Mein Leben mit Gott

Auf Umwegen zum katholischen Glauben

Nach langer Suche in östlichen Religionen fand ich durch einen Schicksalsschlag wieder zum katholischen Glauben.
Rhododendronblüte auf dem Ohlsdorfer Friedhof
Foto: dpa | Sterben und Tod markiert eine Zielgerade für Angehörige. Mancher Sinnsucher entdeckt durch den Verlust eines geliebten Menschen die Liebe Gottes.

Ich bin 1969 im Sauerland geboren und als Katholik aufgewachsen. Als Kind war ich zwar Messdiener, aber ich interessierte mich schon damals für andere Religionen. Ich fragte nach, wie es mit den Muslimen, mit den Hindus, mit den anderen Religionen ist. Denn schon als Kind haben mich andere Kulturen interessiert. Ich kann mich beispielsweise an eine Familie erinnern, die aus Sri Lanka kam und die ich im Kindergarten kennenlernte. Es waren die ersten Menschen aus einem anderen Kulturkreis, die ich kennenlernte.

So kam es, dass ich zwar nie aus der Kirche ausgetreten bin, aber etwa zwanzig Jahre lang nichts mit ihr am Hut hatte. Denn seit Ende der achtziger Jahre bis 2006 war ich überall in der Welt – Indien, Südamerika – unterwegs, um alle möglichen Kulturen kennenzulernen. In Indien bin ich auf die „Self-Realization Fellowship SRF“ – eine weltweite „Selbstverwirklichungsgemeinschaft“ – gestoßen, die 1920 von Paramahansa Yogananda gegründet wurde. Yogananda hat einige Bücher geschrieben, insbesondere die „Autobiografie eines Yogi“. Er hat versucht, die Parallelen zwischen Hinduismus und Christentum zu finden – ähnlich wie der Hinduismus es mit dem Buddhismus getan hat.

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Bei den "Black Foot" das Beten wieder erlernt

Der Buddhismus ist in Indien zum großen Teil im Hinduismus aufgegangen. Deshalb hat er sich im Gegensatz zu China und Japan in Indien nicht weiter verbreitet. Yogananda hatte den Auftrag, in den Westen zu gehen. Ende der 1920er Jahre ist er dann nach Los Angeles gezogen, wo er eine Selbstverwirklichungsgemeinschaft aufbaute. In seinen Schriften hat er versucht, Reinkarnation und Christentum miteinander zu vereinbaren. In seiner Lehre wird beispielsweise Johannes der Täufer als Reinkarnation des Propheten Elija angesehen.

Ich habe dann Ethnologie studiert und mich mit verschiedenen Kulturen und Religionen auseinandergesetzt: Hinduismus, Buddhismus, Schamanismus. Ich war auch bei den Indianern, unter anderem bei den „Black Foot“ in Kanada. Bei ihnen habe ich übrigens das Beten wieder gelernt, bei Zeremonien wie dem „Sundance“: Da wird vier Tage lang getanzt, getrommelt, gesungen ohne Essen und Trinken. Einige bringen dadurch Fleischopfer dar, dass sie sich piercen lassen. Das wird in der Regel als Opfer für andere getan, für die man zum Beispiel um Heilung bittet. Dazu kann ich aber sagen, dass Christus der größte Sonnentänzer ist, denn mehr als das eigene Leben kann man nicht geben.

Ein messianisch-jüdischer Musiker namens Joshua Aaron hat zusammen mit einem nordamerikanischen Indianer, der sich Chief Riverwind nennt, den Song „Every Tribe“ komponiert – das Video kann man auf YouTube sehen. Chief Riverwind erklärt in einem weiteren Video im Interview mit einem israelischen Sender, wie er sich als einer der verlorenen Stämme Israels sieht: Indianer gehen auf den Berg oder in die Wildnis – wie Jesus –, um zu beten und zu fasten. Deshalb sind für mich das Gebet und das Bild der „Frau Aller Völker“ für das Heil und den Frieden in der Welt in der jetzigen Zeit so wichtig.

Katholisch, aber nicht praktizierend

Zurück zum katholischen Glauben fand ich durch einen persönlichen Schicksalsschlag, denn meine Frau verstarb 2006. Sie war eine begnadete Musikerin. Sie war ursprünglich evangelisch, aber aus der evangelischen Kirche ausgetreten, bis sie kurz vor ihrem Tod wieder eintrat. Ich war katholisch, aber eben nicht praktizierend. Wir hatten indisch geheiratet.

Nach ihrem Tod bin ich bei ihrer Cousine untergekommen, die zwar evangelisch, aber mit einem Katholiken verheiratet war. Er war es, der mir den Unterschied zwischen Eucharistie und Abendmahl dargelegt hat. Das wusste ich theoretisch schon, aber mir war dessen Bedeutung nicht so klar. Das führte dazu, dass ich mich entschied, wieder in die Kirche hineinzuschauen. Da in Berlin St. Clemens von indischen Priestern betreut wird, war ich wieder im Kontakt mit Indern. St. Clemens ist ein wichtiger Ort für Berlin, wo man den Glauben richtig spürt. Da passieren Heilungen und Wunder, und das finde ich ansprechend.

Wichtig für mich war es, dass ich im Katholischen spirituelle Schriften gefunden habe, zum Beispiel die Texte des heiligen Pater Pio. Mein Vater lud mich zu einer Reise nach Medjugorje ein, wo ich ebenfalls einen lebendigen Glauben gefunden habe.

Ebenfalls von Bedeutung für die heutige Zeit sind die Dienerin Gottes Luisa Piccarreta und ihre Schriften „Im Reich des Göttlichen Willens“. Sie war eine Opferseele, denn sie hat sechzig Jahre oder mehr im Bett verbracht. Sie hat zur Zeit Pater Pios gelebt und war ein einfaches Mädchen aus Italien, dem aber mehr als tausend Seiten diktiert wurden. Auch diese Schriften sind für meinen Glauben von großer Bedeutung.

Aufgezeichnet von José García

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