Vatikanstadt

Franziskus und seine unsichtbaren Sekretäre

Im Gegensatz zu den Privatsekretären seiner Vorgänger sind die engsten Mitarbeiter von Franziskus stille Zuarbeiter. Umtriebige wie einflussreichen Privatsekretäre vom Schlage eines Stanislaw Dziwicz oder einen "George Clooney im Vatikan" wie Georg Gänswein sollte es an seiner Seite als Papst nicht geben.
Fabio Salerno und Papst Franziskus
Foto: Vatican Media (Romano Siciliani) | Der „Neue“ aus dem Staatssekretariat: Don Fabio Salerno arbeitet als Privatsekretär für Papst Franziskus.

Einen umtriebigen wie einflussreichen Privatsekretär vom Schlage eines Stanislaw Dziwicz oder einen „George Clooney im Vatikan“ wie Georg Gänswein sollte es an seiner Seite als Papst nicht geben, und so haben alle vier bisherigen Privatsekretäre von Franziskus eines gemeinsam: Sie fallen nicht auf, halten sich stets im Hintergrund, treten nicht an der Seite des Papstes auf und sind allenfalls kurz zu sehen, wenn sie beim Gebet des Angelus oben am Fenster über dem Petersplatz das Mikrofon für ihren Dienstherrn richten. Dziwicz und Gänswein standen während eines ganzen Pontifikats an der Seite ihrer Päpste – und erwarben sich damit eine nicht ganz unwichtige Position. Unter Franziskus arbeitet jetzt die zweite Generation an Papstsekretären, die erste trat still und schweigend ab, wie dann in diesem Jahr die zweite gekommen war.

Stille und schweigende Wechsel

Zuletzt löste jetzt der Italiener Don Fabio Salerno den Ägypter Monsignor Yoannis Lahzi Gaid, einen Priester der koptisch-katholischen Kirche, ab. Der Neue, Don Fabio, stammt aus Kalabrien, ist 41 Jahre alt und hatte nach der Priesterweihe 2011 die Päpstliche Diplomaten-Akademie in Rom besucht, worauf Stationen an der Nuntiatur in Indonesien und dann bei der vatikanischen Vertretung beim Europarat in Straßburg folgten. Zuletzt arbeitete der langgewachsene Italiener in der zweiten, für die Beziehungen zu den Staaten zuständigen Sektion des Staatssekretariats.

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Auch der Ägypter Gaid war aus dem diplomatischen Dienst des Heiligen Stuhls in die Privatzimmer von Franziskus gekommen, hatte in den Nuntiaturen in Bagdad und Amman gearbeitet und diente Franziskus als Übersetzer, wenn der Papst arabische Gäste empfing. Eine besondere Rolle spielte Gaid bei den Vorbereitungen der gemeinsamen katholisch-sunnitischen „Erklärung der Brüderlichkeit“, die der Papst und der Groß-Iman von Al-Azhar, Ahmed al-Tayyeb, im Februar 2019 in Abu Dhabi unterschrieben.

Monsignore Gaid wurde dann auch Mitglied im Hochkomitee für die menschliche Brüderlichkeit, das das Dokument von Abu Dhabi vor allem im muslimischen Raum weiter bekannt machen will.

Schon Ende des letzten Jahres hatte ein Privatsekretär sein Amt bei Franziskus wieder verlassen, der argentinische Monsignore Fabián Pedacchio Leániz, der wieder als Mitarbeiter in die Bischofskongregation zurückging, von der aus er bereits 2014 zu Franziskus gestoßen war. Auf Bitten der Kongregation hatte Kardinal Jorge Mario Bergoglio Pedacchio schon 2007 nach Rom geschickt. Er wirkte dort als guter Vertrauter Kardinal Bergoglios in der „Bischofsfabrik“ des Vatikans.

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Für Pedacchio kam dann Anfang des Jahres ein alter guter Bekannter, der Priester Gonzalo Aemilius aus Uruguay, Jahrgang 1979, den Bergoglio schon 2006 kennengelernt hatte und den er 96 Stunden nach seiner Wahl zum Papst in der Menschenmenge wiederentdeckte. Aemilius hätte alle Chancen gehabt, zu einem „Georg Clooney“ im Vatikan zu werden. Auch er hochgewachsen, blond und wegen seines guten Aussehens mehrfach Gast in Talkshows, wo er über seine Arbeit unter Jugendlichen und über seinen Lieblingsclub „Atletico Penarol“ berichtete, wofür er dann von diesem die Ehrenmitgliedschaft mit der runden Nummer 60 000 erhielt.

Auch die Neuen werden verschlungen wie von einem Grab

Aber auch Pedacchio verschlang der Vatikan in den ersten sieben Monaten dieses Jahres wie ein Grab. Als ihn Franziskus im März 2013 unter dem Publikum entdeckt hatte, holte er den Priester zu sich an den Altar und bat die Anwesenden darum, für Aemilius und seine Arbeit mit den Straßenkindern Montevideos zu beten. Dadurch wurde Aemilius zum wohl bekanntesten Priester Uruguays. Doch für die Papstsekretäre in Santa Marta gilt das nicht. Sie sollen verborgen bleiben.

Der fünfte Sekretär von Franziskus sollte das nur kurz bleiben. Den Malteser Alfred Xuereb hatte dieser als zweiten Privatsekretär von Papst Benedikt übernommen, machte ihn dann aber schon im November 2013 zu seinem Verbindungsmann zu den beiden Kommissionen für den IOR und die Finanzverwaltung des Vatikans, später dann, 2014, zum Generalsekretär des neuen Wirtschaftssekretariats. Von dort schickte ihn dann Franziskus als Nuntius – und Erzbischof – nach Korea und in die Mongolei.

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