Das bekannteste Symbol der Teilung

Die Plakat-Ausstellung „Grenzen verstehen. Die Berliner Mauer 1961–1989“ bietet einen fundierten Einblick in das Leben im geteilten Berlin. Von Andrea Schultz
Foto: Infographics Group / Stiftung Berliner Mauer | Das Plakat 04 „Grenzstreifen“ stellt den Aufbau der zahlreichen Elemente dar, aus denen die militärisch gesicherte Sperranlage bestand.

Die „Berliner Mauer“ steht wie sonst kein anderer Begriff nicht nur für die Teilung einer Stadt und eines Landes, sondern auch für den Kalten Krieg. Als sie in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1989 fiel, konnte es für die Berliner kaum schnell genug gehen, das Symbol der deutschen Teilung auszumerzen. Dennoch kann heute noch der Grenzverlauf an manchen Stellen in Berlin nachvollzogen werden, etwa am Potsdamer Platz. An der Gedenkstätte Berliner Mauer, Ecke Bernauer/ Ackerstraße, können 220 Meter der Berliner Mauer, die einst auf einer Länge von 155 Kilometern West-Berlin umfasste, besichtigt werden. Über die Außenausstellung hinaus informieren ein Besucher- und ein Dokumentationszentrum über den Mauerbau und seine Folgen.

Bald – Anfang März 2018 – ist seit dem Mauerfall so viel Zeit vergangen, wie die Mauer gestanden hat. Kinder und Jugendliche, Schüler und Studenten, ja eine ganze Generation hat sie nicht mehr erlebt. Sie haben nicht aus eigener Anschauung erlebt, wie die Mauer Verwandte, Freunde, Nachbarn voneinander trennte. Sie können wohl kaum die Mischung aus Wut und Resignation nachempfinden, die etwa in Reinhard Meys „Mein Berlin“ zum Ausdruck kommt: „Wie oft hab ich mir den Kopf an dieser Mauer eingerannt./ Wie oft bin ich dran verzweifelt, wie oft stand ich sprachlos da,/ Wie oft hab ich sie geseh'n, bis ich sie schließlich nicht mehr sah!“

In erster Linie dieser Generation präsentiert die Stiftung Berliner Mauer eine neue Form der historisch-politischen Vermittlung: Die Plakat-Ausstellung „Grenzen verstehen. Die Berliner Mauer 1961–1989“ stellt erstmals ortsunabhängig Wissen zur Berliner Mauer zur Verfügung. Auf zwölf Plakaten behandeln sie unterschiedliche Aspekte zur Berliner Mauer. Begleitet von kurzen erläuternden Texten, historischem Bildmaterial und biografischen Geschichten illustriert die Ausstellung den Verlauf der Grenze um West-Berlin, die historische Entwicklung der Grenzanlagen, die Stationierung der Grenztruppen sowie Fluchtwege und Todesorte jener Menschen, die an der Berliner Mauer starben. Die Ausstellung zeigt darüber hinaus eine Fülle an neuen Detailinformationen, beispielsweise zum Aufbau der Grenzübergänge, dem schematischen Ablauf der Grenzkontrollen oder auch zur Anordnung eines Wachtturmes.

Jedes Plakat sei in sich thematisch geschlossen, betonte bei der Pressevorstellung Susanne Muhle, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Stiftung Berliner Mauer. Ihr Kollege Manfred Wichmann ergänzt dazu, besonders in einigen dieser Plakate – etwa in „Ausbaustufen“ – werde auch die Entwicklung der Befestigungsanlagen veranschaulicht. Dagegen bilde das Plakat „Grenzstreifen“ die Befestigungsanlagen so ab, wie sie Mitte der 1980er Jahre bestanden. Die Plakate bestehen aus sich durch einen akribisch rekonstruierten Detailreichtum auszeichnenden Infografiken, die von Jan Schwochow in zweijähriger Arbeit entworfen wurden. Dabei, so Schwochow, seien nicht nur manche Details, etwa Wachtürme, neu aufgenommen, sondern auch Fehler in älteren Darstellungen bereinigt worden. Zu den Infografiken kommen auch historische Fotos hinzu. „Historische Fotografien haben einen Beweischarakter“, führt Susanne Muhle dazu aus. Als „besonderes Highlight“ der Genauigkeit der Plakate nennt sie die Darstellung der einzelnen Wachtürme auf dem gleichnamigen Plakat, die ganz Berlin umrissen, die außerdem in ihrer jeweils unterschiedlichen Ausführung wiedergegeben werden. Stellen einige Plakate – etwa „Infrastruktur“ oder „Grenzübergänge“ den Alltag an der Mauer dar, so bildet „Fluchtwege“ einige der gelungenen Fluchtmöglichkeiten ab. In „Todesopfer“ wird der 139 Menschen gedacht, die zwischen 1961 und 1989 an der Berliner Mauer starben. Stellvertretend für sie werden sechs Todesopfer mit Bild und Kurzbiografie dargestellt. Ein weiteres Plakat „Wohngebiete“ stellt mit besonders vielen Fotos den Alltag der etwa 10 000 Menschen dar, die in Ost-Berlin und Potsdam im besonders kontrollierten Grenzgebiet lebten.

Beim Pressegespräch betonte der Direktor der Stiftung Berliner Mauer Axel Klausmeier die pädagogische Ausrichtung der Plakatausstellung: „Ich hoffe, dass die Ausstellung in möglichst vielen Schulen, Bildungs- und öffentlichen Einrichtungen gezeigt wird. Die innovative Form mit Infografiken regt – anders als umfangreiche Texte – unabhängig vom Wissens- und Erfahrungsstand zum Dialog an. Gleichzeitig ist die Ausstellung so flexibel konzipiert, dass die Plakate auch einzeln eingesetzt werden können. Aufgrund ihrer Detailfülle und visuellen Kraft eignen sich die Infografiken besonders gut für die historisch-politische Vermittlungsarbeit.“ Sie kann über die Website der Gedenkstätte Berliner Mauer bestellt werden. Im Besucherzentrum der Gedenkstätte ist die Plakatausstellung bis September 2017 zu sehen.

Die Ausstellung „Grenzen verstehen. Die Berliner Mauer 1961–1989“ ist ein Projekt der Stiftung Berliner Mauer in Zusammenarbeit mit der Agentur Infographics Group. Das Projekt wurde mit Mitteln der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur gefördert.

Die aus 12 DIN A1-Plakaten bestehende Ausstellung „Grenzen verstehen. Die Berliner Mauer 1961–1989“ ist bis Ende September im Besucherzentrum der Gedenkstätte Berliner Mauer, Bernauer Straße 119, 13355 Berlin, zu sehen. Sie kann außerdem von Schulen und Bildungseinrichtungen gegen eine Schutzgebühr von 30,00 EUR auf Deutsch oder Englisch unter www.berliner-mauer-gedenkstaette.de/de/grenzen-verstehen-1580.html bestellt werden.

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