Jüngerschaft

Eine Beschreibung, wie man mit Gott durchstarten kann

Ermutigung in einem Buch. Patrick Knittelfelder zeigt Christen Wege, wie sie aktive Glaubensnachfolge leben können . Großzügigkeit ist ein wesentliches Element.
Zuwendung
Foto: Adobe Stock | Patrick Knittelfelder ermutigt für die konkrete Glaubensnachfolge imAlltag das Gute im Anderen zu suchen.

Würde man versuchen, das Buch „Gamechanger“ in einem Wort zusammenzufassen, wäre „Ermutigung“ der passendste Begriff. So ermutigt der Autor Patrick Knittelfelder in dem Buch, das aus 15 Vorträgen in der Home-Mission-Base, einem Missionszentrum in Salzburg der katholischen Loretto-Gemeinschaft, entstanden ist, zunächst einmal im eigenen Leben aufzuräumen. „Ein ganz entscheidender Punkt dafür, ob du geistliche Autorität hast, ist dein Leben.“ Um diese geistliche Autorität zu erlangen, sei Umkehr und Versöhnung notwendig: Im eigenen Leben, aber auch Bitte um Verzeihung für die Fehler der vorigen Generationen. „Es wird massive Auswirkungen auf dein Leben haben“, verspricht er.

Für andere 

Lesen Sie auch:

Zu Beginn der Kapitel erzählt Knittelfelder immer persönliche Geschichten, an denen er die verschiedenen Prinzipien für lebendige Jüngerschaft veranschaulicht. So erzählt er zum Beispiel in dem Kapitel, in dem er den Leser ermutigt, Gott neu zu entdecken, wie sein kleiner Sohn morgens zu ihm gekommen sei und er es nicht übers Herz gebracht habe, zu gehen, weil er unbedingt bei seinem Sohn habe bleiben wollen: „Eigentlich muss ich jetzt die Welt retten. Aber ich kann jetzt nicht. Ich hab einfach keine Zeit, denn ich will und muss jetzt einfach bei Dir bleiben“, fasst er seine Gedanken zusammen und fügt prägnant hinzu: „So ist Gott.“ Diese Aussage wiederholt er immer wieder nach verschiedenen Beschreibungen von göttlichen Eigenschaften, um dem Leser ein positives Gottesbild nahe zu legen.

Erst selber umkehren

Ganz nach dem Prinzip: erst selbst umkehren, dann Gott besser kennenlernen, dann andere begeistern. Daran knüpft der Unternehmer und Mitgründer der Home-Mission-Base in Salzburg Kapitel zum Umgang mit den Mitmenschen an. So ermutigt er den Leser beispielsweise, das Gute in anderen zu suchen. Anhand einer Geschichte über eine reiche Frau, die für ihre Katzen eigens eine Villa gekauft habe, veranschaulicht er, wie schnell man dabei ist, andere zu verurteilen. Wenn man sich in einer wertschätzenden Haltung auf Schatzsuche  bei dieser Frau mache, könne man allerdings sehen, was für eine enorme Liebesfähigkeit Gott in diese Frau hineingelegt habe. Durch solche einfachen Änderungen in der persönlichen Haltung könne es gelingen, etwas zu bewegen: „Wenn wir mit so einer Einstellung durchs Leben gehen und überlegen, was bei den Leuten im Hintergrund steht und in ihnen steckt, ... dann können wir am Reich Gottes mitbauen und die Welt ein kleines bisschen besser machen.“

Fröhlich geben

Auch ermutigt Knittelfelder mit dem Hinweis darauf, dass in der Bibel zu „fröhlichem und freudigem Geben“ geraten werde, zu Großzügigkeit. Dabei gehe es nicht darum, den Armen etwas zu geben, wenn etwas übrig bleibe. „Das ist kein fröhliches und freudiges Geben. Wenn Gott vom fröhlichen Geben spricht, dann meint er damit eine grundsätzliche Herzenshaltung, immer, in jeder Lebenslage.“

Generell ermutigt der Autor zwar zu bestimmten Haltungen, aber überlässt es dem Leser, herauszufinden, wie er diese konkret umsetzen möchte. So hilft der Autor dem Leser, mit einem Fragenkatalog zum Thema des jeweiligen Kapitels selbst zu reflektieren, wo er etwas ändern könnte, und immer mehr zu lernen, auf Gott zu hören. „Christsein heißt, eine Beziehung zu führen. In einer Beziehung musst Du mit Deinem Partner abklären, wo was wie dran ist, und Du musst das richtige Maß erringen und erstreiten. Gott wird Dir ganz genau sagen, wie Dein Rennen läuft.“ Durch die Fragen, aber auch durch eine Zusammenfassung der Kernaussage des jeweiligen Kapitels sind die einzelnen Themenblöcke nochmals klar auf den Punkt gebracht, Zwischentitel in den einzelnen Kapiteln verleihen den Gedanken eine klare Struktur und einen roten Faden, dem der Leser gut folgen kann.

Jugendliche Färbung

Auch die einfache Sprache, die teils von englischen Begriffen gefärbt ist und dem Buch ebenso wie die bunte Gestaltung eine jugendliche Färbung verleiht, macht das Buch leicht lesbar und Jüngerschaft für den Alltag greifbar. Die persönlichen Erfahrungen, die locker nacherzählten Bibelgeschichten und die Gedanken und Ratschläge, die der Autor dem Leser mit auf den Weg gibt, erzeugen ein natürliches Wechselspiel aus Unterhaltung, Lehre und Reflexion. Durch rhetorische Fragen und durch den Stil, in dem Knittelfelder den Leser immer wieder direkt anspricht, wird das Buch nie langweilig, der Leser fühlt sich vielmehr herausgefordert, selbst tätig zu werden.

Das Buch „Gamechanger“ zeigt, wie einfach und doch radikal der christliche Glaube ist. Es besinnt auf die Hauptaufgabe der Christen, am Reich Gottes mitzubauen und ermutigt, selbst daran teilzuhaben.


Patrick Knittelfelder: Gamechanger: Starte durch. Mit Gott. Jeden Tag. SCM Verlag, 2021, 175 Seiten,
ISBN: 9783417269697, EUR 14,99

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Weitere Artikel
Religion auf dem Weg zu mehr Bedeutung. Eine Entgegnung auf Wolfram Weimers Buch „Sehnsucht nach Gott“. Begriffsklärung ist nötig.
04.12.2021, 15  Uhr
Tilman Asmus Fischer
Viele Christen schwingen schnell den Holzhammer, wenn es um „Harry Potter“ geht. Der Vorwurf: Seine Geschichte soll Leser zum Schlechten verführen.
21.06.2022, 16  Uhr
Vorabmeldung
Themen & Autoren
Veronika Wetzel Bibel Christen Gott Gottesbild

Kirche

Deutsche Bischofskonferenz gibt mit dem Katholischen Medienpreis 5000 Euro für Selbstdemontage der katholischen Kirche aus. Den Bischofsstab haben nun die Medien. Ein Kommentar. 
17.08.2022, 20 Uhr
Dorothea Schmidt
Sie hängen an Häusern in Nischen. Verkündigung als Teil der Architektur. Hausmadonnen weisen Passanten auf die Geheimnisse des Glaubens hin. 
17.08.2022, 09 Uhr
Thosten Paprotny