Vatikanstadt

Der Vatikan zeigt plötzlich Zähne

Sich nicht dem Gender-Mainstream unterwerfen zu wollen, ist in Italien für Kurie und Bischöfe auch ein Kampf um die Freiheit der Kirche und die Christenrechte. Ein Kommentar.
Heiliger Vater - Papst Franziskus
Foto: Giuseppe Lami (ANSA Pool/AP) | Der Vatikan protestiert gegen die mit dem Zan-Gesetz geplante Verletzung der Organisationsfreiheit und des Rechts auf freie Meinungsäußerung seitens der christlichen Gemeinschaften.

So wie die amerikanischen Bischöfe mit großer Mehrheit beschlossen haben, mit einem Lehrdokument über die Eucharistie ein Zeichen zu setzen, das auch Auswirkungen für das Verhältnis zu katholischen pro choice-Politikern haben könnte, so hat die Kirche in Italien jetzt den Skandal nicht gescheut. Schon seit einem Jahr warnt die Bischofskonferenz vor einem „Homotransphobiegesetz“, das im Parlament bereits durch die Abgeordnetenkammer gegangen ist und nun im Senat zur Beratung ansteht. Es ist nach dem Linkspolitiker und LGBT-Aktivisten Alessandro Zan benannt, der den Entwurf eingebracht hat, und läuft in den Medien unter der Bezeichnung „Gesetzesdekret Zan“.

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Die Bischöfe sehen die Schattenseite der Initiative

Die Bischöfe sehen die Schattenseite dieser Initiative: Sie bedrohe die Freiheit der Religionsausübung wie die Rede- und Meinungsfreiheit der Christen. In Italien gebe es keine Rechtslücke, die ein Gesetz gegen Homophobie erforderlich mache, hatte die Bischofskonferenz schon vor einem Jahr argumentiert. Wenn aber jemand nach dem Zan-Gesetz belangt werden könne, weil er in Vater und Mutter eine konstitutive Grundvoraussetzung für eine Familie sieht, werde eine Meinung unter Strafe gestellt, die man legitimerweise vertreten dürfe. Auch gehe es nicht, dass private Bildungsinstitutionen wie katholische Schulen nach den Vorstellungen Zans und der meisten Linkspolitiker per Gesetz gezwungen werden könnten, an Gay-Paraden oder Regenbogen-Aktionen teilzunehmen.

Doch es ist nicht nur die Kirche Italiens, die da nicht mitmachen will, sondern auch der Vatikan. Er hat jetzt in Gestalt des Sekretärs der für die Beziehungen zu den Staaten zuständigen Sektion im Staatssekretariat, Erzbischof Paul Richard Gallagher, in der Botschaft Italiens beim Heiligen Stuhl eine Verbalnote vorgelegt, die sofort das ganze Kabinett unter Ministerpräsident Mario Draghi in hellste Aufregung versetzt hat. Der Vatikan protestiert gegen die mit dem Zan-Gesetz geplante Verletzung der Organisationsfreiheit und des Rechts auf freie Meinungsäußerung seitens der christlichen Gemeinschaften, die beide durch das Konkordat gewährleistet seien.

Freiheit, die es zu verteidigen gilt

Es gehe um eine „Freiheit, die es zu verteidigen gilt“, titelte am Mittwoch „Avvenire“, die Zeitung der italienischen Bischöfe. Regierungschef Draghi hat bereits zugesichert, in der Auseinandersetzung zwischen der Kirche und der Mainstream-Lobby, die längst schon gute Teile des politischen Establishments im Griff hat, zu vermitteln.

Die Kirche setzt damit ein Zeichen – in den Vereinigten Staaten wie jetzt auch in Italien: Es gibt politische Haltungen und Entwicklungen, die sich mit christlichen Positionen einfach nicht vereinbaren lassen. Aufgabe der Hirten ist es, in einem sich immer weiter säkularisierenden und mehr und mehr post-christlichen Westen die Säulen des katholischen Propriums positiv herauszustellen. Dazu gehören nicht zuletzt die Heiligkeit des menschlichen Lebens von der Empfängnis bis zu seinem natürlichen Tod sowie die Heiligkeit der Ehe von einem Mann und einer Frau. So wie die amerikanischen Bischöfe mit ihrem Lehrdokument ein „umfassendes Programm zur eucharistischen Erziehung in der Kirche“ in die Wege leiten wollen (George Weigel), so treten Vatikan und italienische Bischöfe für die Freiheit der Kirche ein, sich totalitär gebärdenden Folgen der Gender-Ideologie nicht unterwerfen zu müssen. So sieht es aus, wenn Hirten Verantwortung tragen.

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