Schenk, Dr. Jutta Graf, Dr. Gintas Vaitoska und Dr. Pascal Gläser) heraus. Neben den sachlichen Informationen enthält der Text auch Hinweise auf die christliche Sicht zu Ehe und Familie; die Bezugsquelle für die ab Herbst 2019 erhältliche 3. Auflage lautet bja.augsburg@bistum-augsburg.de.

Die Unterschiedlichkeit der Geschlechter, die von Gott als Mann und Frau erschaffen wurden, ist für die Jugendlichen einerseits anziehend, andererseits verwirrend. Nicht alles, was sie beim anderen nicht verstehen, erschließt sich den jungen Menschen von alleine. Zwei christlich geprägte Bücher können ihnen hier weiterhelfen. Mit dem Buch der amerikanischen Autorinnen Shaunti Feldhahn und Lisa A. Rice „wie jungs ticken – was mädchen unbedingt wissen sollten“ erweitern Mädchen ihr Wissen über die männliche Spezies. Möglicherweise werden sie im Umgang mit Jungen in Zukunft andere Entscheidungen treffen. Immer wieder verwenden die Autorinnen christliche Bezüge. Es ist ihnen ein Anliegen, dass die Leserin die starke, liebevolle, gute junge Frau wird, die Gott aus ihr machen möchte, und sie sich von Gottes Händen formen lässt.

Das Buch basiert auf einer wissenschaftlichen Umfrage unter 400 Jungen im Alter zwischen 15 und 20 Jahren. Eine Vielzahl von Zitaten gibt Informationen aus erster Hand. Oft sind es Dinge, die Jungen den Mädchen selten direkt sagen können. Zum Beispiel geht es um die Bedeutung des Respekts für einen Jungen oder deren visuelle Veranlagung sowie ihre Ansicht zu innerer und äußerer Schönheit. So finden 9 von 10 Jungen unterschiedliche Mädchen attraktiv. „Ich weiß nicht, warum die Mädels uns das nicht abnehmen. Wir Jungs wollen kein perfektes, unnatürliches Bikinimodell! Wir mögen individuelle Mädels, die das echte Leben kennen.“ Die befragten Jungen äußern sich auch offen zum starken Antrieb durch ihre Hormone. Nicht selten heißt es: „Die Mädels müssen die Grenzen setzen. Jungs kennen keine Grenzen. Wir ziehen das ganze Ding durch.“ Oder: „Wenn du nicht zu weit gehen willst, ist es am sichersten, gar nicht erst anzufangen.“

Ein Pendant für die Jungen ist das kurze, auch online frei verfügbare Taschenbuch „Bevor du baggerst“ von Andreas Fett. Der Autor gibt gut verständliche Hinweise für den Umgang mit dem anderen Geschlecht zwischen den beiden Polen Versuchung und Verantwortung. Die Sprache ist sehr lebendig, da das Büchlein aus der Mitschrift eines Vortrags auf einem Jugendtag entstand. Offen spricht Fett über typische Jungs-Themen wie Männlichkeit, Investitionen in die Zukunft und was ein Junge mit einem komplett installierten Rohbau zu tun hat. Dabei drückt er sich sehr anschaulich aus. Er empfiehlt beispielsweise: „Bevor du baggerst: Hinterlass bei deinen Annäherungsversuchen bitte keine gravierenden, irreparablen Spuren! Bloß nicht: Geliebt, gelobt, gelogen, gelinkt.“ Er ruft dazu auf, bei einem Mädchen, für das sich der Junge näher interessiert, den Alltags-Check zu machen: „Bevor du baggerst, schau dir erst mal genau das ,Baugrundstück‘ an. Wenn du einen Partner suchst, dann bitte unter möglichst lebensnahen Bedingungen.“ Liebesgeschichten aus dem Alten Testament dienen als Folie für Andreas Fetts aktuelle und praktisch erprobte Tipps.

Die Entwicklung der eigenen Identität und Denkanstöße für eine gelingende Suche nach dem Lebenspartner sind die Schwerpunkte der beiden letzten Bücher, die sich an ältere Jugendliche ab 15 Jahren und junge Erwachsene richten. „Das Beste kommt noch“ von Ute Horn, Daniel Horn und Sarah Heuser ist als überarbeitete Neuauflage 2018 erschienen. Die bunte Mischung von Autoren verschiedener Lebensalter garantiert Praxiserfahrung und berücksichtigt verschiedene Perspektiven. Ute Horn ist Ärztin, erfahrene Mutter und Autorin. Sie hält Workshops über das Thema Freundschaft, Liebe und Sexualität in Schulen. Daniel Horn (29) ist ebenfalls Arzt und hat im Alter von 17 Jahren bei der Vorgängerversion mitgearbeitet. Als 17-jährige Studentin bringt Sarah Heuser die Lebenswelt heutiger Jugendlicher in das gemeinsame Buch ein. Das Anliegen dieses Buches ist es, junge Menschen auf dem Gebiet der Freundschaften und Beziehungen gut vorzubereiten. So werden unter anderem Fragen wie: Wie entsteht Liebe? Sex vor der Ehe? Ja, klar! ...oder doch lieber warten? Was ist eigentliche meine Version für mein Leben? angesprochen. Mithilfe von Bibelstellen wird die christliche Haltung zu Freundschaft, Liebe und Sexualität dargestellt, die Hilfen und Richtlinien zum Umgang miteinander gibt.

„Das Beste kommt noch“ lädt die Jugendlichen mit Impulsfragen dazu ein, sich selbst besser kennenzulernen. Die Autoren zeigen auf, was „gut gerahmte Beziehungen“ sind und welche Faktoren eine Ehe stabilisieren. Dem Einfluss von Gesellschaft und Werbung, von Snapchat, Instagram und Co. sind eigene Kapitel gewidmet, die auf positive wie negative Aspekte eingehen.

„Liebe wählt aus“ von Wilma Lerchen, Beraterin am Institut für Natürliche Empfängnisregelung Prof. Dr. med. Josef Rötzer (INER), gibt Impulse für Jugendliche und junge Erwachsene. Lerchen ist es ein Anliegen, dass sich die Jugendlichen intensiv mit dem Thema Freundschaft und Sexualität auseinandersetzen und diesen wichtigen Bereich des Lebens nicht dem Zufall überlassen, sondern in die Lage versetzt werden, eine Entscheidung zu treffen. Die Autorin erzählt von ihrem persönlichen Weg bei Freundschaft und Partnerwahl. Einfühlsam und klar zugleich formuliert sie Denkanstöße und Fragen, vermittelt Orientierungs- und Entscheidungshilfen. Lerchen beleuchtet körperliche und seelische Vorgänge im Bereich der Sexualität. Sie erzählt, wie wertvoll es nach ihrer Erfahrung sein kann, aufeinander zu warten, und bezeugt ihren Glauben, dass bei einer sakramentalen Ehe Gott der Dritte im Bunde ist.

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